Abzocken mit der Maus

7. Mai 2003, 13:01
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Die Internationale Handelskammer warnt vor groß angelegtem Betrug via E-Mail

Wien - Ein Riesenbatzen Geld, der nur einen Mausklick entfernt ist und von dem das Finanzamt nie erfährt - wer hauptsächlich davon träumt, sitzt auch schon fast in der Falle. Die Internationale Handelskammer Österreich, ICC Austria, warnt dringend vor betrügerischen Massen-E-Mails. Betroffen sind Firmenadressen, aber auch persönliche Postfächer in Ministerien, Banken oder Ämtern.

Diesmal seien gleich zwei neue Abzockvarianten aufgetaucht, teilte Maximilian Burger-Scheidlin von ICC Austria mit. Bei der Ersten geht es um den "Wiederaufbau des Irak": Ein angeblich arabisches Komitee stelle dafür zehn Milliarden Pfund Sterling (14,24 Milliarden Euro) zur Verfügung, nun würden entsprechende Projekte für Wasserleitungen, elektrische Infrastruktur oder medizinische Versorgung gesucht - Bewerbungen bis Ende Mai. Der Haken: Das Komitee fordert 1000 britische Pfund (1424 Euro) Bewerbungsgebühr, einzuzahlen auf ein schottisches Bankkonto.

Das Angebot ist in perfektem Geschäftsenglisch verfasst, klingt plausibel und mit der Internetadresse einer tatsächlich existierenden arabischen Organisation versehen. Aber wer Geld investiere, sei es ohne Gegenleistung los, warnt ICC Austria.

"Vertrauliche Hilfe"

Der zweite Trick befindet sich noch in der Anfangsphase: Ein Herr Thorsten mit Schweizer E-Mail-Adresse behauptet, er erwarte viel Geld aus einem Holocaust-Benefiz-projekt. Für die legale Abwicklung der Auszahlung benötige er aber "vertrauliche Hilfe". Herr Thorsten fordert von den angeschriebenen Personen "eine klare Antwort: ja oder nein". Details gebe es danach via E-Mail.

"Nicht einmal ignorieren", lautet die Empfehlung der ICC Austria. Wer einmal antworte, werde mit Folge-Mails bombardiert, in denen dann Vorauszahlungen gefordert würden. Erfahrungen zeigten, dass immer wieder Einzelpersonen darauf einstiegen.

Geldgier und Dummheit? "Nennen wir es Leichtgläubigkeit und das Streben nach materieller Unabhängigkeit", heißt es bei der Handelskammer. Egal, diese beiden Schwächen machen sich jedenfalls bereits seit 15 Jahren Betrüger zunutze, deren Trick weltweit als "Nigeria-Connection" bekannt ist.

Dabei geht es um Vorauszahlungsbetrug: Per E-Mail, Brief oder Fax werden den Adressaten Millionenprovisionen in Aussicht gestellt, wenn sie ihre Konten als Zwischenlager für zehn bis 60 Millionen Dollar (!) zur Verfügung stellen. Zuvor sollen die Angeschriebenen aber noch mindestens 100.000 Euro locker machen, um den eigentlich illegalen Geldtransfer aus Nigeria zu ermöglichen. Nicht selten werden Opfer zu fingierten Geldübergaben ins Ausland gelockt, zurück kommen sie mit entleerten Händen. In zwei Fällen dokumentierte Interpol sogar Morde.

Sieben Millionen weg

Zur Herkunft des ungeheuren Kapitals gibt es verschiedene Versionen - derzeit kursieren Geschichten über einen Aussteiger aus der nigerianischen Erdölszene, der mit seinen Millionen flüchten will. Weil Menschen, die mitmachen, klar ist, dass sie illegal handeln, schalten die meisten auch dann nicht die Polizei ein, wenn sie den Schwindel durchschauen. Eine Niederösterreicherin verlor so sieben Millionen Euro. Der Betrug flog erst auf, als ihr Betrieb Konkurs anmeldete. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2003)

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