Parlament erteilte Staatschef vorübergehend Sondervollmachten - Rechte Opposition spricht von kubanischen Verhältnissen - USA üben Kritik
Caracas - In Venezuela hat das Parlament dem linken
Staatschef Hugo Chavez umfangreiche Sondervollmachten für einen
Zeitraum von 18 Monaten erteilt. Chavez kann damit bis ins Jahr der
Präsidentschaftswahl 2012 hinein ohne das Parlament Dekrete mit
Gesetzeskraft erlassen. Er hält die Vollmachten für nötig, um die
Folgen der jüngsten Überschwemmungskatastrophe, bei der 38 Menschen
ums Leben kamen, in den Griff zu bekommen.
Die Opposition kritisierte das "Ermächtigungsgesetz" ("Ley
Habilitante") als "kubanisches Gesetzespaket". Chavez wolle mit dem
Schritt seinen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" forcieren und das
im Jänner zusammentretende neue Parlament schwächen. Kritik kam auch
aus den USA. Es ist das vierte Mal, dass Chavez seit seinem
Amtsantritt 1999 mit Dekreten regieren kann.
20 Gesetze in der Pipeline
Chavez sagte, er habe bereits eine "erste Reihe von 20
Gesetzen"
fertiggestellt. Als sicher gilt eine Steuererhöhung, mit der ein
Wohnungsbaufonds finanziert werden soll. Das Sondervollmachtsgesetz
erlaubt es Chavez, Dekrete unter anderem in den Bereichen Finanz-,
Wirtschafts- und Sicherheitspolitik sowie Wohnungsbau zu erlassen.
Das neue Parlament tritt am 5. Jänner 2011 zur konstituierenden
Sitzung zusammen. Nach der Wahl vom 26. September ist der Block der
Opposition mit 65 Abgeordneten in dem 165 Sitze zählenden Parlament
vertreten, wodurch die fünfjährige Dominanz der Sozialistischen
Einheitspartei Venezuelas (PSUV) und deren Verbündeten beendet wird.
Mit der jetzigen Dekretverordnung fürchtet die Opposition, dass
Chavez am Parlament vorbei regiert und sich so in Position bringt für
die 2012 anstehende Präsidentschaftswahl.
Scharfe Kritik an dem Gesetz war vor der Parlamentsentscheidung
aus den USA gekommen. "Chavez findet anscheinend immer neue und
kreative Wege, autokratische Vollmachten zu rechtfertigen", sagte der
Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley. Das Vorgehen
untergrabe den Willen des venezolanischen Volkes, der bei der Wahl
vom 26. September zum Ausdruck gekommen sei. (APA/dpa)