Auch acht weitere Beschuldigte nicht länger unter Anklage - Vorwurf der Verschwörung, Beamtenbestechung und Behinderung der Justiz
Lagos - Nigeria hat ein Korruptionsverfahren gegen den früheren
US-Vizepräsidenten Dick Cheney gegen eine Strafzahlung von 250 Millionen Dollar
(knapp 190 Millionen Euro) eingestellt. Nach der Übereinkunft stünden auch acht
weitere Beschuldigte nicht länger unter Anklage, teilte die nigerianische
Antikorruptionsbehörde am Freitag mit. Der Bestechungsskandal dreht sich um den
Bau einer Flüssiggasanlage im Süden Nigerias durch den US-Energiekonzern
Halliburton, den Cheney früher geleitet hatte.
Das Abkommen soll informierten Kreisen zufolge am vergangenen Wochenende in
London geschlossen worden sein. Der zu zahlende Betrag soll demnach teilweise
aus in der Schweiz und in Monaco deponierten Geldern geleistet werden. Diese
seien als Schmiergelder an einen Mittelsmann gezahlt, aber nie nach Nigeria
weitergeleitet worden.
Schmiergelder
Die nigerianische Staatsanwaltschaft hatte die Anklage gegen Cheney und acht
weitere Verdächtige am 7. Dezember erhoben. Die Vorwürfe lauteten auf
Verschwörung, Beamtenbestechung und Behinderung der Justiz. Cheney war vor
seiner Amtszeit als US-Vizepräsident in der Regierung von George W. Bush Chef
von Halliburton gewesen. In den Jahren 1995 bis 2005 sollen im Zusammenhang mit
dem Bau der Flüssiggasanlage 182 Millionen Dollar an Schmiergeldern geflossen
sein. Im vergangenen Jahr hatten Halliburton und dessen Tochterunternehmen
Kellogg Brown and Root im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal bereits einer
Strafzahlung von 579 Millionen Dollar in den USA zugestimmt.
Nigeria gehört zu den weltweit größten Ölproduzenten und gilt zugleich als
eines der korruptesten Länder der Welt. Mit einer Antikorruptionsbehörde
versucht die nigerianische Regierung, das Problem in den Griff zu bekommen.
Mehrere spektakuläre Korruptionsfälle konnte die Behörde bereits aufdecken. (APA)