Nach Drängen der Justizministerin

Regierung will ihre Kosten für Inserate offenlegen

14. Dezember 2010, 18:15
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    foto: standard/cremer

    Die Koalition spart vor allem in den Boulevardblättern nicht mit Eigenlob - bald soll publik werden, wie viel jedes Ministerium dafür springen lässt.

Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und sein Vize Josef Pröll (ÖVP) erklären sich nun bereit, sämtliche Werbegelder der Ministerien publik zu machen

Wien - Um die Zeitungsleser über den wahren Schuldenstand der Republik aufzuklären, ließ das Ressort des schwarzen Finanzministers im Frühjahr exakt 816.802,51 Euro für Inserate springen. Einen Tag nach Verkündigung des Sparpakets wiederum warben der rote Kanzler und sein Vize in sämtlichen Sonntagszeitungen. Ihre frohe Botschaft: "Österreich kann sich sehen lassen." Wie viel der Koalition diese Propaganda gekostet hat, wird erst demnächst eine Anfragebeantwortung der Opposition zu Tage fördern. Oder vielleicht sogar eine eigene Homepage der Regierung.

Denn bisher echauffierten sich Blau, Orange und Grün regelmäßig darüber, wie teuer die Eigen-PR von Werner Faymann, Josef Pröll und Co kommt. Dazu argwöhnt sie, dass sich Rot und Schwarz mit den Inseraten "genehme Medienberichterstattung" besorgten.

Angesichts des jüngsten Vorstoßes von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, die Kosten für die Einschaltungen doch endlich transparent zu machen, sind seit Dienstag auch Faymann und Pröll dazu bereit.

Auf Anfrage des Standard erklärte der Vizekanzler nach dem Ministerrat, dass er sich ein eigenes Gesetz vorstellen könne, mit dem die Ressorts und die staatsnahen Unternehmen verpflichtet werden, offenzulegen, mit welchen Beträgen sie in den diversen Medien inserieren. Der Kanzler wiederum pochte darauf, auch die einschlägigen Ausgaben der Bundesländer miteinzubeziehen. Mit gutem Grund.

Gegenseitige Verdächtigungen

Die SPÖ verdächtigt nämlich die ÖVP, dass die schwarzen Landeshauptleute zu deren Machterhalt Unsummen in Bezirks- und Regionalblätter pumpen. Den Bürgerlichen wiederum sind die Kosten für Inserate staatsnaher Betriebe wie die rote ÖBB ein Dorn im Auge.

Und die Zeitungen selbst? Vor allem die Qualitätsblätter wurmt seit Jahr und Tag, dass der auflagenstärkere Boulevard der Dichand-Familie und des Fellner-Clans mit viel mehr Regierungseinschaltungen bedacht werden.

Eine Anfrageserie der Grünen hat genau das für das Vorjahr nämlich bestätigt: Insgesamt gab die Koalition 2009 etwa 29,3 Millionen Euro für Öffentlichkeitsarbeit, Inserate und Medienkooperationen aus - und bis zu 45 Prozent davon sind laut der Oppositionspartei Krone, Österreich und Heute zugutegekommen. Faymanns Replik von damals: Ihm persönlich seien Inserate in Zeitungen lieber als eigene Info-Broschüren der Regierung.

Für Aufregung sorgte erst unlängst wieder der Umgang seiner Unterrichtsministerin mit dem Werbe-Etat. Denn im Spätsommer outeten die Blauen, dass Claudia Schmied seit Beginn der Legislaturperiode im Oktober 2008 um 365.271,56 Euro im Gratis-Blatt Heute schalten hat lassen. Ende 2009 hatten die Bundesländerzeitungen bereits Protest gegen Schmieds Vorgangsweise eingelegt. Im Vorjahr waren von einer rund 485. 600 Euro teuren Kampagne zu Beginn des Schuljahres drei Viertel der Mittel an Österreich, Heute und die Krone geflossen.

Der Verband der Österreichischen Zeitungen, kurz VÖZ genannt, verlangt daher schon seit längerem mehr Transparenz bei der Inseratenvergabe. Erst vor wenigen Wochen hat der Verband Faymanns Medienstaatssekretär Josef Ostermayer ein entsprechenden Positionspapier in die Hand gedrückt. Begründung: "Der Anlass ist, dass es den Eindruck gibt, dass es in bestimmten Medien eine Häufung von Inseraten gibt, die in keinem Verhältnis zum Markt stehen."

ÖVP will eigene Homepage

Analog zur Datenbank, die einst die EU-Förderungen für heimische Bauern offengelegt hat (wegen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes wurde sie mittlerweile wegen mangelhaften Datenschutzes gesperrt), kann sich die ÖVP nun die Einrichtung einer eigenen Homepage vorstellen, auf der jederzeit abgefragt werden kann, in welchem Umfang die einzelnen Ressorts in den diversen Medien inserieren. Die von der Regierung ohnehin geplante Transparenzdatenbank sei zum Einspeisen dieser Geldflüsse übrigens nicht geeignet, erklärt man in Prölls Partei, denn: In der Transparenzdatenbank soll jeder Bürger bloß einen Überblick darüber bekommen, wie viel Förderungen ihm selbst zugutekommen. Und die Ministerien erhalten nur per Ministerratsbeschluss Zugang zu aggregierten und damit anonymisierten Daten.

