Kinderkreuzfahrt gegen den Irrglauben

15. Dezember 2010, 17:09
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    foto: centfox

    Abenteuer nach Sindbad: Maus und Kind in Narnia

     

Repressives Spektakel: "Die Chroniken von Narnia 3"

Wien - Zuerst die gute Nachricht: Die vier Pevensie-Geschwister dürfen nicht mehr vollzählig nach Narnia. Nachdem Peter und Susan am Ende von Prince Caspian der weitere Zutritt aus Alters- und Glaubensgründen untersagt wurde, dürfen im dritten Teil des Abenteuers nur noch Edmund und Lucy ins Reich der Fantasie. Sie sind noch jung genug, um an sprechende Löwen, weiße Hexen und säbelrasselnde Mäuse zu glauben.

Die schlechte Nachricht: Die Pevensie-Geschwister haben einen naseweisen Cousin namens Eustace. Er hat das Pech, zur für ihn falschen Zeit am falschen Ort zu sein, nämlich während des Zweiten Weltkriegs bei sich daheim in London. Als Edmund und Lucy bei ihm untergebracht werden, projizieren die beiden ihre geballte Einbildungskraft auf ein Gemälde, auf dem ein einsames Schiff auf dem Ozean zu sehen ist. Dass im nächsten Moment das Zimmer mit meterhohen Wellen gespült wird und die drei Kinder in Narnia buchstäblich auftauchen, ist für die von C. S. Lewis erdachte und christlich verbrämte Parallelwelt bezeichnend: Narnia sei mit dir, und mit deinem Geiste.

Weil der Glaube also auch Ozeane versetzt, wird am Ende von Die Reise auf der Morgenröte / The Voyage of the Dawn Treader auch der ungläubige Eustace bekehrt sein. Lewis veröffentlichte die Chroniken von Narnia Mitte der 1950er-Jahre als siebenbändige Reihe, und so stilistisch bescheiden der langjährige Freund Tolkiens seine Kinderromane verfasste, so schlicht werden sie seither für die Leinwand adaptiert: Während wie in Alice in Wonderland die Grenze zwischen Realität und Fantasie durchlässig ist, herrscht in Narnia selbst eine klare Trennung von Gut und Böse.

Kampf gegen sich selbst

Kämpften die Pevensies im ersten Teil noch gegen Tilda Swinton als durchtriebene Eishexe und in der Folge an der Seite des schönen Erbprinzen Kaspian gegen mittelalterliche Thronräuber, erinnert Die Reise auf der Morgenröte nun am ehesten an die fantastischen Reisen Sindbads: Hier jagt eine Aufgabe so lange die nächste, bis endlich alle spektakulären Schauplätze abgeklappert sind.

Doch die wahre Mission der "Söhne und Töchter Adams und Evas", wie die Kinder in Narnia gerufen werden, ist eine andere: Zwar müssen sie diesmal, um vom heiligen Land das Böse in Gestalt eines grünen Nebels fernzuhalten, allerhand Sklaventreiber und Seeungeheuer bekämpfen, die echte Schlacht führen die Kinderkreuzfahrer auf ihrer Dschunke allerdings gegen sich selbst. Erliege nicht der Versuchung von Schönheit (gilt für Mädchen) oder von Macht (gilt für Buben), sondern befreie dich vom Irrglauben.

Nicht zufällig brandmarkte der Schriftsteller Philip Pullman die Reihe als "rassistische und reaktionäre Propaganda" - und kreierte mit His Dark Materials (Der Goldene Kompass) einen fantastisch-antiklerikalen Gegenentwurf.

Dass für den dritten Teil Shrek-Regisseur Andrew Adamson gegen Bond-Regisseur Michael Apted ausgetauscht wurde, spielt für das Ergebnis keine Rolle. Denn Narnias Gesetze sind derart repressiv, dass weder teure Regieeinfälle noch neue 3-D-Technik daran etwas ändern können. Am Ende stehen die drei Gläubigen vor einer meterhohen Sturzwelle, doch das einzig Richtige macht die Maus: Sie schnappt sich ein kleines Ruderboot und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Hinter ihr die Sintflut. (Michael Pekler/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
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Mathias
 
01
21.12.2010, 14:31
Während wie in Alice in Wonderland die Grenze zwischen Realität und Fantasie durchlässig ist, herrscht in Narnia selbst eine klare Trennung von Gut und Böse.

Ja genau, als ob auf DAS auf jede Alice im Wunderland Verfilmung passen würde ;-)

Curtis1975
02
21.12.2010, 07:42

Manchmal ist ein Film einfach nur ein Film. Nettes Kinderkino.

