Mühseliges Strampeln durch Gatsch und Schnee

17. Dezember 2010, 18:11
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    foto: apa/barbara gindl

    Flächendeckend Tempo 30 soll bei Schneefall Radfahrer in Wien vor Gatsch schützen.

Der ohnehin geringe Radverkehrsanteil in Wien sinkt im Winter (fast) unter die Wahrnehmbarkeitsgrenze

Schuld daran, so der Radlobbyist Hans Doppel, ist mehr als nur die "Unverhältnismäßigkeit der Räum-Ressourcen".

***

Wien - Nicht nur im Sommer blickt Hans Doppel neidvoll nach Salzburg: "Die haben einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent. Im Winter sinkt er auf 20 Prozent: Da ist der Druck so groß, dass die Stadtverwaltung gar nicht auf die Idee kommt, Radwege nicht sofort zu räumen."

Wien jedoch, klagt der Sprecher von Wiens dienstältester Radfahrerlobby, der "Argus" ("Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr") im Gespräch mit dem Standard, sei anders: Sobald es schneit, gebe es nur eine Priorität - den motorisierten Individualverkehr (MIV). "Drei Viertel der Ressourcen gehen auf die Räumung der Fahrbahnen. Das ist unverhältnismäßig: Der MIV macht im Modal Split (dem Anteil an der Gesamtmobilität; Anm.) nur ein Drittel aus."

Derzeit, beschwert sich Doppel, hätten Radfahrer in Wien nichts zu lachen. Und dort, wo Radwege geräumt würden, gehe das "auf Kosten der Fußgänger: Denen kehrt man die Schneehaufen dann vor die Füße."

Flächendeckend Tempo 30 gefordert

Zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern fordert der Radlobbyist aber mehr: "Wenn es möglich ist, das Parkpickerl bei Schneefall auszusetzen, kann man auch flächendeckend Tempo 30 verordnen." Dann flöge der Gatsch weniger weit und verursache weniger Verschmutzungen - ein Hauptärgernis beim winterlichen Radfahren.

Dass die Zahl der Wiener Winter-Radler derlei nicht rechtfertige, irritiert ihn nicht: "Sicher: Der Wiener Radverkehrsanteil ist im Winter minimal. Aber das ist eine Frage von Henne und Ei: Wenn die Leute aufs Rad umsteigen sollen, muss die Stadt auch Handlungen setzen, die heute vielleicht noch symbolisch aussehen." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.12.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 338
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kiwi k.
01
Unverhältnismäßig

Der MIV macht nur 1/3 am Gesamtverkehr (inkl. Fußgeher, Radfahrer, Öffi-Fahrer) aus während man 3/4 der Ressourcen für die Räumung der Straßen ausgibt?

Da muss man kein Mathematiker oder Ökonom sein, um zu sehen, dass das unverhältnismäßig ist.
Wenn man zusätzlich bedenkt, dass der MIV unverhältnismäßig stark beispielsweise für die Umweltverschmutzung, Lärmbelastung und Versiegelung der Landschaft verantwortlich ist und unverhältnismäßig viel Steuergeld für all die negativen Auswirkungen des MIV ausgegeben wird: Da ist es höchste Zeit, die übrigen Verkehrsteilnehmer endlich zu bevorzugen. Geräumte Gehsteige, Fahrwege und Öffi-Straßen VOR Räumung der restlichen Straßen! City-Maut für Stinker! Geholfen ist damit am Ende auch den Autofahrern.

Taji Soron
16
21.12.2010, 13:38
Eigentlich verstehe ich die ganze Aufregung der Autofahrer überhaupt nicht

Die im Winter durch Radfahrer verursachten Behinderungen und Unfälle sind unter der statistischen Wahrnehmungsschwelle - es sind ja ohnehin kaum welche unterwegs.
Behindern tun sich die Autos vor allem gegenseitig, weil die eine mit Sommerreifen hängenbleiben, die anderen bei nicht geräumten Strassen zehn mal so lange als sonst zum Einparken brauchen, usw. Aber das wird alles irgendwie murrend in Kauf genommen - man könnte ja selber davon betroffen sein (man könnte auch sagen, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus (so das Sprichwort, nix gegen Krähen)). Aber wenn man einmal 100m hinter einem Radfahrer herfahren muss, weil man nicht gleich überholen kann, brennen alle Sicherungen durch...

norbertz
01
21.12.2010, 13:11
Hauptärgernis

also mein Hauptärgernis ist nicht der Gatsch sondern dass gegen die Einbahn markierte Radwege (auf der Fahrbahn) einfach nicht geräumt werden.
Auch Tage nach einem Schneefall noch nicht. Oft die die Autospuren bereits komplett frei und von den Radwegmarkierungen ist noch immer nichts zu sehen.

flohimpelz
21
20.12.2010, 16:41
Da sich ein Großteil der öffentlichen Verkehrmittel

auf den Fahrbahnen bewegt, macht die Räumung Sinn. Nur ein hirnloser Egoist verlangt geräumte Fahrradwege vor geräumten Fahrbahnen.

/me
12
20.12.2010, 19:56

Dann würds ja reichen wenn man nur Strassenbahngleise und Busrouten räumt. Oder?

Wowbagger
00
20.12.2010, 16:57

Wer verlangt denn, dass die Radwege VOR den Straßen geräumt werden sollen?

flohimpelz
00
22.12.2010, 13:14
Ohje,

ich hoffe niemand. Die paar Hansln gehen eh lieber zu Fuß - da fühlen Sie sich sicherer.

