Öko-Bilanz

Österreichs Fläche zu 60 Prozent als "natürlich bis naturnah" anzusehen

15. Dezember 2010, 18:31

Innsbrucker Wissenschafter untersuchten den menschlichen Einfluss auf die heimische Natur

Wien - Rund 60 Prozent der Fläche Österreichs sind noch natürlich bis naturnah, rund 30 Prozent sind bereits als relativ naturfern bis künstlich einzustufen: Das zeigt eine Forschungsarbeit des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck, die anlässlich des zu Ende gehenden "Jahres der Biodiversität" am Mittwoch in Wien präsentiert wurde. Die Wissenschafter haben dafür Indikatoren zur Messung der Natürlichkeit von Lebensräumen entwickelt.

Wie Instituts-Leiterin Ulrike Trappeiner erklärte, handelt es sich bei den naturfernen Regionen vor allem um die besiedelten Räume, Städte, Straßen, Infrastrukturen und landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen. Diese würden, wenig überraschend, besonders in den Tieflagen bis 300 Meter Seehöhe überwiegen, "wo der Nutzungsdruck massiv ist und nur noch 20 Prozent der Flächen natürlich bzw. naturnah sind". Zwischen 300 und 600 Metern Höhe seien schon 50 Prozent der Fläche naturnah, von 600 bis 1.100 Metern bereits 70 Prozent und in höheren Lagen nähere man sich sehr rasch 90 bis 100 Prozent.

Laut Trappeiner sind diese Werte im mitteleuropäischen Vergleich "sehr gut". Das hänge stark mit den relativ naturnahen Wäldern in Österreich zusammen, auch mit den vielen Grünlandflächen, wie Almen, wo Landwirtschaft extensiv betrieben werde, und natürlich auch mit der Gebirgslage Österreichs.

Florale Vielfalt als Indikator

Als wichtigen Indikator haben die Wissenschafter die Vielfalt der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) in Österreich erfasst; dies entspricht der Gesamtheit aller Pflanzen mit Ausnahme der Moose. Dazu dienten die Daten von mehr als 11.000 Vegetationsaufnahmen als Grundlage. Mit Hilfe eines Geographischen Informationssystems (GIS) kann nun mit diesen beiden Indikatoren der menschliche Einfluss auf Art und Intensität der Landnutzung sowie die biologische Vielfalt flächendeckend für ganz Österreich analysiert werden. Zudem können mit diesen Daten verschiedene Zukunftsszenarien berechnet werden. So kann man etwa bei geplanten politischen Maßnahmen im Vorfeld testen, wie sich das etwa auf die Pflanzenvielfalt oder die Natürlichkeit auswirken würde, sagte Trappeiner.

Wie das ausschauen könnte, hat Erwin Schmid, Leiter des Instituts für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung an der Universität für Bodenkultur (Boku), gezeigt: Im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums haben die Wissenschafter berechnet, welche Auswirkungen es hätte, wenn es das "Programm der Ländlichen Entwicklung" nicht gebe, in dessen Rahmen umweltgerechte Landwirtschaft mit rund einer Milliarde Euro gefördert werden. Ein Verlust dieser Ausgleichs- und Agrarumweltzahlungen hätte deutliche Auswirkungen auf die Artenvielfalt und die landwirtschaftliche Nutzung, es würde etwa auf großen Flächen deutlich mehr aufgeforstet, was sich nicht unbedingt positiv auf die Artenvielfalt auswirkt. Umgekehrt führe das Programm dazu, dass landwirtschaftliche Nutzflächen vor allem im alpinen Raum weiter bewirtschaftet und nicht aufgeforstet werden, und es führe zu einer Extensivierung der landwirtschaftlichen Flächen, so Schmid.

Die Forschungsarbeiten wurden im Rahmen des vom Wissenschaftsministeriums betreuten Programms "Provision" durchgeführt. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), die Boku und die Uni Innsbruck ermitteln im Projekt "Werkzeuge für Modelle einer nachhaltigen Raumnutzung" erstmals im OECD-Raum für das gesamte Bundesgebiet flächenbezogene Agrar-Umwelt-Indikatoren, die als Ergänzung für die die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung herangezogen werden sollen. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
teuerzahler
00
20.12.2010, 13:42
der wert ist relativ,

weil mehr als 50% der fläche österreichs alpine regionen sind, wo es halt keine flächendeckende bebauung und gewerbetätigkeit gibt.

im rest schaut es eher trist aus. raumplanung und flächennutzung sind extensiv und extrem naturfeindlich. und auch in den sensiblen alpinregionen zählt schneller cash (toruismus, bergbahnen, schifoahn) mehr als nachhaltige nutzung.

walterS83
20
16.12.2010, 17:10
Naturnahe Handymasten ???

Selbst die Berggipfel werden schon mit den Mikrowellen des Mobilfunks verstrahlt. Besonders schlimm ist es in Schigebieten.

Hefeweizerlbier
00
20.12.2010, 21:56

Berggipfel sind zu weit weg von den Mobilnutzern, daher gibt es auf Berggipfeln keine Handymasten. Höchstens ein paar sehr vereinzelte Richtfunkstationen und wenige Rundfunksender.
In Schigebieten, wo es zig Liftstützen und Liftgebäude gibt, spielt ein Handymast wirklich keine Rolle mehr.

Drizzt
03
16.12.2010, 16:24

Wo bitte sind die Wälder in Österreich naturnah?

