Hans-Peter Martin - ein Mann im Zulagenchaos

Thomas Mayer, DER STANDARD, 16. Dezember 2010, 20:41
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    ap photo/ronald zak

    2009 hat er sich noch gefreut.

Der Europa-Abgeordnete Hans Peter Martin kann einem leid tun. Alle sind gegen ihn: zuerst die EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf, die ab 2004 Ermittlungen zu seinem Umgang mit Bürokostenersatz und Sekretariatszulagen (aus denen Assistenten bezahlt werden) anstellte und 2006 zum Schluss kam, dass insgesamt ein riesiger Euro-Betrag regelwidrig abgerechnet wurde; dann die Verwaltung des Europaparlaments, das auf Grundlage dieser Ermittlungen eine Rückforderung von nicht weniger als 163.851 Euro an den Abgeordneten stellte; und nun auch noch der Europäische Gerichtshof Erster Instanz, der eine Klage Martins gegen diese Rückforderungen in allen Punkten abwies.

Als wäre das nicht genug, lehnt sich auch noch sein Körper gegen ihn auf, wie der Abgeordnete selber auf seiner neuen Homepage expressiv zur Schau stellt: „Es ist verhext. Meine linke Körperhälfte ,krampft‘ oft mehrfach täglich vom Unterschenkel bis zum Nacken. Dabei verstärkt sich der Tinnitus, der Pfeifton im Ohr, sodass ich manchmal sogar ein Gespräch in einem ruhigen Raum nicht mehr verstehe…“

Was ist da los? So sieht Martin die Welt: Alle anderen sind im Unrecht, nur er, der selbst ernannte Aufdecker und Jäger des Spesenmissbrauchs im EU-Parlament, ist eine Lichtgestalt, stets im weißen Sakko, immer im Recht, auf der Seite der Guten und Gerechten. Nun weist er sich gar schon die Märtyrerrolle zu. Das Problem an der Selbststilisierung des wortmächtigen früheren Journalisten ist aber nicht der schrille Auftritt, sondern sein eigener zweifelhafter Umgang mit Fakten, auch bei EU-Spesengeldern, seiner Spezialdisziplin im Wahlkampf.

Das Problem an Martin ist, dass er selber keinen direkten Einblick in seine Finanzgebarung zulässt, wie er das von anderen immer verlangt. In Bezug auf Transparenz ist er einer, der Wasser predigt, aber Wein trinkt. Deshalb sind auch Vorwürfe gegen ihn so schwer zu überprüfen, wie ich das in früheren Blogs bereits mehrfach festgehalten habe. Ein Beispiel: Auf seiner Homepage schreibt er, dass er 200.000 Euro in Projekte für Jugendliche gesteckt habe. Was das genau sein soll, darüber gibt es nur Vermutungen, und auch böse Gerüchte, die hier aber aus rechtlichen Gründen nicht  ausgeführt werden.

Das wird viele irritieren, die Martin gewählt haben, weil sie glaubten, er werde mit den Spesenmissbräuchen im EU-Parlament aufräumen. Aber die Differenz zwischen Sein und Schein, zwischen Behauptung und Abrechnung lässt sich nun schwarz auf weiß nachlesen auf den fast 40 dichten Seiten der Urteilsbegründung des EU-Gerichts. Dort wird (verfügbar ist derzeit nur die französische Fassung)  in allen Details geschildert, was die Olaf-Fahnder beanstandet haben, wie viele Gespräche und Ausgleichsversuche es mit dem Generalsekretär des Europaparlaments gegeben hat, was die Regelwerke der Geschäftsordnung des Parlaments vorsehen, in welchen Punkten Martin gegen sie verstoßen hat.

Exemplarisch nur zwei, drei Beispiele: Martin hat demnach zigtausend Euro für Assistenten bezogen, die er beschäftigte, für die er aber Mitarbeiterverträge nicht korrekt vorlegte, wie das vorgeschrieben war. Oder er hat in einem anderen Fall einen Mitarbeiterkontrakt gelöst, ohne das der Verwaltung zu melden (die daraufhin  weiterzahlte). Oder er hat offenbar Büroaufwendungen aus Spesentiteln bestritten, die dafür nicht gewidmet waren.

