Historiker stellt Fund von Königsschädel in Frage

5. Jänner 2011, 16:51
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Angeblich wurden die sterblichen Überreste von Heinrich IV. identifiziert - Skeptiker findet Indizien, die dagegen sprechen

Paris - Ein französischer Historiker und Journalist hat Zweifel am Fund des Totenschädels von König Heinrich IV., auch Henri le Grand genannt, geäußert. Der Schädel, den Wissenschafter Mitte Dezember präsentiert hatten, sei zum Einbalsamieren weder aufgesägt noch aufgemeißelt worden, sagte Philippe Delorme am Mittwoch dem Magazin "Express". Als 1793 das Grab des Königs geplündert wurde, hätten aber alle Zeugen von einem offenen Schädel berichtet. Auch fehle eine DNA-Analyse des Monarchen, kritisierte Delorme, der ein Buch über den König schrieb. Immerhin wären Haut und Haare für eine Analyse vorhanden gewesen.

Ein Team von 20 Experten aus mehreren Ländern hatte den Schädel, der 1793 verschwand und zuletzt im Besitz eines Rentners war, ein halbes Jahr lang untersucht. Durch digitale Rekonstruktionen und mehrere Spuren von Narben waren die Wissenschafter zu dem Schluss gekommen, dass es sich um Heinrich IV. handelt. Nach ihren Angaben wurde zur Einbalsamierung von Heinrich IV. eine andere Methode angewandt, die den Schädel ganz lässt.

Frankreich gedenkt heuer seines 1610 durch ein Messerattentat ums Leben gekommenen "guten Königs", der 1589 im Alter von 35 Jahren den Thron bestiegen hatte. Er hatte 1598 durch das Edikt von Nantes, das französischen Protestanten freie Religionsausübung zusicherte, ein friedliches Zusammenleben der beiden großen Religionen ermöglicht, nachdem sich das Land zuvor in den Jahrzehnten der Hugenottenkriege selbst zerfleischt hatte.  (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rekonstruktion des Gesichts von Heinrich IV. ... oder zumindest des Mannes, dessen Schädel im Dezember gefunden worden war.

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