Essen auf Rädern von Alain Ducasse

14. Dezember 2010, 16:21
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    Rohkost mit Oliventunke, Küchengruß an die Dame im Le Louis XV, dem Restaurant des Hotel de Paris in Monte Carlo

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    Stopfleber mit Begleitung

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    Karnickel-Sarg

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    Karnickel, mit sich selbst gefüllt, adrette Karotten und makellose Nudeln

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    Der Käsewagen (wer hätte es gedacht)

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    Baba, getränkt mit einer von 16 möglichen Rumsorten, serviert auf blauer Designer-Fliese

Tobias Müller langweilt sich ein bisschen beim Mittagsmenü für fast geschenkte 140 Euro in Monte Carlo, wo der Meister einst angefangen hat - Kollegen kosten

140 Euro für ein Mittagsmenü ist im Le Louis XV fast geschenkt. Für den Preis gibt's dort a la carte nicht einmal die Kartoffelgnocchi. Außer, Sie bitten den Kellner, die weißen Trüffeln wegzulassen, aber ganz ehrlich, wer traut sich das schon. Dann doch lieber den „Club Déjeuner de Saison", wie die Okasion zu Mittag heißt. Zwei Gänge, Käse, Dessert und Kaffee, sogar der Wein ist inkludiert - wenn ers nur aushält, der Alain Ducasse. 

Schick und modern wie die reiche Urgroßtante

Im Le Louis XV, dem Restaurant des Hotel de Paris in Monte Carlo, hat der Meister angefangen: Hier hat er 1990, mit 33, seine ersten drei Michelin Sterne eingeheimst. Bis heute hat sich an der Wertung in Monte Carlo nichts geändert - auch wenn die Besitzer böser Zungen bloggen, das Dreigestirn gelte heute mehr dem Ducasseschem Lebens- denn dem Tagwerk.

Das Louis XV ist so schick und modern wie die reiche Urgroßtante. Sollen die Geschmacks-Hipster doch in eine Lagerhalle im Kopenhagener Hafen jetten, in der der Putz von den Wänden bröckelt und rohe Radieschen auf essbarem Torf serviert werden - hier landet weiter Stopfleber auf goldumrahmten Tellern. Brokatvorhänge, Barockmöbel, Wandmalereien und Marmorbüsten üppiger Konkubinen zeigen den neureichen Essern, wer den Pomp erfunden hat.

Wagenpark

Sobald der Gast sitzt, rollt der Champagnerwagen an, drei Mal weiß, einmal Rosé, gut gekühlt im Eiskegel, dann folgt der Brotwagen, 20 Sorten, vom Baguette Traditionelle bis zum saisonalen Feigen- und Tomatenbrot, alles aus der hauseigenen Boulangerie. Sogar die gesalzene Butter kommt als 100 Kilo schwerer Kegel auf Rädern, abgeschabt und auf einer kleinen Marmorplatte gereicht. Die Küche grüßt gegendered: Spinattäschchen mit Ziegenkäse für den Herrn, saisonale Rohkkost mit Olivenpaste zum Tunken für die Dame, beides leicht, erfrischend und ein bisschen fad.

Wie Peter Rapp neben Harald Schmidt

Die Speisen sind so klassisch wie ihr Saal: In Wein pochierte Foie Gras, mit lauwarmen Geflügelconfit und Salat, die aber neben der Stopfleber wirken wie Peter Rapp neben Harald Schmidt. Nur eine confierte Tomate unterm Endivenblatt kann neben dem Star überzeugen. Kaninchenrücken, gefüllt mit einer Farce aus des Karnickels Innenleben und Speck, zu Tisch gerollt (was sonst) im kupfernen Serviersarg, schmeckt so opulent, wie es sich anhört. Gesellschaft leisten ihm (dem Rücken) hausgemachte, seidig-sanfte Nudeln und adrett heraus geputzte Jungkarotten, nicht kreativ, aber makellos.

Auch der Rum hat seinen Wagen

Zum Dessert rollt der Rumwagen an. Hier riecht der alkoholisch gebildete Gast am Korken und wählt aus 16 Sorten jenen, den er über seinen Baba, den traditionellen französischen Napfkuchen, gegossen bekommen möchte. Wem das zu mühsam ist, bekommt obszönen Pomp in Fruchtgestalt, viererlei Feigen in Honigcreme gebraten. Der Käsewagen offeriert eine eigens für das Lokal gereifte Selektion in diversen Verfallsstadien und sensationellem Geschmack, von der halbtrockenen Ziege aus Grasse über den Bleu d'Auvergne bis zum vier Jahre alten Brebis aus dem Baskenland. Wer sich am Ende nicht entscheiden kann, ob er Kaffee aus Äthopien, Haiti oder doch besser Brasilien will, wählt einen Aufguss frisch geschnittener Kräuter (vom Kräuterwagen) oder Tee.

