"Website möglicherweise in Aktivitäten verwickelt, die nicht mit den Firmenrichtlinien für die Abwicklung von Finanztransaktionen übereinstimmen"
Nach dem Wirbel rund um den Boykott durch Mastercard und Visa hat am Wochenende auch die Bank of America alle Transaktionen an die Onlineplattform Wikileaks gestoppt. Assange spricht von "McCarthyismus".
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Washington - Die Notiz war kurzgehalten: Die Bank of America führe ab sofort keine Überweisungen mehr zugunsten von Wikileaks durch, teilte das Kreditinstitut am Samstag mit. "Diese Entscheidung basiert auf der begründeten Annahme, dass Wikileaks an Aktivitäten beteiligt ist, die gegen unsere internen Vorschriften für die Abwicklung von Zahlungen verstoßen." Welche "internen" Vorschriften betroffen sein könnten, verlautbarte die Bank of America allerdings nicht.
Umso mehr wurden die Spekulationen im Internet angefacht. Denn Wikileaks hat bereits angekündigt, in den kommenden Wochen angeblich brisantes Material über Großbanken zu veröffentlichen. Und Wikileaks-Gründer Julian Assange selbst hat bereits 2009 in einem Interview davon gesprochen, im Besitz von Informationen von der Festplatte eines Vorstandsmitgliedes der Bank of America gelangt zu sein.
Das Vorgehen der Bank of America kritisierte Assange in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP am Wochenende als "neue Form des ,McCarthyismus‘" in den USA. Der 1957 gestorbene US-Republikaner Joseph McCarthy führte in den 1950er-Jahren einen Feldzug gegen eine angebliche Unterwanderung von Staatsämtern durch Kommunisten und deren Anhänger. Seine Organisation solle um die Geldmittel gebracht werden, die sie zum Überleben brauche, sagte Assange in der ostenglischen Kleinstadt Beccles. Auch er sei auf die an Wikileaks überwiesenen Zahlungen angewiesen, damit seine Anwälte ihn vor einer Auslieferung in die USA oder nach Schweden schützen könnten. Wikileaks rief seine Unterstützer via Twitter dazu auf, ihre Konten bei der Bank of America aufzulösen und künftig keine Geschäfte mehr mit der Bank zu machen.
Unternehmensboykott
Assanges Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks hatte Ende November mit der Veröffentlichung von 250.000 geheimen Dokumenten der US-Diplomatie begonnen und damit helle Empörung in Washington ausgelöst. Assange vermutet daher, dass die gegen ihn gerichteten schwedischen Ermittlungen wegen Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen politisch motiviert sind. Assange ist derzeit in Großbritannien, wo über seine Auslieferung an Schweden entschieden wird.
Anfang Dezember hatten bereits die Kreditkartenunternehmen Visa Europe und Mastercard, die Schweizer Postbank sowie das Online-Bezahlsystem Paypal sämtliche Zahlungen an Wikileaks auf Eis legten. Hacker attackierten darauf diese Unternehmen. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 20.12.2010)