Palästinensische Führung ersucht EU um Staatsanerkennung

13. Dezember 2010, 16:51

Schreiben an Ashton - Jerusalem als "Doppelhauptstadt" - Positive Reaktionen in Europa

Brüssel/Jerusalem - Die palästinensische Führung hat die Europäische Union um Anerkennung des palästinensischen Staates innerhalb der völkerrechtlichen Grenzen ersucht, die vor der 1967 erfolgten Okkupation des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch Israel bestanden haben. Ein entsprechendes Schreiben von Chefunterhändler Saeb Erekat an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, dessen Inhalt am Montag in Brüssel bekanntgegeben wurde, weist insbesondere auf jüngte Empfehlungen europäischer Missionschefs in Jerusalem hin. Die Stadt, deren besetzter arabischer Ostteil von den Palästinensern beansprucht wird, sollte als "Hauptstadt von zwei Staaten" anerkannt werden, heißt es in dem Dokument.

Schweden bereit für Anerkennung Palästinas

Schweden ist nach Angaben seines Außenministers Carl Bildt bereit, einen palästinensischen Staat anzuerkennen. Der Stand des Friedensprozesses im Nahen Osten sei "sehr beunruhigend", sagte Bildt am Montag beim Außenministertreffen der Europäischen Union in Brüssel. Sein Land sei gewillt, einen palästinensischen Staat anzuerkennen. "Wir wären froh, das zu tun, wenn die Bedingungen erfüllt sind", noch sei es aber nicht soweit. Eine zentrale Bedingung sei die Anerkennung Israels durch die Palästinenser. "Wir streben an, dass das passiert", sagte Bildt. Die EU müsse beim Aufbau eines Palästinenserstaates helfen, unterstrich der schwedische Außenminister.

Siedlungen "nicht tolerierbar"

Die EU-Außenminister dringen auf die Fortsetzung der blockierten Gespräche zwischen Palästinensern und Israelis. "Wie auch immer die Situation nun ist, wir müssen versuchen sicherzustellen, dass der Friedensprozess vorankommt", sagte der britische Außenminister William Hague. Europa sei enttäuscht, dass Israel einen Baustopp von Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten ablehne. Hague verwies auf die bedeutende Rolle der Amerikaner im Friedensprozess: "Auch weiterhin wird dafür die Führung der USA benötigt."

Österreichs Außenminister Michael Spindelegger hält die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten für "nicht tolerierbar", zeigt sich aber trotzdem zuversichtlich, die zerstrittenen Konfliktseiten "wieder zueinanderzubringen". Die EU habe nach dem Scheitern des amerikanischen Versuchs (eine Unterbrechung des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland zu erreichen) eine "sicher stärkere Rolle" erhalten, sagte Spindelegger.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sagte in Brüssel, das "Nahost-Quartett" (EU, USA, Russland, UNO) müsse sich weiterhin um Verhandlungen bemühen. "Denn das schlechteste Ergebnis wäre, wenn jetzt diese Friedensgespräche endgültig abgebrochen würden. Es geht darum, dass wir im Gespräch bleiben im Nahen Osten."

Logische Konsequenz

Eine europäische Staatsanerkennung wäre die logische Konsequenz des Schutzes des von der EU forcierten "Zwei-Staaten-Prinzips" und des Nahost-Friedensprozesses, so Erekat in seinem Brief. Zuletzt hatten die beiden größten Länder Lateinamerikas, Brasilien und Argentinien, als 103. bzw. 104 Land einen unabhängigen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 anerkannt, ein Schritt, den die israelische Regierung als "schädlich" verurteilt hat.

Der palästinensische Premierminister Salam Fayyad hatte eine Staatsausrufung für 2011 auch ohne vorherigen Friedensvertrag angekündigt. Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hatte für einen solchen Fall gedroht, dass Israel Teile des Westjordanlands annektieren und bestehende Friedensverträge "annullieren" könnte. Der sechzig Prozent der Fläche des Westjordanlandes umfassende sogenannte "Sektor C" steht ohnehin vollständig unter israelischer Militärkontrolle.

Der Palästinensische Nationalrat als Exilparlament hatte am 15. November 1988 in Algier den "Staat Palästina" auf dem Territorium des besetzten Westjordanlandes und des Gazastreifens proklamiert. Der damalige jordanische König Hussein hatte daraufhin die staatsrechtliche Ausgliederung der von Israel besetzten Territorien verfügt, um dem palästinensischen Selbstbestimmungsrecht Rechnung zu tragen. (APA)

Kommentar posten
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Siracusa
02
18.12.2010, 11:46
Und Saeb Erekat setzt die schöne pal. Tradition fort, mit unrealistischen Forderungen einen Lösungsansatz zu sabotieren... "Quite unfortunately, there are indications that the Palestinians may continue their unfortunate ..

..tendency never to miss an opportunity to miss an opportunity."

[...]

"It needs to be clear that even liberals like Akiva Eldar and me, who have been for a Palestinian state since long before the PLO and Israel ever talked to each other, have red lines that we will not cross. While we can understand the Palestinians’ need for recognition of their suffering and Israel’s partial responsibility for it, and the desire for some form of restitution, actual return of Palestinians in large numbers into Israel inside the 1967 borders is not an option we, like all Israelis, can live with."

http://www.haaretz.com/blogs/str... 7-1.330767

don7don
01
15.12.2010, 18:42
manche seiten im wiki entsprechen offenbar

nicht den (inhaltlichen) forenregeln:

h__p://en.wikipedia.org/wiki/Zuheir_Mohsen

Fritz Wunderlich
00
24.12.2010, 19:33

wieso sand, er hat doch nichts über die erfindung eines palästinensischen volkes geschrieben

(Ver)Walter
00
25.12.2010, 23:50

Richtig, die waren schon immer da.