Bei seinen Einlassungen im Verfahren beteuerte der Abgeordnete immer wieder, dass er „administrativ nicht so bewandert“ sei. Das kann man glauben – oder eben nicht. In seiner Reaktion auf die Abweisung seiner Klage am Donnerstag spricht er von „Missverständnissen“.

Das wilde Konvolut des Aktes Martin lässt aber eher den Schluss zu, dass er es im Gegenteil einfach nicht so genau genommen hat, wann warum und wofür er tausende und abertausende Euro bezogen hat. Ausgerechnet der Mann, der seine Kampagnen mit der Anprangerung des wirklichen oder vermeintlichen Spesenmissbrauchs im EU-Parlament geführt hat.

Ein anderes Beispiel: Aus dem Regelwerk, das vom Gericht zitiert wird, geht ganz klar hervor, dass der Abgeordnete versucht hat, Zulagen von einem Kalenderjahr ins nächste zu verschieben. In diesem Punkt waren die Vorschriften zum inkriminierten Zeitraum besonders eindeutig: Solches geht nicht. Das Geld muss vom Parlament zurückgefordert werden. Nun jammert Martin, dass das Regelwerk inzwischen gelockert wurde – ein Eingeständnis. Was hätte wohl der Wahlkämpfer Martin gemacht, hätte er einen Fall präsentieren können, in dem ein EU-Abgeordneter eine Abfertigungszahlung für einen Ex-Mitarbeiter aus dem „falschen“ Budget bestritt? Nur Schlamperei? Wir sprechen nicht von unbedeutenden Kleinigkeiten, von tausenden Euro.

Insgesamt stehen nun nach dem – noch nicht rechtskräftigen – Urteil der Luxemburger Richter jetzt mehr als 163.000 Euro zur Rücküberweisung an. Martin wäre wahrscheinlich nicht Martin, wenn er auf seiner Homepage nicht ankündigen würde, dass viele Freunde und Unterstützer für ihn einspringen würden, weil er das aus seiner Privatschatulle zurückzahlen müsste. Wieder einmal ist er nur eine verfolgte Unschuld. Das Gericht geht er frontal an, die EU-Höchstrichter stünden „unter parteipolitischem Einfluss“.

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Selbständiger
02
Er hat doch im Österreichischen Politsystem gelernt, wie es geht.

Dem Volk nach dem Maul reden, nach der "haltet den Dieb Methode" von sich ablenken und sich ungeniert bedienen. Also gelernt hat er gut, oder?

Recht_auf_objektive_Berichterstattung
10
26.12.2010, 11:23

Wenn der Standard pro 163.000€, welche dem europäischen Steuerzahler unrechtmäßig aus der Tasche gezogen wurden nur einen Satz verlieren würde, dann müßte HPM zu Recht abgekürzt werden.
Übrignes, ich habe nie und werde nie HPM wählen!

flicflac01
02
20.12.2010, 12:19
Wahlkampfkosten

Eine Offenlegung der Wahlkampfkosten wäre schon interessant. Von einem der das Wort Transparenz so oft bemüht wie der HPM können seine Wähler wohl mehr erwarten wie eine allgemeine Erklärung,( wurde alles widmungsgemäß verwendet, und so weiter und sofort...)
Ca. 2,4 Mio Wahlkampfkostenerstattung, aber laut seinen Angaben nur ca. 500.000 Euro Kosten fü den Wahlkampf, da fehlen nach Adam Riese ca. 1,9 Mio. Ei wo sind sie denn geblieben?

jumpingjack flash
00
20.12.2010, 14:32
bravo!

alle einkünfte und kosten unserer eu parlamentarier müssen offengelegt und für jeden einschtig sein. wer vom staat geld kassiert ist den bürgern dieses staates rechenschaft schuldig und soll angeben MÜSSEN wieviel er für was bezogen hat.
die wahlkampfkosten gehören generell gestrichen - wer braucht das leere geschwafel? eine ordentliche hp auf der man nachlesen kann welches programm, die finanzen offenlegt reicht völlig.

teuerzahler
01
19.1.2011, 12:26
ja, aber auch in österreich!

die öst. parteienförderung (selbstbedienung) ist die üppigste weltweit. man fragt sich wofür. bei der qualität unserer parteipolitiker schwer nachzuvollziehen.

