Schuss ins Knie?

Angesagte Musik-Blogs wegen "Piraterie" abgedreht

Zsolt Wilhelm, 14. Dezember 2010, 12:47
  • Artikelbild
    vergrößern 800x500
    foto: derstandard.at/screenshot

    OnSmash.com: Einer von vielen Musik-Blogs, den das Department of Homeland Security über Thanksgiving abdrehen ließ.

Kontrovers: Betreiber sehen sich als Sündenböcke für Marketingaktionen der Labels

Im Kampf gegen Musikpiraterie haben die Vertreter der US-Musikindustrie RIAA und die US-Heimatschutzbehörde Department of Homeland Security ein neues Ziel ins Visier genommen. Nach Tauschbörsenbetreibern und -Nutzern sind nun Betreiber bekannter Hip-Hop-Blogs unter Beschuss genommen worden, berichtet aktuell die New York Times

Widersprüche

In einer Blitzaktion über Thanksgiving wurden insgesamt 82 Webseiten abgedreht, ohne die Betreiber im Vorfeld darüber in Kenntnis zu setzen. Während die meisten Portale aufgrund des Verkaufs gefälschter Markenware (gebrandete Sonnenbrillen, T-Shirts, Taschen, etc.) eingestellt wurden, hat die Aktion auch einige der meist angesagten Szene-Blogs getroffen. Den Betreibern von OnSmash.com, Dajaz1.com oder RapGodFathers.com wird vorgeworfen, auf illegale Weise nicht offiziell veröffentlichte Songs und Videos verbreitet zu haben. Darf man den Bloggern, die meist in sehr engem Kontakt mit den Künstlern und Labels stehen, Glauben schenken, hätten sie nichts verbreitet, was die Herausgeber nicht mit Absicht aus Marketingzwecken "durchsickern" ließen.

Neue Werbeform und harter Konkurrenzkampf

Kevin Hofman, der Gründer von OnSmash.com etwa betont, dass es mittlerweile an der Tagesordnung sei, für die Bewerbung neuer Werke bestimmte Songs oder Videos vorab gezielt an die führenden Blogs weiterzugeben. Anstatt große Kampagnen finanzieren zu müssen, würde die Zielgruppe so direkt angesprochen. Nicht nur viele Newcomer würden von der Arbeit der Blogs profitieren, bestätigt auch Corey Smyth, Produzent von Rappern wie Lil Jon und Talib Kweli.

Fabolous, ein New Yorker-Rapper vom Label Dej Jam sieht die Blogs ebenfalls als gewinnbringenden Werbeträger. Allerdings schließe er nicht aus, dass durch den zunehmenden Konkurrenzkampf unter den Seitenbetreibern einige der verbreiteten Inhalte nicht absichtlich "geleakt", sondern über gehackte Accounts und dergleichen gestohlen wurden. Die Lage sei nicht immer eindeutig.

Im Unrecht?

Blogger Hofman zeigt sich ob der Vorwürfe jedenfalls ebenso verunsichert wie verdutzt. Seine Artikel und News würden auch von Stars wie Kanye West gelesen und gewürdigt. "Wenn das, was ich tue, so falsch ist und den Künstlern schadet, warum retweetet (Kanye West) meine Posts dann an über zwei Millionen Leute?", so Hofman. (zw)

Der WebStandard auf Facebook

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
frankenbach
00
15.12.2010, 11:39
"abgedreht"

Ganz ohne Ankündigung?

Dann spricht ja nichts dagegen, den Blog gleich wieder unter einer neuen Domain wieder ins Netz zu stellen.

Und die neue URL wird wohl dank der Community und Berichterstattung populärer als die alte.

Taran Seven
00
16.12.2010, 19:31
Die Musiker haben eben nicht mehr die Rechte an der Musik, sondern nur die Konzerne...

Beiddenker
00
16.12.2010, 23:09
Hmm, aber nur dann, wenn die jeweiligen Musiker auch ...

