Mutmaßlicher Attentäter soll in den vergangenen Jahren in Luton gelebt und studiert haben - Staatsanwalt bestätigt zu "98 Prozent" Identität des Stockholm-Attentäters
Stockholm - Der mutmaßliche Selbstmordattentäter von Stockholm könnte Experten zufolge im Auftrag des irakischen Arms des Terrornetzwerks Al-Kaida gehandelt haben. In seinem Testament habe sich Taimur (Taymour) Abdel Wahab auf Terrordrohungen des irakischen Al-Kaida-Ablegers "Islamischer Staat Irak gegen Schweden" bezogen, behauptet das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE am Montag.
Wahab soll britischen Medienberichten zufolge im Jahr 1992 von Bagdad nach Schweden gekommen sein und zuletzt in Großbritannien studiert haben. Die britische Polizei untersuchte im Zusammenhang mit dem Stockholmer Anschlag am späten Sonntagabend ein Haus in der Grafschaft Bedfordshire nördlich von London. Laut dem Schwedischen Rundfunk wird auch vermutet, dass Wahab Kontakte zu den Attentätern der Londoner U-Bahn-Anschläge vom 7. Juli 2005 gehabt hat. Als Anhaltspunkt gilt Wahabs vermutete Nähe zu einer Art Terrorzelle in Luton, dem Hauptort von Bedfordshire.
Der im Mai von US-Soldaten getötete irakische Al-Kaida-Anführer Abu Omar al-Baghdadi hatte im September 2007 angekündigt, wegen der Veröffentlichung einer Skizze des Propheten Mohammed als Hund durch den schwedischen Künstler Lars Vilks Rache an Schweden üben zu wollen. Al-Baghdadi rief zu Anschlägen gegen schwedische Unternehmen wie Ericsson, Ikea und Volvo auf und bot ein Kopfgeld für die Tötung von Vilks an.
Staatsanwalt bestätigt de facto Identität des Stockholm-Attentäters
Die schwedische Staatsanwaltschaft hat am Montag die von mehreren Medien bereits im Laufe des Sonntag verbreitete Identität des mutmaßlichen Selbstmordattentäters von Stockholm mit weitgehender Sicherheit bestätigt. Zu "98 Prozent" sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Täter um den 28-jährigen Taimur Abdel Wahab handelte, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Tomas Lindstrand am Montag in Stockholm.
Inoffiziellen Informationen zufolge stammt Wahab ursprünglich aus dem Irak. 1992 soll er von Bagdad nach Schweden übersiedelt sein, bevor er 2001 zum Studium nach England gegangen sei. In der Stadt Luton habe er angeblich in den selben Kreisen verkehrt, wie die Attentäter auf die Londoner U-Bahn Anfang Juli 2005.
Am Samstag hatten sich in der Stockholmer Innenstadt zwei Explosionen ereignet, bei denen zwei Menschen leicht verletzt wurden. Der mutmaßliche Attentäter kam dabei ums Leben. Lindstrand sagte weiters, das Attentat sei offenbar "gut vorbereitet" gewesen. Deshalb gehe man von Helfern bei der Vorbereitung aus.
Es gebe aber bisher keine konkret Verdächtigen. Es gebe Vermutungen, dass der Täter auf dem Weg zum Stockholmer Hauptbahnhof oder in ein bekanntes Kaufhaus gewesen sei, als eine Rohrbombe an seinem Körper wahrscheinlich versehentlich explodierte. Der Tote habe einen Bombengürtel getragen, weitere Bomben im Rücksack und etwas, das wie ein Druckkochtopf aussah. "Er war mit Bombenmaterial wahrlich gut ausgerüstet", so der Staatsanwalt.
Lindstrand bestätigte auch, dass das kurz vor der Zündung der Bomben am Samstag bei der schwedischen Nachrichtenagentur TT und bei der Sicherheitspolizei (SÄPO) eingegangene Droh-Email von Wahabs Handy aus gesendet wurde.
Muslime demonstrieren gegen Anschlag
Bei einer von Muslimen organisierten Demonstration
gegen den Terroranschlag in Stockholm sind am Sonntagabend rund 100 Menschen auf
die Straße gegangen. "Wir fühlten uns verantwortlich dafür, den Anschlag scharf
zu verurteilen", sagte Samaa Sarsour, eine der Organisatorinnen. "Aber es wäre
naiv zu glauben, dass die gestrigen Ereignisse keine negativen Auswirkungen auf
die Wahrnehmung von Muslimen in Schweden haben werden." Medienberichten zufolge
deutet ein Bekennerschreiben auf einen islamistischen Hintergrund des Anschlags
vom Samstag hin.
In der Stockholmer Innenstadt explodierte zunächst ein Auto, kurz darauf kam
ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter bei einer weiteren Detonation in der Nähe
ums Leben. Zwei Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der schwedischen
Nachrichtenagentur TT ging dort kurz vor dem Anschlag eine E-Mail ein, in der
auf den Künstler Lars Vilk Bezug genommen wird, der den muslimischen Propheten
Mohammed als Hund gezeichnet hat. Außerdem ist vom Einsatz schwedischer Soldaten
in Afghanistan die Rede. (APA/dapd)