Der ohnehin geringe Radverkehrsanteil in Wien sinkt im Winter (fast) unter die Wahrnehmbarkeitsgrenze
Schuld daran, so der Radlobbyist Hans Doppel, ist mehr als nur die "Unverhältnismäßigkeit der Räum-Ressourcen".
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Wien - Nicht nur im Sommer blickt Hans Doppel neidvoll nach Salzburg: "Die haben einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent. Im Winter sinkt er auf 20 Prozent: Da ist der Druck so groß, dass die Stadtverwaltung gar nicht auf die Idee kommt, Radwege nicht sofort zu räumen."
Wien jedoch, klagt der Sprecher von Wiens dienstältester Radfahrerlobby, der "Argus" ("Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr") im Gespräch mit dem Standard, sei anders: Sobald es schneit, gebe es nur eine Priorität - den motorisierten Individualverkehr (MIV). "Drei Viertel der Ressourcen gehen auf die Räumung der Fahrbahnen. Das ist unverhältnismäßig: Der MIV macht im Modal Split (dem Anteil an der Gesamtmobilität; Anm.) nur ein Drittel aus."
Derzeit, beschwert sich Doppel, hätten Radfahrer in Wien nichts zu lachen. Und dort, wo Radwege geräumt würden, gehe das "auf Kosten der Fußgänger: Denen kehrt man die Schneehaufen dann vor die Füße."
Flächendeckend Tempo 30 gefordert
Zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern fordert der Radlobbyist aber mehr: "Wenn es möglich ist, das Parkpickerl bei Schneefall auszusetzen, kann man auch flächendeckend Tempo 30 verordnen." Dann flöge der Gatsch weniger weit und verursache weniger Verschmutzungen - ein Hauptärgernis beim winterlichen Radfahren.
Dass die Zahl der Wiener Winter-Radler derlei nicht rechtfertige, irritiert ihn nicht: "Sicher: Der Wiener Radverkehrsanteil ist im Winter minimal. Aber das ist eine Frage von Henne und Ei: Wenn die Leute aufs Rad umsteigen sollen, muss die Stadt auch Handlungen setzen, die heute vielleicht noch symbolisch aussehen." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.12.2010)