FPK-FPÖ-Fusion: Experten sehen Vorteile für Drittes Lager

14. Dezember 2010, 12:09
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Vor einem Jahr gaben Strache und Scheuch die Zusammenarbeit bekannt - Bachmayer: Richtige Entscheidung

Klagenfurt - Generell eher positiv für das Dritte Lager sehen Meinungsforscher die vor einem Jahr in Angriff genommene Wiedervereinigung zwischen den Kärntner Freiheitlichen und der Bundes-FPÖ. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer etwa meinte, es sei die richtige Entscheidung gewesen. Die Kärntnerin Kathrin Stainer-Hämmerle und Peter Hajek meinen, ein endgültiges Urteil könne man "erst nach der nächsten Wahl" abgeben.

Bachmayer ortet den Nutzen in erster Linie für die FPÖ: "Nach dem eklatanten Erfolg in Wien ist die FPÖ bundesweit auf einem Höhenflug. Dort gibt es jetzt drei gleich große Parteien. Diese steile Aufwärtsbewegung gibt es bei der FPK nicht." Der Erfog bei der Landtagswahl in Kärnten im Jahr 2009 sei unter "historisch denkwürdigen Umständen" erfolgt und als "Sonderfall" zu bewerten.

"Richtiger Zeitpunkt"

Vor einem Jahr hatte Bachmayer das Zusammenrücken aus Sicht der FPÖ noch als "richtige Entscheidung zum falschen Zeitpunkt" bewertet, inzwischen meint er, auch der Zeitpunkt hätte gepasst. Sowohl FPÖ als auch FPK hätten von der Fusion profitiert. "Vor einem Jahr war die FPK in heftigen Turbulenzen. Die Gefahr war groß, dass Strache sich mit dem Kärntner Virus ansteckt."

Vor allem die Affäre rund um die Hypo Group Alpe Adria Bank sei am Höhepunkt gewesen. Die Causa habe sich im Laufe der Zeit jedoch "von einem politischen Skandal zu einem Kriminalfall gewandelt" und damit auf eine andere Ebene verlagert. "Und das hat die FPK entlastet", so Bachmayer. Zudem könne die Frage der zweisprachigen Ortstafeln und das Auftreten von Landeshauptmann Gerhard Dörfler in dieser Causa die "Schatten der Hypo vertreiben". Wenig Chancen sieht der Meinungsforscher für die anderen beiden Splitterparteien des "Dritten Lagers": Während die Kärntner FPÖ überhaupt keine wahrnehmbare Rolle mehr spiele, tue sich auch das BZÖ in Kärnten schwer. "Es versucht, sich als Nachlassverwalter von Jörg Haider zu profilieren."

"Nagelprobe Nationalratswahl"

Für Hajek ist kurzfristig keinem der beiden Partner ein Vorteil entstanden. Die Fusion sei aber auch nicht nachteilig gewesen, immerhin sei es etwa bisher "zu keinen Verwerfungen" gekommen. "Die Nagelprobe wird allerdings die Nationalratswahl 2013 sein", so Hajek. Auch er ortet mögliche Risiken in der Hypo-Affäre, falls derzeit aktive Politiker darin verwickelt wären. Momentan brauchten sie aber nur abzuwarten.

Langfristig könne das "CDU/CSU-Modell" zwischen Kärnten und Wien schon funktionieren. Es könne aber genauso passieren, dass die FPÖ versuchen werde, die Kärntner Freiheitlichen "zu inhalieren." Entscheidend werde in dieser Frage sein, "was wahlpolitisch Sinn macht", so Hajek.

BZÖ als "Auslaufmodell"

Stainer-Hämmerle urteilt, ideologisch und strategisch sei das Zusammengehen in Ordnung gewesen. Den Orangen gibt die Politologin keine Zukunft: "Das BZÖ ist ein Auslaufmodell. Der Wahlverein des Jörg Haider ist beendet." Hajek hingegen meint, die Politikverdrossenheit und Wählerflexibilität in Kärnten sei so groß, dass das BZÖ durchaus Chancen habe. "Da ist für jede Partei was drinnen." (APA)

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    16. Dezember 2009: Ein Jahr ist es jetzt her, dass das damalige Kärntner BZÖ mit Parteiobmann Uwe Scheuch in den Schoß der FPÖ zurückgekehrt ist.

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