... einen entsprechenden Vertrag gemacht haben.

entity13
00
15.12.2010, 11:20

Welch' Armutszeugnis für die Musikindustrie .. jetzt dürfen Fans nicht mal mehr über ihre Idole öffentlich schreiben.

Liebe Musikindurstrie .. da ihr in den nächsten 5 Jahren wahrscheinlich alle Konsumenten vergrault haben werden und euer Geschäft dann sowie so tot ist .. macht es uns bitte allen einfacher und sucht euch bitte ein neues Geschäftsfeld (das organisierte Verbrechen ist immer auf der Suche nach Verstärkung).

MUVA
01
15.12.2010, 09:12
das label heisst

DEF JAM!

könnts das net ausbessern? ;)

jodaflo
 
01
15.12.2010, 05:13
oh no...RapGodFathers.com...wo bekomm ich jetzt den dopsten shid in da hood her?

maruh
01
14.12.2010, 23:15

RapGodFathers.com wurde ja ende nov. abgedreht…
zumidest glaubt das riaa und co.

die war 10min später wieder da ( http://www.rapgodfathers.info/ ) und is es auch noch immer

aber danke für die werbung ;)

innerand
03
14.12.2010, 21:04
Die Homeland-Security?

Haben die Blogs etwa die nationale Sicherheit der USA bedroht?

Mathias
 
00
14.12.2010, 23:57
die nationale Börsen-Sicherheit der Konzerne!

Dr. Bitter
206
14.12.2010, 17:23
...wegen "Piraterie" abgedreht

Warum die Anführungszeichen?

Im Artikel steht: "...aufgrund des Verkaufs gefälschter Markenware (gebrandete Sonnenbrillen, T-Shirts, Taschen, etc.) eingestellt..."

Wenn die Anschuldigungen stimmen, ist das Produktpiraterie. Ohne Anführungszeichen.

Dann:
...wird vorgeworfen, auf illegale Weise nicht offiziell veröffentlichte Songs und Videos verbreitet zu haben...

Wenn die Anschuldigungen stimmen, ist das Musikpiraterie. Ohne Anführungszeichen.

Schön langsam wird es Zeit, dass wieder klare Verhältnisse entstehen. Ein wichtiger Punkt: free music gibt es nur, wenn sie der Urheber verschenkt. Sonst ist es "free music" - unter Anführungszeichen - genauer gesagt: gestohlene Musik.
So, und jetzt strichelt mich rot, ihr Fladeranten.

Jabberwock
00
weil es ein angstmacherischer Hetzterminus ist

"Bei Piraterie (von griechisch pe???? peiran, eigentlich „nehmen/wegnehmen“, über pe??at??, peirat?s und lat. pirata, „Seeräuber“) oder Seeräuberei handelt es sich um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubungen, die zu eigennützigen Zwecken unter Gebrauch eines See- oder Luftfahrzeugs auf Hoher See oder in anderen Gebieten verübt werden, die keiner staatlichen Gewalt unterliegen." wikipedia.de

Der richtige wäre: "Vergehen gegen das Vervielfältigungsrecht von elektronischen Medien" oder ähnliches. Dabei wird niemand verletzt oder beraubt, bloß die Marktanteile eines obsoleten Industriezweiges schrumpfen.

Sosel
02
16.12.2010, 07:21

sinnerfassendes lesen: fail

konfusius
02
14.12.2010, 21:51
Jo genau

Recht und Ordnung, Zucht und brav kuschen, wenn die Homeland Security anklopft.

Hier ging es um Musikblogs, denen nicht explizit Piraterie angelastet wurde, diese bezog sich auf die Seiten mit gefakten Brillen, etc.
Abgesehen müsste es wenn schon so korrekt, Produktpiraterie heißen.
Dass der HLS dies alles wurscht is, wenn die RIAA anfragt, is auch klar.

Nestor_83
04
14.12.2010, 21:02
und für welches label schreibst du?

Kann man da gut geld damit verdienen eine minoritätenmeinung in die community zu streuen. nicht vergessen sie muss nur glaubhaft rüberkommen und deshalb wirst du mir gleich versichern, dass du das aus "eigener motivation" heraus machst...

