Die internationale Gemeinschaft hat sich auf Eckpunkte im Kampf gegen den Klimawandel verständigt
Jetzt hoffen viele auf den nächsten Gipfel in Südafrika 2011.
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Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon stieg um kurz nach drei Uhr morgens am Samstag in Cancún doch noch weißer Rauch auf: Die Delegierten aus 194 Ländern hatten sich auf einen Minimalkonsens verständigt, um den internationalen Klimaprozess weiterhin am Leben zu erhalten.
Das per Konsens verabschiedete und im Plenum mit viel Applaus begrüßte Rahmenpaket schreibt die unverbindlichen Vereinbarungen vom Gipfel in Kopenhagen 2009 verbindlich fest, darunter die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf unter zwei Grad Celsius.
Außerdem wird bis 2020 ein Fonds von 100 Milliarden Dollar jährlich eingerichtet, aus dem die Entwicklungsländer Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel finanzieren. Es wurde ein Mechanismus namens REDD+ geschaffen, um die Wälder vor Abholzung zu bewahren und die Aufforstung zu unterstützen, da die Wälder einer der wichtigsten Ausgleichsmechanismen zur Vermeidung des Treibhauseffektes sind. Ihre Abholzung trägt mit 20 Prozent zum Treibhauseffekt bei.
Die Zukunft von Kioto
Die besonders heikle Frage, ob die für die Industriestaaten völkerrechtlich verbindlichen Emissionssenkungen auch nach Auslaufen des Kioto-Protokolls 2012 fortgesetzt werden, wurde jedoch auf kommendes Jahr, auf den Gipfel 2011 im südafrikanischen Durban vertagt. Japan, Kanada und Russland hatten sich in Cancún geweigert, Kioto fortzusetzen, solange nicht auch die größten Verschmutzerländer USA und China sich auf Emissionsbegrenzungen verpflichten. Deren freiwillige Verpflichtungen werden nun - so wie die der Entwicklungsländer - von der Uno "offiziell anerkannt", und sie müssen ihre Anstrengungen jährlich dokumentieren (Entwicklungsländer alle zwei Jahre).
Die EU-Klimaschutz-Kommissarin Connie Hedegaard begrüßte das Ergebnis als "ausgewogen und substanziell", warnte aber auch, die zwei Wochen in Cancún hätten erneut gezeigt, wie schwierig der Prozess ist.
"Dies ist nicht das Ende, aber ein neuer Anfang, der Glaube in den multilateralen Klimaprozess ist wieder aufgelebt", resümierte UN-Klimachefin Christiana Figueres. "Die Regierungen haben ein klares Signal gegeben, dass sie sich gemeinsam und in gegenseitiger Verantwortung um eine Reduzierung der Treibhausgase bemühen."
"Glitzer-Weihnachtspaket"
Umweltschützer und Nicht-Regierungs-Organisationen begrüßten das Abkommen ebenfalls - kritisierten aber die Details als vage. "Viele Knoten hin zu einem globalen Klimaabkommen sind noch ungelöst", warnte etwa Poul Erik Lauridsen von Care. "Der Klimafonds ist ein glitzerndes Weihnachtspaket - leider ist noch nichts drin." Beim Thema Waldschutz wurde die umstrittenste Frage der Finanzierung auf 2011 verschoben. Auch erhalte der Text schwächere Sicherheiten für indigene Völker als erhofft.
Bolivien stimmte dem Paket unter Vorbehalten zu, da das Abkommen zu lasch sei und Punkte wie das von Präsident Evo Morales geforderte Klimatribunal keinen Anklang fanden.
Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich wertete den Ausgang des Gipfels als "Zeichen der Hoffnung und Zuversicht". SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr erklärte dagegen: "Der globale Intelligenztest ist gescheitert." Noch immer fehlten verbindliche Ziele für eine Reduktion der Treibhausgase. Grünen-Chefin Eva Glawischnig forderte, sich 2011 auf einen neuen Klimavertrag zu einigen. "Uns läuft die Zeit davon." (Sandra Weiss aus Cancún/DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2010)