Wenn Unterwäsche Chefsache wird

Vorschriften bis an die Wäsche: eine große Bank in der Schweiz bestimmt sogar was ihre Mitarbeiter drunter tragen

Der Dienstantritt für Schalter-Mitarbeiter der Großbank UBS in der Schweiz hat seine Tücken. Durch ein mehrere Dutzend Seiten starkes Konvolut müssen sich die Bankangestellten künftig kämpfen um die Regeln des neuen Dresscodes zu lernen. Wer denkt, zumindest die Unterwäsche sei Privatsache, ist an der falschen Adresse. Denn weibliche Schalterbedienstete sollen unter weißen Blusen bitteschön hautfarbene BHs tragen, damit nichts Unkorrektes durch die helle Wäsche und damit das blütenreine Image blitzt. Männliche Mitarbeiter dürfen sich nicht die Haare färben und keine dicken Brieftaschen im Sakko transportieren, denn das könnte die Taschen ausbeulen.

Ja, Dresscodes sind in Banken gang und gäbe. Dass der Platz am Bankschalter nicht der richtige Ort für gewagte Modeselbstversuche oder Haarkreationen ist, ist schon klar und dass das Ambiente eines Kundengesprächs nicht nach der zerrissenen Lieblingsjeans verlangt, ebenfalls. Aber die Dresscode-Details, die die Genfer Zeitung "Le Temps" vergangene Woche veröffentlicht hat, überschreiten die Grenze zum Privatleben: Parfum auflegen bitteschön gleich nach dem Duschen und nur ja keine blickdichten Strümpfe an Frauenbeinen. 

Die Bank will für ihre Kunden nur den besten Umgang. Vielleicht sollte sie daran denken in roboterähnliche Humanoiden zu investieren. Die haben nämlich null eigenwilliges Eigenleben, reden nicht zurück und riechen nach gar nichts. Die Frage ist nur ob Kunden lieber mit einem Menschen oder einem fern-gesteuerten Etwas kommunizieren wollen. (Marietta Türk, derStandard.at, 21.12.2010)

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