Andreas Schneider
215
14.12.2010, 17:57

da "musikpiraterie" kein juristischer sondern ein journalistischer ausdruck ist, wird es korrekt unter anführungszeichen gestellt. piraterie ist das, was in somalia geschieht, nicht das, was in irgendwelchen flohmärkten vor sich geht.

dass die von ihnen geforderten verhältnisse manchmal eben nicht so klar sind, geht aus dem artikel hervor - wenn man ihn gelesen und verstanden hat.

und dass in den usa nicht der urheber bestimmt, was verschenkt wird (oder nicht), sondern der copyright-besitzer, wäre dann noch der dritte lapsus in ihrem aufgeblasenen posting.

(für diese erbsenzählerei dürfen sie mich gerne rotstricheln, sie suderant.)

christoph hofbaur
33
14.12.2010, 18:34

ihre annahmen sind nicht richtig, den terminus "buchpiraterie" hat's z.b. immer schon gegeben. wenn vor 30 jahren eine druckerei ein werk ohne genehmigung vervielfaeltigen liess ohne dem offiziellen verlag noch den autor zu bezahlen, dann wurde das als piraterie angesehen.

seitdem die gleiche verhaltensweise, ohne physisches medium und ohne grossen technischen aufwand moeglich ist, seitdem denken so einige, dass es anscheinend ein gottgewolltes recht auf "gratis"-film, musik, software oder buch gibt.

der essentielle punkt des vorposters war, dass es nur "gratis" content geben, wenn es vom copyrightholder, zu beginn einer karriere meist dem urheber selbst, gewollt ist.

Andreas Schneider
03
14.12.2010, 18:48
sind sie doch...

natürlich gibts den BEGRIFF "musikpiraterie", das steht ausser zweifel. aber der bittere dr. beschwert sich ja über die anführungszeichen, die bei der "buchpiraterie" aus gutem grund auch sie verwenden.
interessant übrigens, den begriff kannte ich noch nicht. aber auch dieses vergehen wurde zwar "als piraterie angesehen", war aber de facto keine. ein umgangssprachlicher begriff halt, eine schlechte (weil unpassende) analogie.

ergo: anführungszeichen.

ihrem letzten absatz kann ich vorbehaltlos zustimmen: klar hat er das gemeint. bloß war er ungenau ausgerechnet in einem bereich, wo er selber "klarheit" gefordert hat (die es dort gerade laut bericht eben nicht immer gibt. )

ergo meine "erbsenzählerei".

Dr. Bitter
83
14.12.2010, 18:32

typische taktik.
deppert stellen und so tun, als ob...

dabei wissen sie und alle hier genau, was musikpiraterie ist.

und ihre persönlichen angriffe gefallen mir sogar. sie bedeuten, dass sie sich angesprochen fühlen und sich verteidigen möchten.

hören sie also auf ihr schlechtes gewissen -> musik und filme runterladen und nicht dafür bezahlen, ist schlicht und einfach diebstahl. ohne anführungszeichen.

Krawuzi Kabuzi
22
14.12.2010, 21:52
§ 127 StGB Diebstahl

"Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen mit dem Vorsatz wegnimmt, sich oder einen Dritten durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen."

Daten sind wohl beweglich, weggenommen wird aber nix sondern "nur" kopiert. Und bei 99.999% der Fälle ist wohl Bereicherung auch nicht gegeben.

Beiddenker
20
15.12.2010, 09:47
Hmm, naja, der Richter wird wohl nicht nach §127 urteilen, sondern ...

... "Das Anbieten von urheberrechtlich geschützten Werken ist nach § 91 UrhG strafbar. Der Strafrahmen geht bis zu einer Freiheitsstrafe bis 6 Monate oder Geldstrafe bis 360 Tagessätze; die Höhe des Tagessatzes ist einkommensabhängig. Bei Gewerbsmäßigkeit geht der Strafrahmen bis zu 2 Jahren; gewerbsmäßig begeht eine strafbare Handlung, wer sie in der Absicht vornimmt, sich durch ihre wiederkehrende Begehung eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen (§ 70 StGB);"

Natürlich kommen dann noch die zivilrechtlichen Folgen dazu.

