Von greisen Berufssoldaten und Wehrpflicht per Los

15. Dezember 2010, 22:17
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    foto: der standard/cremer

    Bundesheerveranstaltung 'Wehrsysteme im Vergleich' im Hilton Stadtpark: Norbert Darabos und Edmond Entacher

Viele europäische Armeen haben in den vergangenen Jahren die Wehrpflicht aufgegeben, in Österreich sind weite Teile der SPÖ und alle Grünen für diesen Schritt - Minister Norbert Darabos ließ sich die Erfahrungen berichten

Wien - Der Verteidigungsminister stellt vom Rednerpult aus gleich zu Beginn klar, was er sich von diesem Expertenhearing erwartet: "Wir brauchen ein Modell", sagt er, "das von der österreichischen Bevölkerung mitgetragen wird, finanzierbar ist und die Bewältigung der absehbaren verteidigungspolitischen Aufgaben gewährleistet." Als besonders wichtig betont Norbert Darabos (SPÖ) gleich noch einmal "die breite Akzeptanz", denn damit würden auch "jene politischen Geisterfahrer" aufhören, denen es nur um die Abschaffung des Bundesheeres gehe. In der ersten Reihe sitzt zwischen heimischer und ausländischer Militärprominenz der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz, der seit Jahr und Tag ein Ende der Wehrpflicht einfordert.

Mittwochfrüh, im Nobel-Hotel Hilton am Stadtpark. Einen ganzen Tag lang lässt Darabos unter der Moderation von Standard-Kommentator Gerfried Sperl Verteidigungsexperten aus neun Ländern über ihre Wehrsysteme diskutieren, um bis Jahresende seine Erkenntnisse zu präsentieren.

Den Anfang macht Laila Reenberg, Vize-Verteidigungsstaatssekretärin von Dänemark, wo zwar alle zur Stellung müssen, wer tatsächlich einrückt, wird aber per Los entschieden. Die Wehrdienstzeit wurde vor fünf Jahren auf vier Monate verkürzt, statt der Landesverteidigung sind mittlerweile internationale Einsätze die Hauptaufgabe der dänischen Truppen. Eine Debatte über die Wehrpflicht gäbe es nicht, erklärt Reenberg, der Umstieg auf ein Freiwilligenheer sei jedoch nicht ganz ausgeschlossen.

Christian Catrina aus dem Schweizer Verteidigungsressort berichtet, dass derzeit zwar eine Volksinitiative Unterschriften dagegen sammle, aber eigentlich sei die Wehrpflicht bei den Eidgenossen in den nächsten Jahren "here to stay." Immerhin könnten die kleinen Staaten damit große Armeen aufbieten.

Ein Argument, das auch von der Offiziersgesellschaft (OG) gerne gebracht wird: "Wer die Frage Wehrpflicht Ja oder Nein stellt, denkt zu wenig weit", sagt OG-Präsidiumsmitglied Alfred Lugert dem Standard: "Worum es wirklich geht, ist doch: Bei Bedarf ein aufwuchsfähige Milizheer zu haben." Zweitrangig sei, ob die nur im Ernstfall gebrauchten Soldaten aus Freiwilligen oder Zwangsrekrutierten generiert werden.

Eines aber hält Lugert fest: "Wenn man keine absehbare Bedrohung hat, dann wäre es doch absurd, ein stehendes Berufsheer aufzubauen." Da drohe die Gefahr, dass man vor allem ein Beamtenheer schaffe, in dem politische Parteien ihre Günstlinge unterbringen, ohne auf militärische Effizienz zu achten.

Dass es bei der Umstellung von Wehrpflicht auf ein Freiwilligensystem dazu kommen kann, dass eine bestehende Armee vergreist, zeigt das belgische Beispiel drastisch: Dort hat der letzte Wehrpflichtige 1994 abgerüstet, die Unteroffiziere und Offiziere sind aber dem Berufsheer erhalten geblieben, was zu einer extrem ungünstigen Altersstruktur geführt hat. In den nächsten fünf Jahren werden viele dieser älteren Soldaten in Pension gehen, aber neue seien bei knappem Budget schwer anzuwerben, klagt Generalleutnant Baudouin Sommers.

