Dynamische Lichttherapie

Licht gegen den Winterblues

19. Dezember 2010, 17:08
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    foto: apa/matthias rietschel

    Zu wenig Sonne: Der Organismus reagiert empfindlich darauf.

Lichtmangel bringt die innere Uhr durcheinander - Dynamisches Licht, das Tageslicht simuliert, verhilft zu harmonischem Schlaf-Wach-Rhythmus

Es ist sieben Uhr und stockfinster. Der Wecker summt, aber die innere Uhr zeigt "Schlaf" an. Wie alle höheren Lebewesen orientiert sich auch der Mensch am Rhythmus des Tageslichts, passt ihm seine Aktivitäten, seinen Schlaf-Wach-Rhythmus an. Das Dilemma: Arbeits- und Schulzeiten laufen mit den natürlichen Rhythmen nicht synchron, das zirkadiane System des Menschen wird gestört. Verschärft wird die Irritation durch den Aufenthalt in schlecht beleuchteten Räumen.

Lichtmangel ist eine der Ursachen für den "Winterblues". Therapeuten setzen gegen die Winterdepression Kunstlicht ein. Lichttherapiegeräte werden mittlerweile auch zum Hausgebrauch angeboten. Die Stiftung Warentest bescheinigt ihnen Wirkung, entsprechende Helligkeit vorausgesetzt. Antidepressiv wirken die Lampen ab 2500 bis 10.000 Lux.

Wer schlecht schläft, sollte überprüfen, unter welchen Lichtbedingungen er lebt und arbeitet. "Lichtmangel kann bei prädisponierten Personen dazu führen, dass der Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Takt kommt, was letztendlich in Schlafstörungen resultiert", sagt der Wiener Psychiater Dietmar Winkler.

Warum jemand die Anlage zum Tag- oder Nachtmenschen hat, ist noch ungeklärt. Eine mögliche Erklärung für die Prädisposition, die genetisch bedingte Anlage, liefern Forscher der Vanderbilt University: das Geburtsdatum. Was aber nichts mit Astrologie zu tun habe, versichert Studienleiter Douglas McMahon, sondern mit Biologie. In Versuchen an Mäusen haben die US-Forscher herausgefunden, dass im Winter geborene Mäuse anders auf Veränderungen des Hell-Dunkel-Rhythmus reagieren als Sommermäuse. Setzt man Wintermäuse längeren Dunkelperioden aus, verkürzen sie ihre Aktivität. Sommermäuse bleiben in ihrer Aktivität auch in der Winterzeit stabil. McMahon leitet daraus ab, dass jahreszeitliche Lichtzyklen die Hirnentwicklung des Neugeborenen beeinflussen. Es könnte sein, leitet McMahon aus dem Tierversuch ab, dass die biologische Uhr nicht nur die Stimmung des Menschen prägt, sondern auch deren Persönlichkeit.

Licht und Wohlbefinden

Die Wirkung des Lichts auf Gesundheit und Wohlbefinden ist noch ein junges Forschungsfeld. Man weiß, dass Menschen meist bei wenig Licht arbeiten und lernen müssen. Verglichen mit dem Tageslicht (je nach Jahreszeit 10.000 bis 100.000 Lux) herrscht in Büros mit durchschnittlich 500 Lux Dämmerstimmung, in Altenheimen und Schulen mit 300 Lux Düsterheit. Licht kann erst ab einer Stärke von 2000 Lux seine biologische Wirkung, die Unterdrückung des Schlafhormons Melatonin, entfalten. In Schach gehalten wird das Melatonin durch einen Fotorezeptor in der Netzhaut, der das Protein Melanopsin enthält. Ist es hell, wird die Melatonin-Produktion gebremst, ist es dunkel, wird das Schlafhormon ausgeschüttet.

In einem ersten Feldversuch im Wiener Pflege- und Sozialzentrum Rennweg sammelten die Caritas Socialis und der Leuchtenerzeuger Zumtobel Erfahrungen mit dem Einsatz von dynamischem Licht. Das Tageslicht simulierende Kunstlichtsystem wurde auf einer Demenzstation eingesetzt, wo Menschen nur selten Tageslicht genießen können. "Unser Ziel ist es, diesen Menschen wieder das Tag-Nacht-Gefühl zu geben - durch den Rhythmus hell am Tag, dunkel in der Nacht", erklärt Peter Dehoff, Leiter der Abteilung Strategische Lichtanwendung bei Zumtobel.