Woher die Butter kommt

Vier Kellner kümmern sich um zwei Gäste, erklären auf Nachfrage, wie lange die Tomaten konfiert wurden (sechs Stunden) oder woher die Butter kommt (aus der Bretagne), schreiben den Produzenten eines besonders wohl gereiften Blauschimmelkäses (Zettel verloren) auf und packen einem zum Abschied noch Schokoladen ein. Stets freundlich und so viel weniger steif als ihr Arbeitsplatz, als täten sie das alles aus Freundschaft, nicht fürs Trinkgeld. Die 140 Euro inkludieren nämlich theoretisch sogar das.

Nicht mehr Sonnenkönig, noch nicht Revolution

Am Abend kostet der Spaß allerdings gleich das Doppelte, dafür gibt es dann auch Meeresfrüchte und Fisch, die dem preisbewussten Mittagsgast großteils vorenthalten bleiben. Trotzdem findet das abendliche Menu pour les Gourmets, glaubt man denen, die öfter kommen, immer weniger Abnehmer.

Wer den Speisesaal verlässt und durch die Lobby des Hotel de Paris schreitet, kommt an der Statue Louis XV vorbei, Namensgeber und ein bisschen Sinnbild des Lokals: Nicht mehr Sonnenkönig, noch nicht Revolution.

Jetzt soll noch eine/r posten, Schmeck's berichtet nur aus Italien: Dank STANDARD-Kollegen Tobias Müller können wir auch endlich wieder einmal Frankreich zu Wort kommen lassen, herzlichen Dank dafür! Zwar nicht die avancierteste Küche, berichtet er, aber jedenfalls nicht italienisch. Passt auch hervorragend in diese Tage, wo gerade Herr Westermann am Donaukanal im Sofitel sein Wirtshaus zur schönen Aussicht aufsperren lässt. Frankreich ist natürlich noch nicht Spanien, zugegeben, aber mit Monaco sind wir doch schon auf einem ganz guten Weg dorthin. Auf Berichte aus San Sebastian und Umgebung freuen wir uns weiterhin, gegessen wurde jedenfalls längst. Und erst Kopenhagen, was die Schmeck's-Kollegen da schwärmen! Wenn Sie's auch mal schreiben, erfahren Sie's umgehend. (fid)

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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Posting 1 bis 25 von 51
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Felix2892
00
11.1.2011, 16:40
Warum sich hier alle so über die Gänsestopfleber aufregen...

Esst's doch gar kein Fleisch, wenn ihr mit der Haltung unzufrieden seid. Ist doch eh eins wie's andere.

GiordanoB
00

Heißt das jetzt richtig Lui Kaus (Louis XV)?
Ich komm da immer durcheinander.

Ketchup
00
24.12.2011, 15:36
quinze

Siehe Leo:

http://dict.leo.org/frde?lp=f... str=0x8008

ich würds frei so lautmalen: "köööns", wobei das 'n' more or less untergeht :-)

Michael Pronay
 
00
28.12.2010, 10:12
Wie hat denn der inkludierte ...

... Wein geschmeckt? Was war's für einer (oder mehrere)?

Sowas sollte nicht verschwiegen werden.

ivoryhunters
04
15.12.2010, 13:26
klingt herrlich

mir ist dieses neumodische politisch korrekte - auf die schlanke linie ach so bedachte - kulinarik sowieso ein greuel.

hin und wieder ein opulentes mal mit herrlich unkorrekter gänseleber ist ein gunuss.

da muss ich hin.

Kernseife
45
15.12.2010, 07:58
huch, gänseleber!

also die gelegenheit lass ich mir nicht entgehen, da muss ich mich auch moralinsauer aufplustern. wenn der autor über hühnerschnitzel, leberkas, fleischlaberl geschwärmt hätte, wärs ja ok gewesen: die viecherln, die dafür dran glauben, haben zumindest ein leben ohne tageslicht hinter sich, sind sozusagen industrieprodukte, so lebendig wie cornflakes. das hat wenigstens konsquenz.
so eine ganslebergans aus frankreich hingegen hatte ein leben vor dem tode, durfte im freien herumwatscheln und im teich schwimmen, ja, wurde quasi wie ein lebewesen gehalten. wie man so was nur essen kann, werde ich nie verstehen. dass manchen die zwei drei wochen lebermast reichen, um sie als gequält genug für den menschlichen verzehr zu empfinden: pfui!

mens sana in corpore sano
03
15.12.2010, 14:02
dann wissen sie aber nicht,

wie stopfleber gemacht wird, oder? sonst würden sie nicht von einem weiher reden, an dem die glücklichen ganseln ihr leben leben dürfen...

die hängen mit dem schlund festgebunden an einem metallrohr, das ihnen bis in den magen geschoben wird und wo überproportional viel futter hineingequetscht wird, damit eine leberzirrhose entsteht. das ist dann eine delikatesse. mahlzeit.

ich brauch's nicht.

lepoldi
00
12.1.2011, 21:29

um ein gutes produkt zu erreichen kann ich ein tier nicht unnötig quälen . wenn sie der gans unnötig stress bereiten oder es verletzen so ist es ein wirtschaftlicher verlust . in meiner jugend haten wir selbst gänse und sie auch geschoppt . dazu wurden aus kartoffeln , schrot und schmalz ein teig bereitet der in kleine Kartoffelnudeln ähnliche stücke geteilt wurde . diese nudeln wurden in schmalz eingetunkt und den gänsen vorsichtig in den rachen geschoben . bei unseren großeltern wurde immer darauf geachtet , daß die tiere die mit uns lebten nicht gequält wurden . es hätte bei und nicht sein können , wie heute , daß die tiere in verdunkelten ställen mit wenig platz und ohne zuwendung nur aufgefüttert werden.

