Der Cyber-Krieg gegen WikiLeaks - ein Anschlag auf die Medienfreiheit

12. Dezember 2010, 15:18

Wo die Freiheit angegriffen wird, muss sie verteidigt werden

Die Regierungen der Welt versus WikiLeaks – das ist die Aufstellung im ersten Cyber-War. Und das Auffälligste daran ist: Praktisch alle Politiker, aber auch ganz viele liberale Journalisten und sehr viele normale Bürger finden, dass Wikileaks irgendwie zu weit geht. Dass das nicht mehr nur „investigativer Journalismus“ sei, sondern den Staat selbst funktionsuntüchtig machen würde. Dass das, was Wikileaks macht, vom Recht auf Medien- und Informationsfreiheit nicht gedeckt sei. Dass die massive Verfolgung der Wikileaks-Leute doch irgendwie gerechtfertigt sei. Aber lässt sich das wirklich begründen? Nein, wie man die Dinge auch dreht und wendet: Wikileaks tut substantiell nicht so viel was anders als andere investigativ arbeitende Medien. Warum soll dann aber ihre Tätigkeit nicht von der Informationsfreiheit gedeckt sein? Und selbst wenn man Vorbehalte gegenüber Wikileaks haben und Julian Assange für eine etwas sonderliche Figur halten mag: Wie hier von einer Supermacht mit Hilfe von globalen Quasi-Monopolfirmen gegen eine kleine NGO geschossen wird, die vor ein paar Monaten noch nicht mehr als fünf Full-Time-Mitarbeiter hatte, ist völlig unverhältnismäßig. Wenn man sich hier nicht klar auf die Seite der Freiheit stellt, braucht man sich nicht wundern, was nachkommt: der schreckliche US-Senator Joe Lieberman fordert prompt schon ein Verfahren gegen die New York Times.

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Dieses cable

zeigt wieder die notwendigkeit der abschaffung von unterdrückung, diktatur u. sippenhaftung.

Ein alternder Zahnarzt, der sich gegenüber einem Boulevardblatt besorgt darüber zeigt, dass der Guardian seinen vollen Namen gedruckt hat, nennst du massiven kollateralen Schaden?

WL hat nicht das Ziel die Demokratie zu demontieren, sondern die Demokratie wieder zu beleben. Alle diese Diplomaten arbeiten doch im Prinzip im Auftrag des Volkes, nur hat sich bisher dieses Volk nur durch seine Rechtsvertreter dieser Informationen bedient. Und verstehen Sie mich nicht falsch, selbst bei allen Wünschen zur direkten Demokratie, eine derartige Sintflut an Information kann niemand bewältigen der auch noch was anderes wie Politik machen will. Aber diese zu veröffentlichen, erlaubt es jedem Interessierten, sich eine Meinung zu bilden, und diese auch für andere zu veröffentlichen. Insofern erlaubt es den Menschen, sich seine Informationsquellen viel freier zu wählen, und man kann diese gegeneinander abwägen.

Ob durch Rühren in der Sch... die Demokratie belebt wird, wage ich zu bezweifeln.

Empfehlung!

Werte Hr. Misik!

Bitte, bitte ... gehns endlich zum Friseur!

Und zum Thema Wikileaks - bzw. zu Misiks Erörterung

fällt Ihnen absolut NICHTS ein - Mr. Anti(-alles)?

besser unfrisierte nachdenklichkeit als frisierte ignoranz.

Misik wird in letzter Zeit immer besser

also ich stimm meist nicht so ganz mit misik überein - seine weltanschauung unterscheidet sich von meiner teilweise beträchtlich

aber in diesem fall - ich hätt's nicht besser in worte fassen können

thx, herr misik!

"Lokale Leaks...

...bitte bei Florian Klenk abgeben."

nun ist es also gelungen, wikileaks als "opfer eines cyber-kriegs" zu etablieren .. das würde ich so echt nicht sehen ..
und kommentare, die wikileaks ganz toll finden gelten generell als brilliant und ach so superkritisch ..

was mich nervt:
dass so viele menschen wl völlig unreflektiert super toll finden,
dass fragen nach dem hintergrund und abwägendere aussagen generell als bashing dargestellt werden - und in wahrheit ihrerseits "gebasht" werden,
dass es scheinbar kaum raum gibt zwischen kro.z. berichten und geradezu blauäugigem wl-fantum,
das getue um das "neue idol" assange,
und überhaupt fehlt mir eine unaufgeregte und differenzierte debatte rund um das thema!
(schade, dass misik nach seinem falterbeitrag hier "einschwenkt")

Das mit dem Falter-Beitrag ist wirklich interessant. Der geht von der Tendenz her nämlich - so wie ich ihn gelesen und in Erinnerung behalten habe - in eine etwas andere Richtung.