Briefmarkenkleber
137
20.12.2010, 12:06
Radfahrverot im Winter.

Alles andere ist sinnlos.

R. Lexer
00
20.12.2010, 18:48

Winter ist auch sinnlos! Abschaffen!

dasGrausen
00
21.12.2010, 12:11

wir arbeiten global dran.
nur noch ein paar grad...

Tintifax2000
23
20.12.2010, 15:25
das ist ungefähr so sinnvoll ...

... wie ein "zu-fuß-geh-verbot" ... da könnt man ja auch hinfallen ...

human ic
22
20.12.2010, 11:37

in wien waren trotz mieserem wetter wieder mehr radler unterwegs als die jahre zuvor.
ausserdem haben sich auch ausrüstung und technik der meisten sichtbar verbessert.

scubaman
21
20.12.2010, 11:46
Es ändert sich ja auch das

Publikum. Das Stadtradfahren wird breitenwirksamer und somit sitzen auch andere Bevölkerungs- und Einkommensschichten auf dem Rad.

parapente
11
20.12.2010, 13:12
Und viele Radfahrer

fallen auch heuer viel, viel lockerer!

/me
00
20.12.2010, 19:58

Ich fahre seit Jahren im Winter. Kann mich an KEINEN EINZIGEN Sturz erinnern (ausser als Fußgänger). Hab allerdings auch Spikes am Fahrrad drauf.

Taji Soron
02
21.12.2010, 11:05

Also ich fahre auch schon seit 10+ Jahren sturzfrei mit dem Rad duch den Winter - ohne Spikes. In all den Jahren habe ich nie gewünscht, Spikes zu haben. Bei Schnee und Gatsch bringen sie gar nichts, einzig bei extremem Glatteis könnten sie was bringen, und da lass ich das Rad dann ohnehin lieber stehen (das sind vielleicht ein, zwei Tage pro Jahr). Da 60 Euro für Spikereifen auszugeben, halte ich für ziemlich übertrieben. Und wenn keine Schnee- oder Eisfahrbahn ist rutscht man damit wahrscheinlich mehr als ohne. Den Witterungsverhältnissen angepasst fahren tut es auch.

human ic
00
21.12.2010, 11:48

na, die sind schon ok. 60 kosten auch meine sommerreifen. die bringen nicht nur bei extremem sondern auch bei leichtem glatteis und bei wenig schnee was.
klar könnt ich auch ohne die sturzfrei über den winter kommen aber es is mir zu mühsam/langsam täglich 2h hochkonzentriert auf eisplatten zu achten.
manche ungeräumte wege sind ausserdem teilweise mehrere wochen lang unbefahrbar ohne.

/me
00
21.12.2010, 11:10

Also bei dem Wetter derzeit in Wien gibts seit Wochen regelmässig stellen mit Glatteis am Boden (ich wohne allerdings in einem Aussenbezirk). Wenn ich den Fuss auf den Boden gebe merke ich erst wie extrem rutschig das dort ist.

Und vielleicht ist der Grip auf trockenem Beton etwas schlechter. Aber das ist dann für mich kalkulierbar. Im Gegensatz zu einer Eisplatte die plötzlich unerwartet auftaucht.

human ic
00
20.12.2010, 15:59

die nützen vermutlich die zeit um den fuss passend zu platzieren. probier das doch mal. fallen is eh ok, solang man den harten aufprall verhindert.

Loup Garou
1711
20.12.2010, 08:03
die einzig wirklich sinnvolle Aktion wäre,

bei starkem Schneefall und Schneefahrbahn das Radfahren generell zu verbieten.
Zum Schutz der Radfahrer vor sich selbst...

Craig Christ
11
21.12.2010, 10:55

Ich bin dafuer bei Schneefall das Fahren auf Autobahnen zu verbieten, was da immer fuer Massenunfalle und Staus passieren. Das dient natuerlich nur zum Schutz der Autofahrer (bin selber auch einer) vor sich selbst.

meinrad
11
20.12.2010, 16:56
"Zum Schutz der Radfahrer vor sich selbst..."

rein vorgeschobenes argument der autofahrer, die einfach nur keine lust haben, auf andere aufpassen zu müssen.

oder bist auch für generelles zigarettenverbot? zum schutz der raucher vor sich selbst? badeverbot für kinder, zum schutz der kinder vor sich selbst?

Loup Garou
10
20.12.2010, 21:56
vorgeschoben? Von wegen. Und wenn Sie schon davon anfangen...

Klar gehört Rauchen verboten, zum Schutz der Nichtraucher...

meinrad
11
20.12.2010, 22:17

es ging um das argument "schutz vor sich selber". wenn du das radfahren verbieten willst, um andere vor radfahrern zu schützen, dann ist das argument "schutz vor sich selber" vorgeschoben, genau wie ich gesagt habe.

Loup Garou
10
21.12.2010, 07:22
es ging um den Schutz der Radfahrer vor sich selbst.

Mir zumindest...
Ist aber auch eine Möglichkeit, etwas in Lächerliche und Absurde zu ziehen, wenn man sich nicht wirklich damit auseinander setzen will.
Oder wenn man, wie in diesem Fall, nicht zugeben will, dass der Radfahrer einfach der Schwächere ist, ganz besonders wenn Faktoren auftreten, die ihn wesentlich mehr betreffen und beeinflussen, als andere Verkehrsteilnehmer.
Schon komisch, dass Motorradfahrer ihre Fahrzeuge bei dem Wetter zu Hause lassen...

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