Genauso wie die anderen...

Baer8
53
15.12.2010, 13:07
Israel sagt den Amerikanern was diese der EU zu sagen haben...

und unsere Flachbrustpolitiker gehen dann wie üblich sofort in die Knie.

duke box
09
14.12.2010, 20:09
Jerusalem als "Doppelhauptstadt"

diese entscheidung obliegt einzig und allein dem könig von jerusalem, also derzeit wohl otto von habsburg!

mane123
01
14.12.2010, 22:30

Das vernünftigste was ich bisher gelesen habe :D

Dark Angel
 
84
14.12.2010, 17:41
Hmm, spannend

104 Staaten haben Palästina also schon innerhalb der Grenzen von 1967 anerkannt. Wie viele müssen es noch werden bis sie die Mehrheit in der UN haben und Sanktionen gegen Israel fordern können?

mane123
08
14.12.2010, 21:55

Und welchen palästinensischen Staat gab es innerhalb der Grenzen von 1967?

Tower Hill
22
14.12.2010, 18:12
Wurscht wie viele.

Sanktionen darf nur der Sicherheitsrat beschließen.

Hubert Ungeist
 
00
15.12.2010, 17:53
Auch die Generalversammlung kann Sanktionen

beschließen. Nur ist das ncht bindend.

the barbapapa
20
16.12.2010, 12:54

Israel betrachtet UN-Beschlüsse sowieso als nicht bindend... Da stellt sich die Frage, wieso die Mitglied sind.

Fritz Wunderlich
00
24.12.2010, 19:34

ungv-beschlüsse sind nicht bindend

Tower Hill
11
16.12.2010, 05:21
Kann sie nicht.

Das GA kann Resolutionen beschließen, welche nicht bindend sind. Sanktionen können nur vom SC bshlossen werden.

Chapter VII, Art. 41:

"...The Security Council may decide what measures not involving the use of armed force are to be employed to give effect to its decisions, and it may call upon the Members of the United Nations to apply such measures. These may include complete or partial interruption of economic relations and of rail, sea, air, postal, telegraphic, radio, and other means of communication, and the severance of diplomatic relations..."

Hubert Ungeist
 
10
16.12.2010, 12:31
Die GA

kann per Resolution Sanktionen beschließen, die aber nichrt binden sind - habe ich ja eh geschrieben.

Im Sicherheitsrat sagt dann eh USA NO NO NO.

Tower Hill
00
16.12.2010, 16:30
Nein, Sie täuschen sich!

Das GA darf auch per Resolution keinerlei Sanktionen beschließen. Das obliegt nach der UN-Charta ausschließlich dem Sicherheitsrat.

lagrangian
00
16.12.2010, 14:27

die einsahme stimme der vernunft...

troob
00
17.12.2010, 18:11
Was hat das mit den Sahmen zu tun?

@lagrangian

;-)

lagrangian
00
18.12.2010, 12:18

Wenn der Finger auf dem touchdisplay zu schwer wird sind die Samen überall... ;-) (und das, ohne "h" war jetzt die automatische rechtschreibkontrolle...)

elisa banfi
25
14.12.2010, 16:07
ein bisserl geschichte

wiederholen, beginnend zum beispiel bei der balfour erklärung täte so manchem gut:
http://de.wikipedia.org/wiki/Balf... eklaration

Dark Angel
 
52
14.12.2010, 17:24
Sehr informativ

Wahnsinn, wie die Briten und Franzosen sich die Gebiete der Osmanischen Welayat untereinander aufteilten und dabei die Araber verrieten, die sie vorher zur Revolution gegen die Osmanen aufstachelten.
Die Fratze des Kolonialismus offenbart sich in der Ermutigung sowohl der Hashemiten als auch der Wahhabiten, die Vorherrschaft zu erringen, ganz treu nach dem Prinzip "Teile und Herrsche".

Austro-Spanier0
610
14.12.2010, 20:28
Sehr informativ

ihrem Kommentar nach zu schliessen, hatten sie von der Balfour Deklaration nicht einmal den leisesten Schimmer aber Typen wie sie muten sich zu in einem Nahost Forum diskutieren zu können. Dementsprechend der Schwachsinn ihrer Kommentare.

marlowe
 
20
15.12.2010, 13:00
blasser Schimmer...

...einerseits:
Nahum Goldmann - [Jüdischer Weltkongress...]
"Zwei Kriege waren nötig, um Israel zu gründen. Der erste, um England zur Proklamation der Balfour-Deklaration zu veranlassen...''

...andererseits:
was hat Engalnd 1917 [sic!] zur Balfour-Deklaration veranlasst....?

Austro-Spanier0
02
15.12.2010, 17:56
was hat Engalnd 1917 [sic!] zur Balfour-Deklaration veranlasst....?

http://de.wikipedia.org/wiki/Balf... klaration.
The declaration was made in a letter from Foreign Secretary Arthur James Balfour to Baron Rothschild (Walter Rothschild, 2nd Baron Rothschild), a leader of the British Jewish community, for transmission to the Zionist Federation of Great Britain and Ireland. The letter reflected the position of the British Cabinet, as agreed upon in a meeting on 31 October 1917. It further stated that the declaration is a sign of "sympathy with Jewish Zionist aspirations."

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