Offenbar hat Herr Misik selbst ein bisschen gebraucht um sich seine Meinung zu bilden. Dann sollte er aber hier auch nicht so tun als wäre alles total klar und supereinfach in richtig und falsch zu unterteilen.

Haben sie sich Misiks Beitrag wirklich angesehen -

ihr posting liest sicher irgendwie nicht wirklich so.

ja dann wäg halt mal ab, auf gehts:

ein kleiner ausschnitt möglicher themen:
*wer steht hinter wl? wer sind die größeren spender?
*welche ideologie steht hinter wl?
*wie ist das mit der macht von wl? entsteht ein neues machtzentrum?
*wie sieht es mit "konkurrenten" von wl? steht uns ein wettbewerb von enthüllungsplattformen bevor?
*wie schützt man die gesellschaft vor fehlinformationen?
*wenn es "gut" ist, sämtliches vertrauliche inhalte von staaten zu veröffentlichen - ist das auch gut in bezug auf (groß)unternehmen
*wie wirkt das auf machtbalance - chancen/gefahren
*wem schaden/nützen veröffentlichungen ..
*wie wird die öffentliche stimmung beeinflußt durch die auswahl dessen, was (nicht) veröffentlicht wird
*wird restriktiv in bezug auf internet reagiert .....
etc.etc.

Alle diese Fragen

wären relevant, bewertete Wikileaks die zur Veröffentlichung gebrachten Infos. Genau das überlassen sie aber wohlweislich renommierten Medien.
Ansonsten wär noch zu bemerken, dass man nur veröffentlichen kann, was man an Infos erhalten hat und dass da schon gewollte Einflussnahme dabei sein kann, aber Wikileaks ist ja nicht die einzige Plattform, die Information anbietet.
Und last not least, "restriktiv in bezug auf internet reagiert" ist eine trügerische Hoffnung. Inzwischen ist das Netz um Welten stärker als seine Entwickler.
Das schüttelt Restriktionen ab wie nix.

für die beantwortung der fragen ist der raum hier wohl etwas zu klein. also wieso unterstellen sie den gegenüber wikileaks positiv postenden, dass sie sich darüber keine gedanken machen?
wenn sie argumente gegen wikileaks haben, können sie das hier (oder woanders) posten. aber ihr pseudo-hinterfragen ist doch auch nichts anderes als verallgemeinertes gebashe.
unreflektierte mensche gibt es da wie dort.

Wie schützt

man die gesellschaft vor sich verselbstständigenden wirtschaftspolitischen staats- u. wirtschaftsmachtapparaten?
Eine weitgehend transparente staats- u. wirtschaftsführung wäre hilfreich!

sie stecken ihren kopf zu oft in den griessbrei,

klar, dass ihre augen, ohren, nase mit dem schmarrn verpickt sind, warum posten sie nicht in ihrer geliebten kronenzeitung, da finden sie viel mehr gleichgesinnte, aber keinen misik,
dafür haben sie die überwutzelten trost und den jeanne, alles supertypen, da würden sie genau hinpassen, vergessen sie beim nächstemal nicht ihren kopf zu heben, wenn sie wieder im grissbrei stecken, schöen abend noch

und da geht der misik ja eh zum teil darauf ein - aber kannst dir ja auch selber was denken und dann versuchen ein argument zu formulieren.

und die fragen hast nur in bezug auf wikileaks?

diese fragen muss man sich zu jedem medium stellen.

wikileaks ist teil der freien presse, wird aber von verschiedensten stellen angegriffen, und das ist ein angriff auf die pressefreiheit.

nein, die fragen gelten selbstverständlich generell für medien .. aber da wl ein in dieser breite relativ neues phänomen ist, stellen sich im moment hier die fragen besonders ..
(eine weitere frage wäre auch die zusammenarbeit mit "traditionellen" medien - hätte wl ansonsten je diese breitenwirkung?)

die "angriffe" auf wl gefallen mir auch nicht! allerdings sehe ich wl nicht als armes, wehrloses "opfer", das plötzlich "überfallen" wird

Sorgen Sie sich nicht, nicht Wikileaks

ist wehrlos, die Gegner sind es. :-)
Das bringt sie ja so auf. Ohnmacht ist einfach unangenehm.

Bei der Zusammenarbeit mit traditionellen Printmedien denke ich, dass es ein eher positives Licht auf WL geworfen hat, da durch die Berichterstattung zeitgleich mit der gestaffelten Veröffentlichung der Dokumente selbst die Diskussion mehr auf die Inhalte gelenkt wurde und weniger auf die Veröffentlichung selbst.