Wasserläufer
02
19.12.2010, 21:32
Das Buch ist besser als der Film

Der erste Film war dem Buch noch fast ebenbürtig, der 2. ebenfalls. Die Reise auf der Morgenröte hätte viel profitiert, wenn man sich mehr an C.S. Lewis gehalten hätte.
Die Kritik bzgl. des Filmes finde ich ein klassisches Beispiel von mangelnder Toleranz gegenüber einem christlichen Film. Der Film wird als schwarz-weiss kritisiert (trifft auf 80% der Filme zu) und die Kritik kennt ebenfalls kein Graustufen.

Klakla
01
21.12.2010, 09:52
Also ehrlich...

Religion gehört nicht unterschwellig in Filme versteckt, in Kinderfilme schon gar nicht. Das ist dann kein Unterhaltungskino mehr sondern Propaganda. Es ist auch völlig einerlei, ob es sich dabei um das Christentum oder etwa den Islam handelt. Wenn eindeutig religiös gefärbte Botschaften zwischen den Zeilen gehandelt werden, wird es immer bedenklich.

einerseits und andererseits
00
12.1.2011, 11:15
die Bücher wurden zwischen 1936 und 1954

geschrieben. Da war das mit dem religiösen Unterton einfach üblich. Das war eine andere Zeit. Und wenn man sich an die Vorlage hält, dann ist das eben auch drinnen.

Klakla
00
12.1.2011, 11:26
Eine Sache ist...

... wann die Bücher geschrieben wurden. Die andere Sache ist, wie sie heutzutage interpretiert werden. Zu jedem Spielfilm dieser Größenordnung entstehen mehrere Drehbuchfassungen, gibt es Gespräche zwischen Autoren und Produzenten, Autoren und Regie, Produzenten und Regie, Regie und Darstellern, deren Agenten, etc. Da geht es um eine Menge bewusster Entscheidungen, die getroffen werden, bevor überhaupt die erste Klappe fällt. Unterm Strich kann man also sagen: Selbst wenn heute ein Buch verfilmt würde, das 2000 Jahre alt ist, entscheiden etliche Menschen, wie das genau geschehen soll. Siehe "Die Letzte Versuchung Christi". Und bei "Golden Compass" haben es die Macher ja auch geschafft, die Religionskritik glatt zu bügeln. ;-)

WDPP
00
22.12.2010, 22:57

Es steht wohl jedem Autor frei was er in seine Bücher schreibt. Der von Chroniken von Narnia baute eben religiöse Botschaften ein.

Das der Film nach den Büchern geht ist klar. Sehe da nicht wirklich ein Problem.

miles monroe
10
21.12.2010, 00:10

Naja... mit der mangelnden Toleranz ist das so eine Sache.
Eigentlich ist mir der Film egal - aber: Wenn wir dabei schon über Toleranz reden, dann soll man nicht vergessen, dass anno dazumals der "kirchenkritische Gegenentwurf" zu Narnia, "der goldene Kompass" von radikal-christlichen Kreise in den USA öffentlich sabotiert wurde und zum Boykott des Filmes aufgerufen wurde.
Resultat: Von der Verfilmung des 2. und 3. Teils wurde Abstand genommen. Soweit nur zur Toleranz der Christen. Aber sie sollen diese verfilmte Kacke ruhig schauen dürfen.

Mathias
 
00
16.12.2010, 21:10
wenn man sich diesen Artikel und die dazu passenden Postings liest...

... dann bin ich froh, dass es zu Zeiten von Sindbad & Co (70er und 80er Jahre) noch kein Internet gegeben hat ;-)

peter schmidt
 
16
16.12.2010, 15:09
Ich oute mich mal . Ich habe den ersten Teil einfach so schön herzig gefunden

Der beherzte Biber in seiner Rüstung. Der nervöse Faun. Die tapferen Zentauren. Die Kameradschaft zwischen Rhinozeros und Zentauer etc.etc.

Ist doch einfach süss gewesen.

Die politische Grundbotschaft sowie den Einfluss von Postfordismus sowie das natüprlich verwerfliche Unterstützen einer Monarchie! habe ich irgendwie ausgeblendet.