Es wurden zwei Lichtdecken, ausgestattet mit Leuchtstofflampen, installiert, die den Aufenthaltsräumen und Verbindungsgängen "genau diese Helligkeit und Farbtemperatur geben, die man sonst von Tageslicht kennt" (Dehoff). Das Weiß des Lichts erscheint je nach Lichttemperatur bläulich kühl (aktivierend) oder gelblich warm (dämpfend). Die Dynamik bekommt das Licht über eine zentrale Steuerung. Lichtexperte Dehoff: "Wir beginnen am Morgen mit dem Warm-Weiß, wechseln dann am Mittag auf Tageslicht-Weiß und fahren am Nachmittag wieder zurück auf das Warm-Weiß. Gleichzeitig verändern wir die Beleuchtungsstärke, also den Grad der Helligkeit."

Die positive Wirkung stellte sich bereits nach kurzer Zeit ein. "Vor allem die sehr unruhigen, getriebenen Menschen wurden ruhiger", schildert Pflegedienstleiterin Barbara Schwarzmann.

Positive Effekte

Der Menschen in bestimmten Demenzphasen eigene Wandertrieb und die damit verbundenen Schlafstörungen wurden geringer. Die Folgen von Tageslichtmangel, das Dahindämmern am Tag und Schlaflosigkeit in der Nacht, traten durch die Tageslichtsimulation seltener auf. Aus diesem ersten Versuch Positivwirkungen auf Demenzkranke generell abzuleiten erscheint Schwarzmann aber verfrüht: "Dazu war die Stichprobe zu klein." Eine Erweiterung des Studienprojekts ist geplant.

Positive Effekte zeigte der Einsatz von dynamischem Licht auch bei Schichtarbeitern. Ein Studie in einem Kärntner Industriebetrieb kam zu dem Ergebnis, dass die Steigerung der Helligkeit (von 1000 auf 2000 Lux) und unmerkliche Änderungen der Lichtrhythmen das Wohlbefinden in der Frühschicht steigern. Die Arbeitenden litten weniger unter Schlafstörungen, Ermüdungserscheinungen während der Arbeit wurden geringer.

Dynamisches Licht könnte auch den Schulalltag erleichtern. Bläuliches Licht macht Kinder aktiver und konzentrierter, gelbliches beruhigt sie wieder, ergaben Studien in Hamburg. Dehoff warnt aber davor, Licht manipulativ einzusetzen: "Wir können Kindern, die ja schon im Dunkeln raus müssen, mit Licht helfen, schneller in den Lernalltag zu finden. Unglückliche Schultage können wir aber nicht verhindern." (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 20.12.2010)

Zum Thema Winterdepression:

Trübe Tage, trübe Lage

 

Kommentar posten
17 Postings
Barbarin
02
20.12.2010, 15:44
Bitte nicht steinigen...

Aber wie wäre es mit einem täglichen Spaziergang...funkt auch für Vielbeschäftigte.

Weil, kein Licht ist so gut bzw. fährt so gut wie das Sonnenlicht, auch wenns draussen schattig ist. :-)

Aber das wäre natürlich gratis...

phaidros
00
29.12.2010, 17:42

bewegung an der frischen luft ist in der tat lindernd fuer SAD-symptome und eine gute therapie. aber die lichtintensitaet in noerdlichen breiten ist im winter draussen einfach sehr gering - ausnahme: sonnige tage im schnee. schon mal im winter in skandinavien gewesen?

an bewoeltkten tagen im dezember kommen sie auch in wien kaum auf mehr lux als in innenraeumen.

L0L0
01
20.12.2010, 16:40
das waer zwar das beste, ist aber nicht kompatibel

mit der arbeitenden leistungsgesellschaft: im winter scheint die sonne hauptsaechlich mittag.

naja ... da brauchts schon einen recht verstaendnissvollen arbeitsplatz damit um 11 uhr sagen kannst: ich bin dann mal 2 h weg ,,licht tanken''!

just my 0.02 €

Barbarin
00
20.12.2010, 17:02
Dazu habe ich mir auch was überlegt :-)

...den Hinweg (morgens) entweder ganz oder wenn zu weit, teilweise zu Fuss.

Wenn es da noch dunkel ist (weil früher Dientsbeginn), halt am Heimweg.

Wenn wir da eine halbe Stunde Mittagspause dazu zählen...sind wir locker flockig schon bei einer Stunde draussen mit Bewegung und natürlicher Lichtbestrahlung!

Zufrieden? :-)

wien er
00
25.12.2010, 18:30

ideal ists natürlich, wenn man in der Mittagspause raus kann und ein wenig zeit für einen flotten spaziergang vorhanden ist.
wobei, dass spazieren gehen in den innenbezirken ned immer so toll ist (stichwort verkehr).

aber besser so, als gar kein sonnenlicht mitzubekommen.

im dez. funzt das mit dem licht vor und nach der arbeit oft nicht - muss in der mittagspause sein, sofern möglich.

Chocoholic
01
20.12.2010, 22:47
Ein problem oder zwei:

Dunkel beim weg gehen, dunkel beim nach hause gehen... ;0) ich nehm die mittagspause oder helle Winterdepressionslampe und hin und wieder eine dosis solarium....

vibraphone
05
20.12.2010, 11:41
Ich bin für die Einführung des Winterschlafs ;-)

merlinvomsee
00
20.12.2010, 15:19
Winterschlaf

...waaaas, is der abgeschafft...Rudi Beamter, Rathaus..

