Montenegro wird offiziell Beitrittskandidat

13. Dezember 2010, 12:17

Außenminister beraten Szenarien zu Sudan - Enttäuschung über Nichtverlängerung von Israels Siedlungs-Moratorium

Brüssel  - Die EU-Außenminister werden bei ihrer Sitzung am Dienstag Montenegro erwartungsgemäß den offiziellen Kandidatenstatus für einen Beitritt zur Europäischen Union verleihen. Zuletzt wurde ein Konsens in dieser Frage erzielt, hieß es am Montag in Diplomatenkreisen in Brüssel. Auch im Entwurf für die Abschlusserklärung des EU-Gipfels am Donnerstag und Freitag ist eine Erwähnung Montenegros vorgesehen.

Ein Schwerpunkt der Beratungen der Außenminister wird am Montag die Lage im Sudan sein. In dem afrikanischen Land findet am 9. Jänner 2011 ein Referendum über die Unabhängigkeit des Südteils statt. Dabei würden mehrere Szenarien diskutiert, beispielsweise wenn bürgerkriegsähnliche Zustände ausbrechen. Dann müsste allerdings in erster Linie die UNO eingreifen und es stelle sich die Frage, was die EU beitragen würde. Eine europäische Beteiligung könne nicht ausgeschlossen werden, doch sei eine Diskussion über dieses Thema heute verfrüht, wurde betont. Derzeit gebe es aber enge Kontakte mit der Regierung in Khartum, die positiv verliefen, was die Anreize für eine künftige Nordsudan-Regierung betreffe. Dabei stehe auch die Möglichkeit einer Entschuldung im Raum.

Im Nahost-Konflikt sei die EU weiterhin um Versöhnung bemüht, aber angesichts der Nichtverlängerung des Moratoriums für einen israelischen Siedlungsbau eher skeptisch. Beraten werden die Außenminister auch die Situation in Gaza.

Ein Anliegen Österreichs und Italiens ist eine breitere Diskussion über die Christenverfolgung im Irak. Es sollte generell über die Verfolgung religiöser Minderheiten debattiert werden. Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) und sein italienischer Amtskollege Franco Frattini haben in diesem Zusammenhang einen Brief an die EU-Außenpolitikbeauftragte Catherine Ashton geschickt.

Zum Iran wird Ashton über die jüngsten Atomgespräche in Genf berichten. Die nächste Gesprächsrunde findet im Jänner in Istanbul statt.

Beschlossen wird auch die Europäische Bürgerinitiative. Das EU-Parlament wird ebenfalls kommende Woche mit seiner Annahme die Verordnung in Kraft setzen. Konkret geht es darum, dass mindestens eine Million Unterstützer für eine Petition auf EU-Ebene vorhanden sein muss, insgesamt ist die Beteiligung von mindestens sieben Staaten erforderlich, um den Prozess in Gang zu setzen, und die Unterzeichner müssen alle EU-Bürger sein. Anfang dieser Woche war bereits die erste von zwei NGOs gestartete Bürgerinitiative mit mehr als einer Million Unterschriften gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Lebensmitteln (GVO) in der EU an die Kommission übergeben worden. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) will gemeinsam mit den deutschen Sozialdemokraten ein EU-Volksbegehren für die Einführung einer europäischen Finanztransaktionssteuer starten. (APA)

Kommentar posten
22 Postings
fmi
00
Volksabstimmung!

Ich hoffe die EU kommt drauf, daß die Erweiterung viel zu schnell gegangen ist: die EU kann Niemanden mehr aufnehmen, da viele Probleme trotz ekzellenter Führung nicht gelöst sind.
In Ö hat uns der Faymann eine Abstimmung bei Änderungen versprochen, wir vergessen es nicht so schnell wie den Ederer 1000r.

stoiker
01
11.5.2011, 23:37

und irgendwie lässt mich das gefühl nicht los,dass es auch um eine eu-mitgliedschaft von israel und sudan geht..

stoiker
01
11.5.2011, 23:15

man könnte schon vor dem beitritt einen schutzschirm aufspannen.
das wäre wengst etwas neues.

Herbert Baierl
 
10
17.12.2010, 11:55
"religiöse Minderheiten"

"Ein Anliegen Österreichs und Italiens ist eine breitere Diskussion über die Christenverfolgung im Irak. Es sollte generell über die Verfolgung religiöser Minderheiten debattiert werden."

Vielleicht sollte man sich mehr um die religiösen Mehrheiten im Irak kümmern, denn die wurden schließlich von einer religiösen Minderheit überfallen.