Kernseife
11
15.12.2010, 15:59
immer die selben lügen!

1. gehts nur für die letzten paar wochen in die mast, davor leben die ganseln im südwesten frankreichs AUSNAHMSLOS in freilandhaltung, mit teichzugang.

2. ist die von ihnen geschilderte methode in frankreich undenkbar, da dürfen sich die viecher bis zum schluß frei bewegen. das röhrl gibts.

3. leberzhirrose ist so ziemlich der größte schwachsinn. sie tun ja so, als ob ein gansl ein menscherl wär. hams an hund? sonst ein vermenscheltes schoßtier? dann wäre vieles klar. zur info: die leber der gänse sind als speicher angelegt, die zur energieversorgung fettgefressen werden können, zb vor dem zug in den süden. da könnens, wie bei der stopfung, um das 3-4fache anschwellen. aber, im unterschied zur zhirrotischen leber, sich auch rückbilden

Poldi Fesch
00
15.12.2010, 16:12
bei

2 hab ich so meine Zweifel

Kernseife
00
15.12.2010, 17:05

in dem sinn, dass sie nicht festgebunden sind. im freien herumtollen geht am schluss natürlich nicht mehr...

Poldi Fesch
00
15.12.2010, 17:55
ah

vastehe

Charles Milton Ling
04
15.12.2010, 02:41
Ach...

Brockat, Kanninchen.
Ich nehme den Autor nicht ernst.

schmecks
00
15.12.2010, 14:19

danke für den hinweis, hab ich überlesen, wird korrigiert
besten gruß,
fid

Cavaliere Huscher
01
15.12.2010, 17:08

Jetzt noch die "Okasion", dann simma wieder gut, ok? :D

werwolfi
00
15.12.2010, 20:20

wollte ich auch schon anmerken... gut gesehen :o)

Menschen gegen Menschen
20
15.12.2010, 01:24

Da kennt sich einer mit der französischen Hochesskultur nicht ganz aus, so scheint es beim Lesen des Textes.

Und: man muss dort nicht hingehen, wenn man es nicht versteht.

Rudi Lölein
85
14.12.2010, 22:28

stopfleber konsumieren ist schlicht und einfach ignorant. da hilfts auch nicht sich naiv zu stellen und das mäntelchen des dilettanten umzuhängen, um sich aus der verantwortung zu stehlen.

Keine Ahnung
58
14.12.2010, 22:45
da wird einmal über große Küche berichtet

und die Standardposter wissen nichts Besseres, als ihrem bornierten Kleinbürgermoralismus zu fröhnen.
Jedes Schwein, dass für einen österreichischen Billa-3-Euro-Schweinsbraten ihr Leben lassen musste, hat genauso gelitten, dafür wurde aus ihr aber nicht einmal etwas Erwähnenswertes.
Die Welt endet nicht in Brunn am Gebirge!

Menschen gegen Menschen
13
15.12.2010, 20:26

Das ist eben so bei uns und in D.. Kein Problem mit Massentierhaltung für billiges Fleisch für die Billigesser. Aber sofort die Dekadenzkeule und die Gänseleberneurose bei der Hand, wenn es um Frankreich und die französische Küche geht.

GiordanoB
00

Ja, natürlich! ^_^

Rudi Lölein
20
15.12.2010, 17:49

die ignoranz von tierquälerei der übelsten sorte wird sie allerdings auch nicht zum weltbürger werden lassen.

uni versalis
01
15.12.2010, 22:50
also was an einem schwein, das

sich sein ganzes leben lang nicht bewegen konnte und schließlich in Ihrer wurstsemmel landet, besser sein soll als stopfleber, erklären sie uns bitte mal, herr auskenner.
wenn sie sich über die stopfleber aufregen, dann seien sie wenigstens konsequent und hören sie auf mit ihrer politisch korrekten, aber überaus windschiefen heuchelei.

Keine Ahnung
10
15.12.2010, 13:28

"sein Leben" und "ihm" natürlich, da habe ich sicher gerade ans französische "la cochonne" gedacht ;-)

audrey187
65
14.12.2010, 21:57
schämen Sie sich...

stopfleber zu essen.
so etwas muss doch wirklich nicht sein.
widerlich finde ich das. wirklich.

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