Kulturhauptstädte

"Ruhr.2010" meldet Rekord: 10,5 Millionen Besucher

12. Dezember 2010, 18:04

Linz dient als mahnendes Beispiel, wo 2009 lediglich neun Prozent mehr Nächtigungen verbucht wurden

Essen/Linz - Das offizielle Finale der Kulturhauptstadt "Essen für das Ruhrgebiet" findet zwar erst am 18. Dezember auf einer stillgelegten Zeche in Gelsenkirchen statt. Bilanz gezogen hat man aber bereits jetzt. Und diese fällt äußerst positiv aus: 10,5 Millionen Besucher bedeuten einen Kulturhauptstadt-Rekord. Die Zahl der Touristen stieg im Ruhrgebiet, dem drittgrößten Ballungsraum in der EU, um 13,4 Prozent (in Essen sogar um 30), jene der ausländischen Gäste um 18,1 Prozent.

Linz verbuchte 2009 lediglich neun Prozent mehr Nächtigungen. Und gezählt wurden nur 3,4 Millionen Besucher. Die beiden Kulturhauptstädte können aber nicht wirklich miteinander verglichen werden, auch wenn Linz wie Essen Industriezentren sind, die sich neu positionieren wollten: Ruhr.2010 ist ein Zusammenschluss von insgesamt 53 Städten.

Die Idee, dem "Revier" ein neues Selbstbewusstsein zu geben, dürfte trotz "Kirchturmdenkens" in Ansätzen aufgegangen sein. "Wir haben uns auf der Landkarte Europas neu positioniert", stellte Fritz Pleitgen, der Vorsitzende der Ruhr.2010-GmbH, zufrieden fest. Dafür spreche nicht nur das gewaltige Medienecho: Ruhr.2010 wurde als "Kulturmarke des Jahres" ausgezeichnet.

Die Politik habe jetzt die einmalige Chance, das gewandelte Bewusstsein für langfristige Veränderungen und Wirkungen zu nutzen, meint Geschäftsführer Oliver Scheytt, der Erfinder und Motor der "polyzentrischen Metropole". Es geht also um Nachhaltigkeit: In ihrer "Charta Ruhr" fordern Scheytt und Pleitgen eine Dachmarkenstrategie und die Umsetzung einer "Ereignisdramaturgie", die bereits bis 2020 entwickelt wurde. Sie besteht aus 33 Projekten, die als geeignet definiert wurden, und einigen neuen Ideen. Dafür braucht es aber Geld. Es ist von 2,4 Millionen Euro pro Jahr die Rede, die Politik denkt nun nach.

Ein ähnliches Nachhaltigkeitskonzept hatten die Kulturhauptstadtmacher von Graz 2003 vorgeschlagen - leider ohne Erfolg. Den "Ruhris" dient aber Linz als mahnendes Beispiel: Die Einbußen beim Tourismus betrügen heuer 15 Prozent. Und die Besucherzahlen sind katastrophal: Im Lentos wurden heuer nur 40.300 Eintritte gezählt, 2009 waren es 107.000, 2008 immerhin 70.700. In der Landesgalerie zählte man bis Ende Oktober 23.500 Besucher, im Vorjahr kam man auf 86.000. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 13.12.2010)

Info

In der Reihe "Jour fixe", moderiert von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, diskutieren heute, Montag, um 19 Uhr im Lentos Christine Schöpf, Stella Rollig, Peter Androsch, Ulrich Fuchs, Julius Stieber und Erich Watzl über "Ein Jahr nach Linz09".

  • Vom schwierigen Umgang mit der Historie [2]

    Titelbild "Nemci in Maribor": Ein Schlüsselprojekt der Kulturhauptstadt widmet sich seiner ehemals deutschsprachigen Bevölkerung und ist ein wichtiges Symbol einer lokalen Vergangenheitsbewältigung

  • "Wendepunkt"

    Die Suche nach der Kulturhauptstadt [16]

    TitelbildMaribor, zusammen mit Guimaraes Kulturhauptstadt Europas, protzte nicht: Das Eröffnungswochenende fiel eher bescheiden aus

  • Kulturappell auf Ausländisch [1]

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  • Mehr Licht!