Und die Grundwerte von so Kinderfilmen : freundschaft kameradschaft stärke durch vielfalt und dass auch im kleinen Biber ein großer Kämpfer stecken kann sind doch jetzt tatsächlich nicht gar so verwerflich.

gärtner
04
16.12.2010, 13:53

es ist ein kinderfilm für unter 10jährige, also bitte...

moralische lektionen für diese altersgruppe sind immer plumpe propaganda,

heisst dann "pädagogisch wertvoll" oder so.

Christoph Steiner2
23
16.12.2010, 12:47

Verzeihung, aber werden hier nicht Perlen vor die Säue geworfen?
Muss ein reinrassiger Kinderfilm (Überraschung: mit christlicher Moralbotschaft!) tatsächlich professionell im Standard besprochen werden?

Peter Jan
010
16.12.2010, 03:07
"Repressives Spektakel"

Aus der Sicht von Sklaventreibern und Seeungeheuern sicherlich.

Mariothereal
12
15.12.2010, 23:40
GLAUBEN?

1) "ich denke mal dass etwas existiert und so passiert ist" -> folglich existiert etwas auch für mich (Glaube wie es heute verwendet wird in unserem sprach und kirchengebrauch)
2) "ich glaube dir" -> ich vertraue darauf, dass das was du sagst auch wirklich eintreffen wird, weil du mir bewiesen und gezeigt hast, dass du vertrauenswürdig bist (mein verständnis vom biblischen begriff des glaubens)

Mariothereal
21
16.12.2010, 11:31
brief an die römer kapitel 4,vers3

Denn was sagt die Schrift? "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet."
ad 1) er glaubte ja nicht nur, dass gott existiert. sondern gott redete direkt mit ihm und gab ihm einen auftrag.
ad 2) und so vertraute er auf gott und tat das was er sagte, da er wusste, gott ist größer und intelligenter als er. selbst wenn er es nicht versteht.
siehe auch brief an die hebräer kapitel 11
"1 Der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.
3 Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist."
Also nicht: "Ich glaube an Elfen also existieren Elfen"!

pox vobiscum
30
16.12.2010, 11:49

Gäähhn... .

Mariothereal
40
16.12.2010, 11:45
soviel zur Aussage im Artikel

"Sie sind noch jung genug, um an sprechende Löwen, weiße Hexen und säbelrasselnde Mäuse zu glauben."

Glauben wie die Kinder heißt demnach für mich:
"Ich habe gelernt wie ein Kind auf meine Eltern (bzw. den Vater im Himmel, dessen Kinder wir sind) zu vertrauen, weil das was sie (bzw. er) sagen bisher immer zu meinem Besten und zu meinem Schutz war. Jetzt weiß ich, ich kann vertrauen. GLAUBEN!"

C R3
07
15.12.2010, 21:35
Fand die ersten 2. Teile lahm

Also, ich habe alle Bände bereits als Kind und als die erste Verfilmung herauskam nochmal gelesen. Die Bücher sind ca. 150 Seiten lang(bei eher großer Schrift), daher musste der Stoff ein bisschen "aufgeblasen" werden. Und viel actionlastiger gemacht werden. Schätze, das ist auch bei diesem hier
passiert.

Den Hass von Pullman auf die Bücher kann ich nicht ganz verstehen, Rassismus kann man z.B. auch Tolkien andichten (Gute, helle Elfen, böse schwarze Orks).

Ich finde, die Bücher sind nette Kinderlektüre, auch so geschrieben. Den Dritten Teil werde ich nicht anschauen, einfach weil mir 1. & 2. nicht so richtig gefallen haben.

Allmächtiger Satan
23
15.12.2010, 21:10

Christenpack. Wo bleibt Allah, wenn man ihn braucht?

RebelAngel
 
02
21.12.2010, 13:02
in der Muppets Show

mimt die Freundin von Kermit!

The Man from Earth
09
15.12.2010, 22:25
Der steckt in Southpark fest...

Rosa Stahl
39
15.12.2010, 21:09

Ist ja eh klar, da ist christliches Gedankengut drin, das MUSS man hier ja verreissen.

Wurscht, meine Tochter ist sowas von einem Fan der Geschichte. :-))

Mathias
 
00
21.12.2010, 14:28
komisch dabei ist ja nur...

... dass das nie auf alle Filme zutrifft. Da werden immer einzelne Film(reihen) besonders gerne heraus gesucht. Obwohl es in der Richtung auch viele viele Filme gibt, die aber nie beachtet werden ...

papst benedikt
110
15.12.2010, 22:40

naja, wir sind hier ja beim standard, dem "osservatore romano" für scheinintellektuelle :)

Quintus Beckloeffel
06
16.12.2010, 11:14

Dem "osservatore profano"

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