40 Bachelor- und Masterstudiengänge bietet allein die FH Campus Wien an - Das Aus- und Weiterbildungsangebot ist vielfältig - Doch wie steht es um die Zukunftschancen der Masterabsolventen?
Das Bologna-System ist relativ jung. Deshalb war es bisher nicht leicht, Prognosen über die Chancen der Absolventen am Arbeitsmarkt zu treffen. Die Studien an den Fachhochschulen unterscheiden sich von den universitären Studien vor allem durch den starken Praxisbezug. "Speziell im Technik- und IT-Bereich gibt es eine große Nachfrage an qualifizierten Fachkräften mit akademischem Abschluss", sagt Horst Bratfisch, Bereichsleiter IT-Infrastructure der Raiffeisen Informatik. "Die Erfahrung zeigt, dass die Kombination aus wissenschaftlicher, betriebswirtschaftlicher und praktischer Kompetenz einen hohen Stellenwert in der Wirtschaft hat. Die Zukunftsperspektiven für FH-Studierende sind exzellent."
Eine immer größer werdende Nachfrage nach kompetenten Absolventen im Sozialbereich spürt auch Heinz Wilfling, Masterstudiengangsleiter für Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit: "Interdisziplinäres Know-how und wirtschaftliche Kernkompetenzen sind gerade im Sozialbereich von immer größer werdender Bedeutung." Aufgrund ihrer Ausbildung hätten die Studierenden nach dem Master-Abschluss ohne Zweifel die Befähigung, Führungsverantwortung zu übernehmen, so der Experte: "Unsere Leute verfügen über viel praktisches Wissen, gleichzeitig können sie Projekte leiten und Organisationsabläufe optimieren." Eine Kombination, die in Zeiten von Sparmaßnahmen und Budgetkürzungen Arbeitgebern als besonders wertvoll erscheint.
Der vielgepriesene Mix aus Praxis und Theorie ergibt sich nicht nur aus den Curricula der einzelnen Studienrichtungen, sondern auch aus der Zusammensetzung des Lehrpersonals. "Ein Elfenbeinturmdasein der Theoretiker gibt es an der FH nicht. Wir alle stellen uns dem Diskurs mit jenen, die im Berufsleben stehen. Der Praxischeck findet schon während des Studiums statt", sagt Andreas Zembaty. Er hat Einblick in beide Welten, denn er ist einerseits Lehrbeauftragter am FH Campus Wien und gleichzeitig als diplomierter Sozialarbeiter beim Verein Neustart tätig. Was ihm an den Master-Studenten besonders auffällt, ist die klare Vorstellung vom eigenen Berufsziel: "Das Bachelor-Studium ist für die meisten eine Phase der Orientierung. Master-Absolventen hingegen wissen schon, dass sie Führungsverantwortung übernehmen wollen."
Im Personalmanagement des öffentlichen Dienstes freut man sich über die vielseitige Ausbildung im Bereich Public Management. Die ersten Absolventen des Bakkalaureatsstudiums haben bereits spondiert. Allerdings sind sie verärgert.
Der Bachelor wird nämlich vom öffentlichen Dienst nicht als akademischer Abschluss anerkannt. Diese Entscheidung hat Folgen, denn Nichtakademiker werden in eine niedrigere Besoldungsstufe eingeteilt als Akademiker und haben einen anderen Karriereverlauf vor sich.
All jene, die sich für ein fortführendes Masterstudium entscheiden, braucht die Debatte nicht zu kümmern, ihre Chancen im öffentlichen Dienst sind gut: "Neben Juristen und Ökonomen werden die Absolventen des FH-Studienganges Public Management eine besonders wertvolle Ergänzung unseres Mitarbeiterpools sein", betont Angelika Flatz, Leitung der Sektion öffentlicher Dienst und Verwaltungsreform im Bundeskanzleramt. Auf die ersten Public-Management-MasterabsolventInnen der FH Campus Wien muss man noch warten. Der Studiengang startet erstmals im Herbst 2011.
(Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.12.2010)