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02
20.12.2010, 12:42
fuer den prozess benoetigte er 3 anwaelte,...

...außerdem wurden ihm die verfahrenskosten aufgedonnert.

da werden doch die "WKKRE"€ sicher zweckgemaeß verwendet, oder vielleicht nicht?

er wollte das geld zwar spenden, aber wer wird denn so pitzelig sein: schließlich geht's da ja net um taggelder, net wahr?

jumpingjack flash
10
18.12.2010, 17:10

keine offenlegung der spesen - anscheinend bei keinem der österr. eu kandidaten. das gehört schleunigst geändert und würde viel klarheit bringen.
ich hab nirgends was gefunden - hpm, karas, lunacek, swoboda schade.
http://www.oe24.at/oesterrei... gen/534641

ankündigungen gabs ja immer wieder.

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01
19.12.2010, 09:15
à propos "offenlegung":...

...wie sieht's da mit dem einkommen hpms aus?

und: seit wann geht's in dem artikel da oben um die von oihnen genannten.

weiters: wo bleibt die offenlegung der verwendung der wahlkampfspesenrueckerstattung hpms?

DAS ist von relevanz.

es darf davon ausgegangen werden, dass die spesen der herrschaften ordentlich abgerechnet werden, weil sonst haetten s' OLAF im g'nack.

wie all jene abgeordneten, bei denen das nicht der fall war/ist.

HPM WAR NICHT DER EINZIGE! net g'wußt?

jumpingjack flash
10
19.12.2010, 19:06

gibst glaub ich nimmer - einmal war bei hpm was zu finden, einmal von voggenhuber ein statement dass mich damals sehr empört hat. bei swoboda hab ich auch nix gefunden.
die werden alle letztlich von unseren steuergeldern bezahlt und streifen sich schamlos moneten in die tasche OHNE dass sie es offenlegen. da wenn einer beginnt dieser immer angreifbar wird (der dodel ist) wär ich für gestzlich vorgeschriebene offenlegeung. da gäbs kein taktieren, keine ausrede, keine blöde ankündigung.
wenn olaf jeden beleg eh prüft - wär ich für eine sofortige abrechnung über olaf - da gäbs erst gar nicht die möglichkeit etwas falsch abzurechnen., bzw. es würde SOFORT auffallen und nicht erst nach jahren.

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00
20.12.2010, 12:49
doch, doch, gibt's noch:...

...
http://www.europarl.europa.eu/ep-dif/42... 0-2009.PDF

interessant dabei ist nur, dass er unter punkt C),die millionen wahlkampfkosten-rueckerstattung nicht angegeben hat.

sicher wieder nur ein "formfehler", oder?

jumpingjack flash
00
20.12.2010, 14:49
?

ist ja nicht einmal unterschrieben - aber solche zettel ausgefüllt von allen parlamentarieren die auf unsere kosten in der eu herumsitzen wären gut!

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00
21.12.2010, 14:47
was s' net sagen: NICHT unterschrieben? sicher wieder ein "formfehler"...

...und: den wisch muessen ohnehin alle beilegen.

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00
20.12.2010, 08:18
zumindest bei den angeheuerten personen war der fall martin zu etwas gut:...

...wenn ich richtig informiert bin, werden die angeworbenen mitarbeiter nunmehr direkt von einer zahlstelle entlohnt.

kann das jemand bestaetigen?

jumpingjack flash
10
20.12.2010, 10:54

hans peter martin ist einer der wenigen der in punkto misswirtschaft und abzockerei in der eu etwas weiterbringt - zuwenig, aber immerhin.
der job ist hart - denken wir nur an paul van buitenen - wie es dem ergeht- der hat auch kein leichtes leben. was ich nicht versteh dass die anderen österr. eu politikerInnen nicht auch einmal aufstehen und ungerechtigkeiten, verschwendung und überhöhte gagen anprangern.

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01
20.12.2010, 12:38
163.000€ sind zu wenig?...