Dass es auch anders geht, zeigen die Slowaken. Sie entsandten "nur" einen Oberst, nämlich Boris Slodicka, doch dieser überzeugt den Ex-Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager (1983 bis 1986) ebenso wie den Grünen Pilz: "Wir haben das System 'Up or Out'", sagte der Oberst: Wer in der slowakischen Armee nicht für den nächsthöheren Rang ausgewählt wird, muss binnen kurzer Zeit den Dienst quittieren.

 (Conrad Seidl, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2010)

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mikeyman
10
zwangsheer auf einem niveau mit afrika und russland

man muss sich nur diese karte ansehen
und wiedermal feststellen dass sich österreich bei den westlichen staaten als schlusslicht hervortut.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File... _world.svg

Wulfal privat
03
18.12.2010, 10:31

Lieblingsirrtümer der Österreicher:

1.)Wir sind sowieso neutral....

2.)Wir sind klein, unschuldig und tuen ja niemanden etwas!

3.)Was draußen in der Welt vor sich geht, geht uns prinzipiell nichts an!

omg
42
17.12.2010, 07:29
Wehrpflicht auch für Frauen!

Nicht die Wehrpflicht abschaffen, sondern die Wehrpflicht auch für Frauen sollte in Österreich das Ziel sein.

Bundesheer oder Zivildienst auch für die Frauen, nicht nur für Männer!
Damit wir hier mal Gleichberechtigung haben.

Ich musste schließlich auch ein wertvolles Jahr später zu studieren beginnen, das ich dank Wehrpflicht verloren habe.
Aus diesem Grund: JA zur Wehrpflicht, aber für ALLE!

hanslblasta
00
passens auf, ganz gach könnten die Frauen sonst auf die Idee kommen,

gleichen Lohn für gleiche Arbeit einzufordern;

tun sie eh, ich weiß - aber durchgesetzt ist es in realita nicht, weil da noch das biologische Problem des Kinderkriegens dazwischensteht - bzw der Kinderbetreuung; also: Wehrpflicht für Frauen, wenn die Männer verpflichtend ein Jahr beim Kind bleiben müssen - dann wird wenigstens kein junger Ingenieur mit Karenzwunsch mehr gefragt, ob er schlicht wahnsinnig sei ...

mfgmfg
42
18.12.2010, 03:11
Wenn ganz Europa die Wehrpflicht abschafft

so kann mir niemand weismachen, dass wir als Miniland im Herzen Europas so etwas noch brauchen. Was wir viel mehr brauchen, ist ein verpflichtendes Sozialjahr für Männer und Frauen, damit unsere Zivi-Struktur nicht zusammenbricht, ohne die das Sozialsystem nicht mehr zu funktionieren scheint.

Daneben kann und soll es ein Berufsheer mit motivierten und Dank der Ersparnisse besser ausgerüsteten Soldaten geben. Die vielbesungenen Katastropheneinsätze könnten von Zivis aus Hilfsorganisationen (RK) genauso geleistet werden und Kitzbühel wird sich für das eine Hahnenkammwochenende pro Jahr halt die Schneetreter selbst zahlen müssen. So what?

Kuehlschrank .
 
01
21.12.2010, 09:24

Eine andere Möglichkeit wäre, ein Technisches Hilfswerk aufzubauen, und die Leute für ihre Arbeit anständig zu bezahlen.

Paul Dresten
02
20.12.2010, 19:38

Sie wollen etwas, das in allen Fällen massive Probleme verursachte nach machen, nur weil viele so dumm waren es vor zu machen?
Keine sehr intelligente vorgehensweise!

Nennt mich Loretta
02
19.12.2010, 12:13
Also, wenn allo aus dem Fenster springen, muss man Ihnen erst weismachen, dass das für Sie nicht der richtige Weg ist?

born
10
25.12.2010, 19:19

Wie alt sind Sie?

Jens Kampe
12
16.12.2010, 17:13
Nunja...

...eine Berufsarmee für ein so kleines Land wie Österreich halte ich für ziemlich sinnfrei.

Da sollte man eher (nach schweizer Vorlage) nach dem Motto "Masse statt Klasse" gehen.

Lazarus Long
14
16.12.2010, 22:28

Wer schon mal mit einer Berufsarmee zu tun hatte, weiß das es eer Masse UND Klasse wäre. Von Klasse sind Berufsarmeen weit entfernt, mit Milizarmeen halten die von der Qualität nicht mal ansatzweise mit.

rene prassee
40
19.12.2010, 22:00
quellen?

sofern sie diese halbwegs fehlerfrei zitieren können?

