Dass die Verhandlungen weitergehen, ist für Greenpeace-Klimaexperte Bernhard Obermayr das wichtigste Ergebnis des Gipfels in Cancún
Das Klima selbst sei damit noch lange nicht gerettet, sagte er im Gespräch mit Julia Raabe.
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STANDARD: Sehen Sie das Ergebnis von Cancún als einen Erfolg?
Obermayr: Die Klimaverhandlungen haben gerade noch die Kurve gekratzt - das Klima nicht. Es ist politisch ein Erfolg, dass man sich unter Einschluss aller Länder darauf geeinigt hat, die Verhandlungen konstruktiv fortzusetzen. In der Sache selbst hat man in Cancún nichts erreicht. Es ist keine einzige Tonne CO2 eingespart - und noch ist unklar, wie das in Zukunft geschehen soll.
STANDARD: Beschlossen wurden etwa ein Hilfsfonds für die armen Länder und besserer Waldschutz - das ist doch etwas Inhaltliches.
Obermayr: Das ist im Prinzip alles strukturell. Man hat die Elemente festgelegt, wie ein zukünftiger Waldschutz aussehen kann - aber man hat noch nichts beschlossen. Man hat einen Fonds gegründet und ist in der Frage weitergekommen, wie der gestaltet werden soll - aber es hat noch keiner auch nur einen Cent hineingegeben. Das ist symptomatisch für das Ergebnis von Cancún: Es gibt eine gewisse Absicht, aber in der Sache nichts.
STANDARD: Sind die Chancen auf Fortschritte hin zu einem neuen Abkommen mit Cancún gestiegen?
Obermayr: Ein bisschen, durch das konziliante Auftreten der großen Länder des Südens. Klar ist nun: Die echten Probleme gibt es mit den Industrieländern, allen voran die USA, aber jetzt haben sich auch Japan, Russland, Kanada auf die negative Seite geschlagen.
STANDARD: Und die EU?
Obermayr: Die ist saft- und kraftlos in dem Prozess. Am letzten Tag der Cancún-Verhandlungen wurde in Brüssel beschlossen, die Kohlesubventionen um Jahre zu verlängern. Man steckt also wieder Geld in eine Technologie des 19. Jahrhunderts aufgrund der Interessen von Mitgliedsländern, hier Deutschlands. Damit hat man keine Glaubwürdigkeit.
STANDARD: Wie bewerten Sie Österreich bei den Verhandlungen?
Obermayr: Erbärmlich. Was man mitbekam, war der Wutausbruch des Ministers - aber nicht über ein schlechtes Ergebnis oder die verheerende österreichische Klimabilanz, sondern wegen seiner persönlichen Befindlichkeit am Pariser Flughafen. Auch das ist symptomatisch. Österreich hat sich bei einem Thema hinausgelehnt, das ist die Anrechnung von Wald als (CO2-)Senke - und verhindert seit Jahren, dass da etwas weitergeht. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2010)