Der Klaus
00
20.12.2010, 09:58
Farbtemperatur

Mich wuerde vielmehr die Farbtemperatur interessieren?
Strahlen diese Lichttemperatur Lampen so blau wie ödes Winterlicht an einem grauen Tag - also jenseits der 6500K oder kann's wärmer auch sein so im Bereich von 3500K einer normalen Glühbirne?

PReb
00
18.12.2011, 16:26

ich habe mit verschiedenen farbtemeraturen experimentiert und zu folgendem schluss gekomme, leuchtmittel mit 5500 bis 6500 kelvin (die eigentlich tageslicht änlich sein sollten) wirken kühl und blau - vor allem dann wenn sie mit glühlampenlicht kombiniert werden. sehr gute ergebnisse haben wir hingegen mit vollspektrumlampen mit einem temperaturmaximum von 5500 kelvin erziehlt. diese geben (ähnlich dem sonnenlicht) über einen temperaturbereich zwischen 2000 und 7000 kelvin ein breites spektrum an licht ab. weiterer vorteil: der farbwiedergabeindes solcher lampen liegt bei >90%, nachteile: die helligkeit ist geringer als bei konventionellen lampen gleicher leistung

Vermutlich unschuldig
22
19.12.2010, 18:02
Es hilft vorallem, wenn man dran glaubt.

Eher ein Skeptiker, habe ich's mal mit der 10k Lux Lampe versucht. Ist durchaus nicht unangenehm. Seriös nachgewiesen ist der Nutzen jedoch nirgendwo nicht!

Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die professionelle Hilfe benötigt. Und gegen den schnöden Winterblues hilft Joggen oder Spazierengehen, mit netten Menschen beisammensein oder Musik hören.

Natürlich auch im Dunkeln.

phaidros
00
29.12.2010, 17:59

also wer WIRKLICH den winterblues hat, fuer den sind so homoeopathische methoden wie musik hoeren oder ein bisschen spazierengehen, schon gar im dunkeln, absolut wirkungslos. dafuer ist der hormonhaushalt schon zu sehr durcheinander. ihre vorschlaege sind lieb gemeint, wirken da aber schon ein bisschen sarkastisch.

die wirkung von lichttherapie ist ziemlich solide belegt - allerdings sprechen nur ca. 2/3 der behandelten darauf an.

benutzernamenvergesser
01
20.12.2010, 13:34
Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die professionelle Hilfe benötigt

Welche durchaus auch in Form einer Lichttherapie vom Neurologen kommt! Und die Betonung liegt hier auf AUCH!

Chocoholic
12
19.12.2010, 17:42
jawohl . und damit waere schon einmal das Thema Energiesparlampen auch abgedeckt.

Ich kann in der Frueh sehr sehr schlecht aufstehen, fuer mich ist es normalerweise sehr schmerzhaft, das klingt zwar dramatisch, aber nru so kann ich das erklaeren. Aber seit ich diesen Daemmerungswecker habe, funktioniert es wunderbar. Ausser beim Voglezwitschern als Alarm, da ich lange Voegel vorm Fenster gehabt habe, habe ich beim Vogelgezwitscher jetzt eigentlich immer nur noch fester geschlafen. Also mit Licht kann man sehr viel machen. Und das Anti Winterdepressionslicht kann ich nur empfehlen, ich glaube, es ist jetzt auch nicht mehr so arg teuer wie damals. Ist auch als gutes Tagesersatzlicht am Abend zu Hause gut geeignet. Statt dem Funselenergiesparlicht.Halogenlicht ist auch gut geeignet, aber alles hell bitte.

chrilly donninger1
01
19.12.2010, 19:41
Meine Aufsteh-Helferlein

heissen Beppo(Kater) und Bello(Hund). Bello macht die Schlafzimmertür auf, Beppo setzt sich auf meine Brust, streichelt zuerst sanft die Nase und wenn ich nicht reagier werden sukzessive die Krallen ausgefahren.
Da ist man dann wirklich wach. Anschließend braucht man aber noch Licht.

Jadzia Dax1
00
20.12.2010, 08:19

Zwischen 5:45 und 6:15 sitzt mein Kater auch neben meinem Kopf, schaut mich groß an und schnurrt so laut, dass man nur aufwachen kann ;)

Chocoholic
00
19.12.2010, 21:48
;o) Dafuer reise ich leider zu viel... aber ja, habe ich schon gehoert, dass Haustiere unglaubliche Weckhilfen sind, so auch kleine Kinder unter Umstaenden bzw. hauptsaechlich am Sonntag, wenn man ohnehin nicht aufstehen muesste :0)

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