OttotheBusdriver
02
17.12.2010, 08:37
Den Euro haben die ja schon

Jetzt wollen sie noch den Schutzschirm;-)

Kara Mustafa
 
02
15.12.2010, 20:05
Das einzige, was FÜR Montenegro spricht, ist:

die sind zu klein, um in der EU meßbaren Schaden anrichten zukönnen.

Aber dasselbe Argument gälte natürlich auch für Abchasien oder die Kapverden.

Vielleicht warten wir erst mal, bis die derzeitigen 27 Länder die EU in eine regierbare Demokratie umreformiert haben, anstatt ständig neue Länder aufzunehmen und für die dann noch mehr sinnlose Kommissarsposten zu schaffen.

Mathias
 
00
15.12.2010, 15:50
Montenegro wird offiziell Beitrittskandidat

Wieso nur ziert sich die EU bei den GUS-Staaten?

Kara Mustafa
 
00
15.12.2010, 20:06
An wen denken Sie da?

Tadschikistan vielleicht?

Exbeamter
04
15.12.2010, 12:21
Abstimmung über alle weiteren Beitrittsverhandlungen, so gehts nicht mehr weiter ihr eu volldeppen.

Stadtmeisterschaftsfünfter 1992
00
20.5.2011, 23:24

Na eh. Einem Haufen Stammtischsuderanten weit, weit weg die Entscheidung überlassen. Super!

d87
19
14.12.2010, 20:57
Was für eine Farce, diese EU.

Obwohl die Menschen im Westen die Schnauze voll haben von noch mehr geldverschlingenden Armen- und Problemhäusern in der EU, wird die EU fleissig und ohne Rücksicht auf die Wünsche der EU-Bürger auf Biegen und Brechen weiter erweitert. Was für eine dumme Politikerkaste die EU doch regiert. Sie werden's erst dann merken, dass sie die Lunte zum Pulverfass unwiderruflich angezündet haben, wenn der Rechtsextremismus und die Spannungen in den Bevölkerungen nicht mehr kontrollierbar sind. Auch diese "Bürgerinitiative" ist ein Witz. Mit einer Initiative im Sinne einer Volksabstimmung, wie man sie in Kalifornien und der Schweiz kennt, hat das gar nichts zu tun. Das ist nichts weiter als eine Form der Petition, rein zu Propagandazwecken.

Mirstetta Toni
00
15.12.2010, 12:42

wobei farce noch ein hilfsausdruck ist.

tomato tirol
00
14.12.2010, 11:38
und russland?

es sind doch ohnehin fast 50% russen in montenegro (im somer natürlich mehr)

Wolfgang Keim
02
13.12.2010, 22:26
kämpfen gegen junk-production

gegen naive teddy-bear-Politiker
die als Stütze vertrottelte Forschungsinstitute
verwenden - Die Unterwürfigkeit und die Verdummungsprozesse durch Täuschung - Scheinwelt und Masquerade

Galaga Tralala
03
13.12.2010, 15:52
den euro haben die ja schoon eingeführt

mitrovic dejan
10
13.12.2010, 17:38

Und zwa ohne zu fragen
diese rotzbubeben :)

cannery row
01
13.12.2010, 14:53
naja, zum glück..

und in anbetracht der grösse des landes kann das ja nur ein schirmchen werden.

Karl Heiden1
01
13.12.2010, 20:50
... vor allem ein Schirmchen für all diejenigen, die sich dort - ganz offiziell - die Staatsbürgerschaft gekauft haben: Die werden dann automatisch EU-Bürger.

Igor Gassner
01
13.12.2010, 16:49
Na wenigstens werden die Zigretten billiger

Naphtali
23
13.12.2010, 14:40

Neeeeiiiinnnn!

Hat denn die EU aus dem bisherigen Erweiterungsdesaster nichts gelernt?

Wir brauchen weder irgendwelche Schwellenländer aus dem Balkan in der EU noch irgendwelche kleinasiatischen Länder.

Amnael
 
00
13.12.2010, 18:15
Erweiterungs-Desaster?

könntest du ein bisschen weiter darauf eingehen?

FatFaceRicky
05
13.12.2010, 17:54

Von der geographischen Lage ist das Land durchaus geeigent, der EU beizutreten.

Aber um nicht den gleichen Fehler wie mit Bulgarien zu begehen, sollte der Beitrittsprozess wesenstlich restriktiver gehandhabt werden. Dieses Land hat aufgrund der Korruptionssituation und der Clan-Strukturen, die sich das ganze Land unter den Nagel reissen, noch einen sehr weiten Weg vor sich. Oder sollte es zumindest haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.