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  • Reihenfolge

    Kulturhauptstädte 1985 bis 2016

    Die Länderreihenfolge ist bereits bis 2019 festgelegt

David-Lauritz
00
13.12.2010, 23:09
WIRTSCHAFTSKRISE

Linz fiel zeitlich in die Wirtschaftskrise, in der der Tourismus weltweit zurückging. Gleiches gilt nicht für 2010.

keep cool1
 
01
13.12.2010, 19:02
Linz war kein Hammer, aber im Vergleich zum Essener Potential weit besser!

Die Metropolregion Rhein-Ruhr mit
7.000 km² und 10 Mio. Einwohner (Vergleich Ö 84.000 km² mit 8,4 Mio Einwohner)
Nord-Süd-Ausdehnung: nur 126 km
West-Ost-Ausdehnung: nur 121 km
ist mit Abstand die bevölkerungsreichste und dichtesten besiedelte Metropolregion der BRD. Allein in den 20 größten Städten der Region von Köln mit 1,0 Mio bis Remscheid mit "nur" 111.000 Einwohner wohnen 6,5 Mio auf einer Fläche von nur 3.200 km², in Oberösterreich nur 1,4 Mio auf 12.000 km². So gesehen sind 3,4 Mio Besucher in Linz oder 32,4 % im Vergleich der 10,5 Mio in Essen gemessen am hohen Einwohner-Potential der Region Rhein-Ruhr hervorragend, weil hoch gerechnet Essen fast 16 Mio erreichen müsste!
Nachhaltigen Erfolg müssen die "Ruhris" erst beweisen!

a_kep
 
01
13.12.2010, 17:59
Äpfel mit Birnen vergleichen

Die hier präsentierten Nächtigungszahlen sind wohl eher gewürfelt statt recherchiert worden.

Außerdem gab es wohl bisher noch keine Kulturhauptstadt wo im Folgejahr die Nächtigungszahlen nicht wieder zurückgingen.

Das der Ruhrpott fast 5,2 Mio Einwohner hat, das Bundesland NRW 17.9 Mio sollte wohl auch bedacht werden wenn man die Besucherzahlen mit Linz (189.000 EW) und OÖ (1,4 Mio) vergleicht.

Da hat jemand seine Hausübung nicht gemacht und wollte lieber einen reisserischen Artikel schreiben.

Tschikist
00
16.12.2010, 09:23
Ja, das stimmt!

Wurde gewürfelt, war dabei

der feuerrote frederik
00
13.12.2010, 12:05
Das inhaltliche Versagen von Linz09...

...ist halt auch der provonziellen Kulturpolitik und dem begrenztem Kunstverständnis der dortigen SPÖ und auch ÖVP zuzuschreiben. In Linz wird "Nachhaltigkeit" ja bekanntlich mit Bettenanzahl in Hotels und Hektolitern Beton in Kulturbauten verwechselt. Schade, dass einem Jahr nach der Kulturhauptstadt davon nur noch so wenig zu bemerken ist und es keine langfristige Verbesserung für die Linzer Kunstproduktion ergeben hat.

Der oö Landeshauptmann zensierte heuer übrigens persönlich den überregional bekannten oö "Innovationstopf", weil die Projekte plötzlich zu "politisch" waren. Und als Strafe wird der Innovationstopf jetzt nur mehr alle zwei Jahre ausgeschrieben.

Raupe Rosenblatt
01
12.12.2010, 22:07
Touristen schon...

...aber Einheimische?
Abgesehen von der Aktion "Jedem Kind ein Instrument" ist kaum Nachhaltiges passiert.

Und gestern hat WDR2 gemeldet, dass jeder vierte an der Kulturhauptstadt Mitarbeitende ein Minijobber war, d.h. befristet für < 400 EUR/Monat gearbeitet hat.
Nichts Neues also an der Front des Kulturprekariats.

Ausgeflippter Lodenfreak
02
12.12.2010, 20:28

Und es hat nur ein paar Tode bei der Love-Parade gekostet. Das sollte man nie vergessen, der Bürgermeister der nicht zurücktreten will, schafft das auch deshalb, da hinter ihm eine Menge noch mächtigere Politiker standen, die wegen Ruhr.2010 die Love-Parade unter allen Umständen haben wollten.

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