...zit: "hans peter martin ist einer der wenigen der in punkto misswirtschaft und abzockerei in der eu etwas weiterbringt - zuwenig, aber immerhin"

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01
20.12.2010, 12:03
dem kann nur beigepflichtet werden, obwohl es nicht das war, was sie meinten:...

..."hans peter martin ist einer der wenigen, der in punkto misswirtschaft und abzockerei in der eu etwas weiterbringt "

genau das wurde ja jetzt im urteil bestaetigt.

eine frage: wieso verteidigen sie eigentlich noch jemanden, der selbst zugibt, gelder unrechtmäßig bezogen zu haben?

jumpingjack flash
10
20.12.2010, 14:22

ich verteidige nur gegen die kampagner der abzocker - ansonsten soll er brav zurückzahlen was er eventuell unrechtmäassi genommen hat.
hans peter martin ist einer der wenigen der in punkto misswirtschaft und abzockerei in der eu etwas weiterbringt.
der job ist hart - denken wir nur an paul van buitenen - wie es dem ergeht- der hat auch kein leichtes leben mehr. aber solche muss es geben - schon allein die anwesenheit dieser hechte verhindert ein bischen dass sich andere weiterhin schamlos bereichern. googeln sie sich was grade bezügl. luxuspensionen abgeht - und um welche summen es da geht - mit dem tamtam bei hpm will man von anderen skandalen ablenken.

flicflac01
01
23.12.2010, 21:02

Bei 2,4 Mio. Wahlkampfkostenrückerstattung kann man ruhig auf Luxuspensionen verzichten, die sind da nur Peanuts...
Wieviel Wahlkampfkostenrückerstattung gabs eigentlich bei den vorherigen Wahlen für ihn?

Gegen EU-Spesenmissbrauch
01
18.12.2010, 16:59
http://www.europarl.europa.eu/sides/get... anguage=DE

Am 6. Juni 2007 erhob die Merkur Treuhand Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungsgesellschaft mbH (...) Privatanklage gegen Hans-Peter Martin wegen Kreditschädigung (...), weil dieser sowohl auf seiner Homepage www.hpmartin.net als auch im Wege einer APA OTS-Aussendung (...) die Behauptung verbreitet hat, dass in einer umfassenden Detailrecherche nunmehr festgestellt worden sei, dass es keinerlei Missbrauch von EU-Geldern durch ihn gegeben hätte und dass lediglich ein Formfehler des seinerzeitigen Kontenbetreuers, des Steuerberaters Christoph Matznetter, (...) Sekretariatszulage anstatt über die Bürokostenzulage abgebucht hätte.

Gegen EU-Spesenmissbrauch
00
18.12.2010, 17:21
da die Abrechnung in der erfolgten Form ausdrücklich auf Weisung von Hans-Peter Martin erfolgt sei, habe dieser das objektive und subjektive Tatbild der Kreditschädigung erfüllt und sei schuldangemessen zu bestrafen.

Martin bestätige am Donnerstag Bemühungen, sich in einem Vergleich zu einigen. "Meines Wissens nach ist da etwas unterwegs", sagte er gegenüber der APA.

http://www.vol.at/news/vora... 6-03520053

flicflac01
00
17.12.2010, 18:21
Urteil auf Deutsch?

Gibts das Urteil auch auf Deutsch?
Eine Übersetzung wär doch interessant, dann kann sich ein jeder ein klares Bild machen!

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00
18.12.2010, 11:06
das ist leider, leider aber wirklich keine auch nur annaehernd akzeptable uebersetzung...

...faites-moi confiance.

lobihufos
 
05
17.12.2010, 16:34

Wenn einer einen "Aufdecker-Wahlkampf" führt und dann eingestehen muß, daß er "administrativ nicht so bewandert ist", sagt das eigentlich ohnehin schon alles. Und den Tinnitus bekomm ich, wenn ich die schnarrende Stimme von dem Kuckucksei von Dichand´s Gnaden nur höre!

masterjo
01
17.12.2010, 14:27

HPM macht einen auf Spesen-Aufdecker; dadurch entsteht implizit die Anforderung an ihn, dass er sich mit der Materie perfekt auskennt und alles richtig macht.
So einfach ist das.

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