Prof. Alois
 
01
Sie müssen sich vorstellen

dass es Länder gibt, die auf seltsame Art rekrutieren. Zumeist in ehemaligen K olonien. Spanien holt sich seine Leute in Südamerika. Nette Vorstellung, wenn ihnen ein spanischer Soldat begegnet, der zwar keinerlei Schulbildung genoss, aber dafür eine sehr konkrete Vorstellung hat, wie man als Kolumbianer Konflikte löst.

Die Briten rekrutieren in Kreisen, die um einiges gewaltbereiter sind, als der Durchschnitt der Bevölkerung: Im Gefängnis.

In den USA gilt der Militärdienst immer noch als soziale Ausfstiegshilfe für die ganz unten. Die können oft nicht nur nicht sinnerfassend lesen. Sie können es gar nicht.

Lazarus Long
01
23.12.2010, 14:20

Quelle: jeder Auslandseinsatz und internationale Übung!

European Democracy
45
16.12.2010, 13:31
Ein EU Heer muss her

Macht doch keinen Sinn, dass jeder Zwergenstaat sein eigenes Heer unterhält. Wäre ausserdem gut für die Integration.

Nennt mich Loretta
02
19.12.2010, 12:16
Klar, weil die liebe EU ja derartig demokratisch strukturiert ist....

Wer soll denn bitte den REALEN Oberbefehl übernehmen?

Ihnen ist hoffentlich schon klar, dass dieses EU-Heer dann auch an "Friedensmissionen" wie in Afghanistan teilnehmen würde.

master_of_disaster1
00
17.12.2010, 20:27
Und wie...

soll diese EU-Armee dann in der Realität aussehen?

Vielleicht nach dem französischen Vorschlag - "wir (die Franzosen) stellen die Offiziere und die anderen können die Mannschaften beibringen" ???

Darin sehe ich nicht nur keinen Sinn -nein, es würde auch nicht funktionieren.

caliban1
03
16.12.2010, 20:22

mhm... eu-heer. ich mag die neutralität aber wenigstens noch am papier stehen haben - als große hürde und so. oder machen wir beim eu-heer sowieso nicht mit, bauen aber natürlich voll darauf dass uns dieses im ernstfall zu hilfe kommt?

entweder verzichten auf jegliche militärausgaben und stehen dann halt eventuell alleine da, oder wir leisten uns ein heer zur verteidigung, das diesen namen auch verdient. ob nun mit oder ohne wehrpflicht ist sicher nicht die erste frage, die es zu beantworten gilt. diese typisch österreichische rumwurstlerei nervt nur noch - und kostet einen haufen geld ohne gegenwert.

scubaman
06
16.12.2010, 14:23
Wie wärs

mit einem globalen Heer.

Santino Corleone
00
Das war sicher auch Stalins Traum.

Dr. Ma-Cho, chin. Wunderheiler(In)
00
25.12.2010, 09:08
eine intergalaktische Star-Force also ... ?

FlauschBär
 
08
16.12.2010, 11:41
Los

Spannend wäre es wenn es bei der Verlosung neben dem "Sofortgewinn" auch die Kathegorie "Wehrrad" geben würde. In der Fernsehshow mit Peter Rapp werden dann von Notar, General oder "Glücksfee" 3 Wehrpflichtige gezogen, die dann durch drehen des Wehrrades die Monate ermittlen können die sie als Wehrzeit ausfassen :-)

h.huber
02
16.12.2010, 11:06
breite akzeptanz

wenn herrn darabos wirklich an der breiten akzeptanz der lösung liegt, sollte er zurücktreten und seinen posten einem ausgemachten Experten mit militärischem hintergrund überlassen.

nach dem motto, only nixon could go to china:
http://de.wikipedia.org/wiki/Only... o_to_China

scubaman
02
16.12.2010, 09:53
Der letzte Fitnesstest vom Entacher

war wohl auch noch unterm Kreisky ....

huterl
00
16.12.2010, 10:59

der ist sowieso ein etappenhengst... im kriegsfall muss der nicht körperlich fit sein, der sitz sowieso im bunker...

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