Wenn Sie also schon versuchen Jurist zu spielen, sollten Sie auch die tatsächlich anwendbaren Gesetze und Bestimmungen anführen.

csedlaczek
00
22.12.2010, 12:53
Upload fraglich

Abseits des Downloads, der wie gesagt sicher nicht eine Strafbare Handlung darstellt, möchte ich schon darauf verweisen, dass es auch zum Upload in Österreich differenzierte Rechtsmeinungen gibt. Zum Gegensatz von Deutschland, im Übrigen, wo dies viel eindeutiger geregelt ist.
Im §91 Beispielsweise steht auch noch sinngemäß, wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe: dass der Eingriff dann nicht strafbar ist wenn es sich nur um eine unbefugte Vervielfältigung für den eigenen Gebrauch oder die unentgeltliche Weitergabe auf Bestellung Dritter geht. Ich würde hier nicht die Hand dafür ins Feuer legen dass ein letztinstanzliches Urteil zu Gunsten der Musikindustrie ausgehen würde.

csedlaczek
00
22.12.2010, 12:39
Download ist in Ö jedenfalls nicht strafbar

1) Hat der vorhergehende Poster gemeint "Musik und Filme runterladen und nicht dafür bezahlen, ist schlicht und einfach Diebstahl" daher wohl die Anspielung auf §127
2) Ist das reine herunterladen zu nicht gewerblichen Zwecken in Österreich weder nach § 91 noch nach irgendeinem anderen Gesetz verboten sondern fällt eher unter §41 und ist daher erlaubt.

Dr. Bitter
62
14.12.2010, 22:13

"Und bei 99.999% der Fälle ist wohl Bereicherung auch nicht gegeben."

Lächerliches Argument.
Die Leute, die z.B. Musik herunterladen, bereichern sich sehr wohl.
Sie bezahlen nichts.
Die Urheber der Musik werden daher bestohlen.
So einfach ist das.
Mit sophistischen Argumenten lässt sich das nicht wegbrabbeln.

Ich bin der Meinung...
00
Sie haben einen schweren Logik-Fehler

der - wie bei der Musikindustrie auch - darin besteht zu glauben, alle "illegalen" Kopien würden ansonsten gekauft und der Schaden ist daher: Kopien x Kaufpreis.

Das ist natürlich völliger Unsinn und bedarf keiner weiteren Diskussionen.

Von meinen ca. 2000 digitalen Liedern (darunter noch selbst digitalisierte Aufnahmen von der guten alten Revon B77(!)) - würde ich keine 50 kaufen, wenn ich Sie nich hätte.

Einerseits, weil es sie nicht (in der Qualität) gibt, andererseits, weil ich dann eben Tonband hören würde.

Meine Plattensammlung anno 2011 unterscheidet sich von jener von 1988 kaum. Ob das auch an den Musikstücken liegen kann ?

konfusius
11
14.12.2010, 22:54
Sind sie Musiker?

oder warum hat man hier permanent das Gefühl, sie wären "bestohlen" worden.

Eine andere Erklärung wäre wohl Jurist a la Gravenreuth.
Naja, gut is es mit dem auch nicht ausgegangen.

Nein, im Ernst. Woher ihr Grant?
Objektivität ist ja auch nicht gerade ihre Stärke, wenn sie pauschal alle "Downloader" in den Kotter wünschen.
Wem gilt ihr Mitgefühl?
Den teils übermächtigen Plattenlabels, die sich trotz wackerer Weigerung auf neue Vertriebswege umzustellen dank diverser Anwaltskanzleien über Wasser halten?

Für viele Bands, vor allem kleineren, bzw. Newcomerbands ist eine schnelle Verfielfältigung via Web sogar recht, da es eine günstige Art des Marketings ist.
Pauschale Verurteilungen wie ihre bringen allerdings gar nichts!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.