Geht es nach der ÖVP, könnte die Inseratenoffenlegung im Bundesvergabegesetz verankert werden. Dort soll konkret festgeschrieben werden, dass sämtliche öffentliche Aufträge an Medien und Agenturen an eine staatliche Sammelstelle - etwa im Wirtschaftsministerium - gemeldet werden.

Die Grünen begrüßten am Dienstag ausdrücklich die Ankündigungen von SPÖ und ÖVP. Wie Faymann fordern auch sie die Einbeziehung der Bundesländer, denn: "Ein Vetorecht der selbst massenhaft inserierenden Landeshauptleute kann es einfach nicht geben." FPÖ und BZÖ wiederum prangerten erneut die Verschwendung von Inseratengeldern an. Diesmal im Visier: Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP), die mit ihrer Bewerbung der Studienrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften wie Technik eine satte halbe Million Euro "verpulvert" hat. (Nina Weißensteiner, Gerald John/DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2010)

Nachlese
Regierungsinserate offenlegen - Justizministerin: Transparenz, wer wem wie viel zahlte

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1 2
locken
00
15.12.2010, 16:29
Die sollen die Parteispenden Offenlegen !!!

gesundheitsministerium@wko.at
00
15.12.2010, 16:00
oje...

...das wird vermutlich derselbe pfusch wie bei der
"offenlegung" der parteispenden...

greece0357
00
15.12.2010, 15:22
Was hab´ ich jetzt von diesem Artikel?

Noch mehr Wut auf diese Zerreder, Verhinderer, Lügner, Packler, Schönfärber, Kampflächler, Säufer, Gratisesser und Bonusmeilenprivatverbraucher, die nur von einer Wahl zur Nächsten denken, die nur gefallen wollen um Wählerstimmen zu erhaschen und die mir eigentlich in ihrer Gesamtheit auf den Geist gehen.

Raunzerle
 
00
15.12.2010, 14:39
Vier Hausfrauen als Finanzminister

Wenn vier Hausfrauen, welche bewiesen haben dass sie mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Wirtschaftsgeld auskommen, unseren lieben Finanzminister ersetzen würden, wären solche Artikel nicht mehr zu lesen.

Dann würde endlich wieder etwas in die Regierung einziehen, dass ich schon lange vermisse:

Hausverstand und der Umgang mit fremdem Geld, als ob es das Eigene wäre

herbert braun
00
15.12.2010, 14:36
Und was kostet die Homepage?

Sicher mehr als die vom Grasser ...

unbequem
00
15.12.2010, 13:48
was heißt "will" offenlegen

das hat sie bei jeder Budgetvorlage sowieso zu tun und jeder Österreicher kann beim Finanzamt das "Budget" via Auskunftsbegehren beantragen! Die Einsichtnahme steht jedem Staats-Bürger zu!

Briefmarkenkleber
00
15.12.2010, 12:45
Aus diesem Artikel spricht der Neid.

Die Presseförderungs-Million reicht wohl nicht?

Rudolpho der I
02
15.12.2010, 12:35
Den Mist was Pröll und Faymann produzieren !

Braucht man nicht nocheinmal in den Medien mit
Steuergeldern verbreiten,im Grunde interessiert
das niemand.

dasBeobachter.blogspot.com
01
15.12.2010, 12:18
hoppla.

die regierung will ja nur die inseratkosten offenlegen. ;)

warum nicht jede partei alle werbekosten?

dasBeobachter.blogspot.com
01
15.12.2010, 12:17
verzweiflungstat.

die FPÖ hat's geschafft, lukrative geldquellen anzuzapfen.
so will die regierung verhindern, dass die nächste nationalratswahl massiv unter blauer propaganda absauft.

plakatwerbung gehört im übrigen soundso als propaganda verboten.

superalex
02
15.12.2010, 12:00
SPÖ-Scheinzustimmung

dass die SPÖ das nicht erst nimmt, wird sich bald erweisen. Oder glaubt hier wirklich wer, dass Ostermayer und die Liesing-Brothers auf die Fellnerisch-Dichandchen Lobpreisungen verzichten (können)??

Übrigens: beim Schifahren am Arlberg waren letztens die Faymanns gemeinsam mit Herrn und Frau Dichand...

i po
00
15.12.2010, 11:07
PRO Transparenz!

princeps legibus solutus
02
15.12.2010, 11:05
warum um alles in der welt muss eine regierung inserate schalten?

die sollen regieren und sich bei der wahl der beurteilung durch die wähler stellen. die information dazu sollen unabhängige medien liefern und nicht der staat - wir sind ja nicht die ddr.

das ganze scheint mir auch ein österreichisches spezifikum zu sein. zumindest gibt es staatsinserate in ausländischen blättern nicht in diesem ausmaß (oder sie fallen mir zumindes nicht auf)

das ärgste an der ganzen sache ist aber dann noch die belanglosigkeit die hier transportiert wird. es würde ja noch gehen, wenn für ein gesetz geworben oder ein solches erklärt wird. aber "österreich steht gut da" sagt genau gar nichts. und das um ein vielfaches der summe, die jetzt bei den ausseruniversitären forschungsinstituten eingespart wird ...

