Der Trend ist eindeutig: Ohne Internet ist Reisen nicht mehr denkbar. Social-Media-Seiten gewinnen an Relevanz als Informationsquelle
Ohne Internet geht bei Reisebuchungen gar nichts mehr. Das bestätig wieder einmal eine Umfrage, diesmal durchgeführt von Yahoo. 1.506 deutsche Internetuser wurden befragt, die Ergebnisse zeigen, dass der erste Schritt ganz selbstverständlich an den Computer und nicht mehr ins Reisebüro oder zum Bücherregal führt.
Ganz alltäglich ist es mittlerweile, Bahnfahrten oder Flugtickets online zu buchen. 78 Prozent der Umfrageteilnehmer bestätigen, dass sie ihren letzten Reiseabschluss im Internet getätigt haben, 84 Prozent planen ihre nächste Buchung online vorzunehmen. Dieser Trend erstreckt sich über alle Reisearten. Besonders Kultur- und Studienreisen, Sport- und Wanderurlaube werden online gebucht. Wellness- und Städtereisen werden laut Studie in Zukunft noch häufiger über das Internet gebucht werden. Bei Bahn- und Flugtickets und bei Hotelbuchungen liegt der Online-Anteil inzwischen bei 70 Prozent.
Der erste Weg führt zum Computer
Über 90 Prozent der Befragten gehen zu allererst ins Internet, um zu recherchieren. Medien wie Kataloge und Broschüren liegen nur noch bei 62 Prozent, Reisebüros werden nur noch von 55 Prozent beansprucht.
Suchmaschinen sind für viele die erste Quelle, drei Viertel gehen hier auf die Suche nach Tipps und Infos. 76 Prozent wenden sich an Internetseiten von Reiseanbietern, gefolgt von Vergleichsseiten und Online-Reisevermittlern (63 Prozent). Suchmaschinen werden vor allem für die Recherche bei Kultur- und Studienreisen genutzt. Bei Pauschalreisen sind Reiseanbieter mit 80 Prozent Zugriffen die erste Adresse, bei Bade- bzw. Sonnenurlauben liegt der Anteil bei 68 Prozent.
Das 24/7-Reisebüro mit Erfahrung
Das Internet etabliert sich zum ständig verfügbaren Reisebüro, das eine Flut an Informationen liefert via Bewertungsplattformen oder Social-Media-Seiten. Dort erfahren Reisende Tatsachen abseits der oft aufgehübschten Werbesprache und bekommen Informationen, die sehr nah an der Wirklichkeit liegen. Für 70 Prozent der Befragten, die online recherchieren, sind diese Inhalte wichtig. Damit liegen Social-Media-Seiten auf Platz eins der relevanten Informationsquellen für Online-Bucher.
Auch die Reisebranche passt sich dem Geschehen an und konzentriert sich zunehmend auf Web 2.0. Hotels, Veranstalter, Fluglinien und Busunternehmen hegen und pflegen ihre Facebook-Seiten, stellen Videos auf ihren Youtube-Account, twittern Wettermeldungen und Schneelagen und forcieren den direkten Kontakt zum Kunden.
Die Zukunft liegt im Web - auch für die Branche
Informationsbroschüren geben Tourismusverantwortlichen Tipps, wie sie mit den neuen Medien umgehen sollen. Plötzlich steht der Hotelier dem Gast direkt gegenüber, kann sich nicht mehr hinter vierfärbigen Hochglanzkatalogen verstecken. Die User sind ehrlich und merken auch, wenn jemand ihnen gegenüber nicht ehrlich ist. Christian Lendl von der Österreich Werbung rät dazu, den Usern nicht "von oben herab zu begegnen" und sie ernst zu nehmen. Uwe Frers, Gründer von Escapio.com und TripsByTips.com, weist auf die ungefilterte Qualität der Social-Media-Seiten hin, bei denen nicht mehr Redakteure darüber bestimmen, was gelesen wird, sondern der Kunde den Ton angibt. Auch er weist darauf hin, dass beispielsweise Facebook keine Online-Version eines Hochglanzprospektes sein will, sondern dass hier Glaubwürdigkeit und ehrliche Kommunikation zählen.
Auf Seiten wie TripAdvisor gibt es Informationen über Kundenzufriedenheit und echte Kundenwünsche. Die Zeiten der frontalen Reiseplanung von Experten sind offenbar vorbei. Heute müssen Reiseveranstalter akzeptieren, dass Kunden ganz genau wissen, was sie wollen und sich immer weniger von in Werbebüros gezimmerten Träumen überzeugen lassen. (ham/derStandard.at)