Kontrovers: Betreiber sehen sich als Sündenböcke für Marketingaktionen der Labels
Im Kampf gegen Musikpiraterie haben die Vertreter der US-Musikindustrie RIAA und die US-Heimatschutzbehörde Department of Homeland Security ein neues Ziel ins Visier genommen. Nach Tauschbörsenbetreibern und -Nutzern sind nun Betreiber bekannter Hip-Hop-Blogs unter Beschuss genommen worden, berichtet aktuell die New York Times.
Widersprüche
In einer Blitzaktion über Thanksgiving wurden insgesamt 82 Webseiten abgedreht, ohne die Betreiber im Vorfeld darüber in Kenntnis zu setzen. Während die meisten Portale aufgrund des Verkaufs gefälschter Markenware (gebrandete Sonnenbrillen, T-Shirts, Taschen, etc.) eingestellt wurden, hat die Aktion auch einige der meist angesagten Szene-Blogs getroffen. Den Betreibern von OnSmash.com, Dajaz1.com oder RapGodFathers.com wird vorgeworfen, auf illegale Weise nicht offiziell veröffentlichte Songs und Videos verbreitet zu haben. Darf man den Bloggern, die meist in sehr engem Kontakt mit den Künstlern und Labels stehen, Glauben schenken, hätten sie nichts verbreitet, was die Herausgeber nicht mit Absicht aus Marketingzwecken "durchsickern" ließen.
Neue Werbeform und harter Konkurrenzkampf
Kevin Hofman, der Gründer von OnSmash.com etwa betont, dass es mittlerweile an der Tagesordnung sei, für die Bewerbung neuer Werke bestimmte Songs oder Videos vorab gezielt an die führenden Blogs weiterzugeben. Anstatt große Kampagnen finanzieren zu müssen, würde die Zielgruppe so direkt angesprochen. Nicht nur viele Newcomer würden von der Arbeit der Blogs profitieren, bestätigt auch Corey Smyth, Produzent von Rappern wie Lil Jon und Talib Kweli.
Fabolous, ein New Yorker-Rapper vom Label Dej Jam sieht die Blogs ebenfalls als gewinnbringenden Werbeträger. Allerdings schließe er nicht aus, dass durch den zunehmenden Konkurrenzkampf unter den Seitenbetreibern einige der verbreiteten Inhalte nicht absichtlich "geleakt", sondern über gehackte Accounts und dergleichen gestohlen wurden. Die Lage sei nicht immer eindeutig.
Im Unrecht?
Blogger Hofman zeigt sich ob der Vorwürfe jedenfalls ebenso verunsichert wie verdutzt. Seine Artikel und News würden auch von Stars wie Kanye West gelesen und gewürdigt. "Wenn das, was ich tue, so falsch ist und den Künstlern schadet, warum retweetet (Kanye West) meine Posts dann an über zwei Millionen Leute?", so Hofman. (zw)
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