Schilcherfreund
01
15.12.2010, 10:16
Kosten für Inserate?

Interessante Verniedlichung für Schutzgeldzahlungen, vergleichbar mit den Kosten für Security auf der Reeperbahn oder dem Leasing von Aquarien in Chinarestaurants.

briefträger
02
15.12.2010, 10:08

Wozu eigentlich Werbung? Werbung brauche ich nur, wenn ich ein Produkt verkaufen will, dass sich nicht selbst verkauft.

Die Regierung, sei's Bund oder Land, verkauft uns ja kein Produkt, nein die Regierung bestimmt für uns ein Produkt und wir, das Volk, müssen dann damit leben.

Also lässt das den Schluss zu, wenn die Regierung Werbung schaltet, dann hat die Regierung ein schlechtes Produkt, dass sie uns als Gutes präsentieren will.

Regierungswerbung abschaffen. Eine Regierung ist nur an ihren Taten messbar. Diese Taten spürt das Volk auch ohne Werbung.
Das eingesparten Geld in Bildung und Forschung investieren ist der bessere Weg.

Der Waehlerwille
 
00
15.12.2010, 09:51
Österreich braucht einen "Information Act"

Völlige Offenlegung von allen Finanzbewegungen.
Von Gemeindeebene über die Kostenabrechnungen von Konsulaten, die tatsächlichen Kosten der Migration, bis hin zu Subventionen Nationalratskosten Heer usw usw.

Das wäre mal eine Aufgabe die Österreich wirklich nach vorne bringen könnte.

Raunzerle
 
05
15.12.2010, 08:49
Selbstbeweihräucherung

Warum ist das Inserat mit dem lieben Prof. Taschner nicht zum Artikel verlinkt.

Der gute Mann macht das sicher kostenlos, wenn er uns vorrechnet warum wir dank unserem lieben Finanzminister nur rd. 24.000 Euro Schulden haben. Wenn die bösen roten Brüder oder die noch böseren blauen, orangen oder grünen Brüder an der Macht wären, hätten wir sicher mehr Schulden - wird zumindest suggeriert.

Eine Schmierenkomödie sondergleichen.

buena1vista1
01
15.12.2010, 08:37
Das ist schon lange überfällig ....

or allem diese entbehrlichen Anzeigen des Hr. Pröll mit dem Baby & Schulden pro Staatsbürger und den Hunderter Scheinen (Jahresausgleich *LOL*) in der Hand ist Hohn pur.

Ebenso die täglichen SMS Anzeigen einer Fr. Marek während er Wahl waren völlig absurd.

Und und und ....

Kritiker1A
06
15.12.2010, 08:35
Die Regierung soll überhaupt keine Inserate mehr schalten dürfen.

Wenn die Regierung etwas mitteilen möchte, so soll Sie das auf Ihrer Homepage tun.

Und zwar im Namen der Regierung und nicht gebunden an irgend einen Namen oder an eine Partei.

Die Inserate sind Bestechungsgelder, und sollten auch so behandelt werden!

Ich_wills_wissen
06
15.12.2010, 07:50
einfach zum Nachdenken!

..würde diese Regierung gute Arbeit leisten, würde sie keine Werbung benötigen und könnte dieses Geld für sinnvolle Dinge wie unsere Schulen ausgeben. Dann würde die Mundpropaganda für Popularität sorgen.
Unsere Regierung schafft leider nur Negativpropaganda und arbeitet so dem rechten Lager zu.
PS:Ich entschuldige mich bei der Werbebranche!

Kritiker1A
03
15.12.2010, 08:36
Die Stadt Wien gibt pro Tag 100.000 € für Inserate aus !

Dafür müßten die Verantwortlichen in den Knast!

Das ist Bestechung und Geldverschieberei und Untreue.

Samhain
00
15.12.2010, 05:29
Regierung will...

...kann aber nicht.

bebop
01
15.12.2010, 04:36
Bezahlte Werbung ist allen Gebietskörperschaften zu untersagen

Wie kommt der Steuerzahler dazu, das alles zu bezahlen?

jodaflo
 
04
15.12.2010, 03:54
wohl eher:

regierung will zwar nicht ihre kosten für inserate offenlegen, ist aber als bauernopfer, in diesen harten zeiten eher angebracht als die günstlingswirtschaft mit der OMV und den grossbanken offenzulegen

oder etwa nicht

samron
04
15.12.2010, 01:37

Die Parteien wollen etwas offenlegen ? Da wird der gelernte Österreicher sofort hellhörig.

Ich sehe schon unglaublich niedrige Zahlen vor mir, während irgendwelche Vereine, Lobbygruppen oder Institute die Arbeit der Regierung ausgiebig per Inseraten abfeiern.

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