Das sind Wirtschaftswälder mit Bestockung durch (meistens) Fichte [Picea abies]. Da gehört fast das ganze Alpengebiet dazu, vorallem die Steiermark und Tirol.

Diana Rigg
01
16.12.2010, 14:18
wenn mir jemand auch nur einen

Quadratkilometer Österreich (unter 2000m Seehöhe) nennt, wo in den letzten 2000 Jahren nicht MASSIV eingegriffen worden ist: BITTE MELDEN!

Advaita0
00
16.12.2010, 16:50
am Ötscher ist alles unverändert!

Aber nur auf der Nordseite

Preger
01
16.12.2010, 16:25
Unser Kellerabteil ;-)

Krawuzi Kabuzi
20
16.12.2010, 16:32

Und was machen'S mit einem Quadratkilometer Keller? Großindustriel Schwammerl züchten, oder im Geheimen paar Tonnen Uran anreichern?

Preger
01
16.12.2010, 16:37
Oha,

den Kilo hab ich uebersehen (vorweihnachtliche Kilophobie...).

Aber danke fuer die Anregungen ich werde mal schauen was sich da unten realisieren laesst.

Quark
00
16.12.2010, 17:34

sollte ein bisschen Uran abfallen ich hätte verwendung lol :D

chris151
01
16.12.2010, 14:05

Die Studie besagt auch,dass unter 300m nur noch unter 20% naturnahe Flächen sind.
Sehr viele Arten leben aber nur in solchen Tieflandregionen. Deswegen sind ja auch so viele Arten in Österreich (vor allem Vögel/Schmetterlinge/Käfer/Heuschrecken) vom Aussterben bedroht, da sie nur hier vorkommen.

Da werden Äpfel und Birnen zusammengeschmissen.

Und wie schon unten richtig ein Kommenatr geschrieben hat.

Unseren Ressourcenhunger stillen wir in Dritte Welt Ländern.

Billiges Holz, billige Nahrung für unsere Schweindln/Rindsviecha

Die besten sind die, die (gerade passend zur Vorweihnachtszeit) schön brav für diverse Organisationen spenden und dann bei Ikea/Hofer.... nach dem billigsten Sachen suchen

Preger
01
16.12.2010, 10:11
Easy.

Die haelft ist aufgrund der geographischen Topologie ja weitgehend unzugaenglich und nicht gewinnbringend nutzbar.

dr.no3
83
16.12.2010, 06:17
wenn wir weiterhin nichts in den ausbau der

öffentlichen verkehrsmittel investieren werden in zukunft nur mehr DIE REICHEN reichen in den genuß der unzerstörten natur kommen, denn die haben noch autos.
wir haben alle ein recht auf natur, mit dem bus kann man nicht einmal mehr zum wandern fahren.

die grünen wollen automobilen verkehr und naturgenuss nur mehr den reichen ermöglichen.

Onkel Tom´s Hütte
20
16.12.2010, 09:18

Dann werd halt reich......

Sumser!

Holz Schlaeger
22
16.12.2010, 08:53
Fahrrad?

dr.no3
32
16.12.2010, 12:09
für euch stadtbewohnende bobos

ist ein park wahrscheinlich schon ein naturerlebnis

ich rede von wäldern und bergen sie dolm, wollen sie dorthin mit dem fahrrad fahren ?

Hefeweizerlbier
10
20.12.2010, 22:01
Ja,

ein Großteil des Alpenparks Karwendel (Naturschutzgebiet) ist nur per Mountainbike oder zu Fuß zu erreichen. Da allerdings eine Gehzeit von Scharnitz (Bahnohof) auf die Falkenhütte mit 8 Stunden nicht jedermanns Sache ist, bleibt das Fahrrad das bevorzugte Fortbewegungsmittel.

Holz Schlaeger
00
16.12.2010, 18:28
Sollte natürlich ...

... "handeln" statt halten heissen!

Holz Schlaeger
00
16.12.2010, 18:26
Woraus ...

... deduzieren sie dass ich in der Stadt wohne?

Könnte es sich dabei etwa gar um ein (emotional belastetes) Vorurteil halten?

aaronthebaron
11
16.12.2010, 16:52
Meine Großeltern sind mit dem Rad..

am WE bis zum Schneeberg gefahren und wieder zurück, Tourenschi auch noch im Gepäck - so what?

Das Hauptgrund warum das heute unvorstellbar ist: weil alles mit stinkenden Blechkarossen zugeschissen ist..

Karl Smejkal
11
16.12.2010, 13:40

sie erinnern mich an dieses intelligenzbestien, die sich die fahrräder aufs autodach montieren, 10km in ein "radgebiet" fahren um dort ein paar runden damit zu drehen.

green man
12
16.12.2010, 13:25
ja!

David-Lauritz
42
16.12.2010, 03:41
Interessanter Artikel

Wie kann man in Österreich die Bevölkerungsexplosion stoppen, um die Landschaft und die Umwelt zu schützen? Wie kann man ein Bevölkerungsgleichgewicht in Österreich erzielen? Was kann man gegen die Zesiedelung machen?

dr.no3
23
16.12.2010, 11:57
indem du dich als erstes

wie ein lemming irgendwo hinunterstürzt

Holz Schlaeger
12
16.12.2010, 08:59
Wo ...

...gibt's Bevölkerungsexplsion in Österreich? OK, es nahen die Feiertage, die Explosionsfälle wegen Überfressens werden sich doch in Grenzen halten.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.