"Gute Rendite sehr unwahrscheinlich"

6. Mai 2003, 19:23
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Walter Wagner, Chef der Volksbanken-Kapitalanlage, glaubt nicht an große Geldvermehrung bei der neuen Zukunftsvorsorge - Trotzdem ist er ein Fan des Produktes

STANDARD: Sie gestehen ein, dass die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge durch ihre Produktkonstruktion keine guten Renditen, also fünf, sechs Prozent pro Jahr abwerfen kann. Wieso raten dann aber auch die Volksbanken den Kunden zu dieser Zukunftsvorsorge ?

Walter Wagner: Diese Zukunftsvorsorge ist kein Wertpapierprodukt, sondern durch seine Kapitalgarantie ein sicherer langfristiger Ansparhafen, der noch dazu vom Staat mit 9,5 Prozent gefördert wird. Renditedenken ist da gar nicht richtig am Platz. Bei der ASVG-Pension redet ja auch keiner von Rendite. Es geht dabei um eine Immunisierung der Privaten. Wer weiß schon, wie die Arbeitswelt in 25 Jahren ausschaut? Vielleicht brauche ich dann Kapital, damit ich mir leisten kann, nur drei Tage zu arbeiten.

STANDARD: Dann kann ich aber doch genauso gut in einen Fonds ansparen, der mehr Rendite erwarten lässt.

Wagner: Nach den Erfahrungen der 80er- und 90er-Jahre ist - glaube ich - bekannt, dass ein Fonds kein linear verzinstes Sparbuch ist! Das ist nicht für jeden geeignet. Die Zukunftsvorsorge ist aber ein Produkt für alle. Jeder kann mit einem sehr klar berechenbaren Kapital nach zehn Jahren entweder ab 40 eine Zusatzpension haben oder den Anbieter wechseln oder das Geld ganz woanders anlegen. Wer weiß, wie in zehn Jahren die Produktlandschaft zur privaten Vorsorge aussehen wird.

STANDARD: Wer "50 plus" ist, braucht sich die Zukunftsvorsorge aber nicht mehr kaufen, weil es die Staatsprämie ja nur bis 62 gibt - mit zehn Jahren Mindestbehaltedauer zahlt sich das bei den hohen Kosten für die Kapitalgarantie aber wirklich nicht aus.

Wagner: Ich glaube schon. Denn mit tendenziell immer späterem Pensionsantritt muss der Staat wohl auch die Prämie länger zahlen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht: Gerade besser Situierte wollen dem Staat keine Förderungen schenken!

STANDARD: Die Zukunftsvorsorge ist ja auch ein reicher Geldsegen für Ihre Branche - kaum ein Produkt darf sich eine solche Breitenwirkung erwarten - und für die Wiener Börse wegen der dorthin verpflichteten Gelder.

Wagner: Stimmt, ich glaube nur, dass sich die Fondsvarianten gegenüber den derzeitigen Versicherungs-Kombi-Produkten durchsetzen werden. Die Zukunftsvorsorge ist weder ein Wertpapier-noch ein Versicherungsprodukt. (DER STANDARD, Printausgabe 7.5.2003)

Das Interview führte Karin Bauer.
  • Walter Wagner, Volksbanken KAG: "Win-Win im Produkt wegen Steuer und Staatsprämie."
    foto: derstandard/cremer

    Walter Wagner, Volksbanken KAG: "Win-Win im Produkt wegen Steuer und Staatsprämie."

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