Als Gegenextrembeispiel hätte WL alle 250.000 Dokumente auf einen Schlag veröffentlichen können. Alle Politiker hätten einen Herzkasperl bekommen und nur mehr geschimpft (nicht dass sie das jetzt nicht auch täten), und bis traditionelle Medien das verdaut hätten und bereit zur Berichterstattung sind, würde sich vermutlich keiner mehr Gedanken darüber machen...

Mich würde ja interessieren

wie hier alle reagieren werden, wenn in 5 Jahren die Daten der Transparenzdatenbank auf WikiLeaks veröffentlich werden.

Weil in diese Richtung wird es mit ziemlicher Sicherheit gehen.

Es geht doch

anscheinend um's streben naich staatstransparenz Für die bürger, die souveräne.

deswegen

stellt sich ja die Frage warum die Transparenzdatenbank geheim sein soll. Wo ist da der Unterschied zu Botschaftsprotokollen?

bleiben sie auf ihrer insel

Also sie haben wirklich auf jedes Argument, das ihrer Meinung zuwiderläuft ein sachliches Gegenargument.

Gratuliere!

in die pendeluhr werde ich mich verkriechen,

die foren eröffnen dem bürger eine neue avenue um gegen die geheimnisskrämerei anzutreten,
glauben sie nicht, dass es an der zeit ist, solche geheimnisse aufzudecken, wie zb. die helikopter die leute gnadenlos ermordet haben? was sollen diese lächerlichen emails der amis an den pentagon? wir bekommen sehr viel sand durch gezielte aktionen in die augen gestreut, wir brauchen nicht soviele geheimnisse, zb die eurofighter, warum wurden diese verträge verschwiegen? wozu? soetwas ist doch irre, aber wenn sich genug schafe finden, soll es trotzdem nicht sein, wir wurden 600jahre von den habsburgern unterdrückt, deshalb haben wir diese buckerlmentalität

sie werden vermutlich nicht von wikileaks veröffentlicht, aber die kann man ja sowieso irgendwo ins internet stellen. aus uk gibts schon einige beispiele wo solche öffentlichen datenbanken "verloren" wurden.

lösung: keine solchen datenbanken.

Danke Robert!

Lieber Robert, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!
Der Aufdeckungsjournalismus ist für die ihm zugekommenen Inhalte nicht verantwortlich, da müssen sich schon die wahren Schreiber der Zeilen an der Nase nehmen - oder dazu stehen!

Hoch lebe die Pressefreiheit - solange gibt´s auch noch Demokratien auf diesem Erdenrund!

Es ist an der Zeit, eine Weltregierung zu etablieren und die Grenzen niederzureißen.

Wirklich gut!

Hab mich extra hier angemeldet nur um das zu schreiben: einer der besten, wenn nicht DER Beitrag!

Misik hat zwar recht. Aber spielt er hier nicht selber die Rolle des linken Feigenblatts für den standard?

Der Beitrag von Misik ist wirklich gut

und durchdacht. Da kann Armin Thurnher sich nach seinem seichten Artikel im aktuellen Falter was abschauen...

Das erste mal

dass ich dem Misik unumwunden Recht geben muss!

Meine Stimme hat Wikileaks und Misik.

Auf dass meine Stimme auch in Zukunft eine Bedeutung hat!

Misik - what else...

Und für WikiLeaks Interessierte darüber hinaus "der" Podcast für kritisch denkende: http://alternativlos.org/10/

stimme nicht zu.

ich war bis vor kurzem auf wikileaks seite, als es um die veroeffentlichung von kriegsverbrechen etc. ging. das entspricht auch der selbstauferlegten policy, d.h. illegales verhalten von regierungen aufzudecken.

meine meinung zu wikileaks aenderte sich allerdings mit der veroeffentlichung der botschafts-depeschen. internationale diplomatie ist auf gewisse diskretion und geheimhaltung angewiesen. jede rechtsordnung und jeder rechtsstaat hat die legitime autoritaet gewisse informationen nicht veroeffentlichen zu muessen (in den usa ist dieses privileg auf 25 jahre beschraenkt).

ich wuerde deshalb nicht sagen, dass wikileaks einen schritt zu weit gegangen ist; eher: einen schritt in die falsche richtung.

diplomatie.... hm, bei den diplomaten depechen wurden und werden aber auch gerade massive verbrechen aufgedeckt

tja, so haben wir eben alle...

... unsere eigene - mitunter abweichende - meinung!

Naja - auch die veröffentlichten Diplomaten-Depeschen

enthalten einige für die Bürger (od. für "die westliche Welt") wichtige Informationen.

Beispielsweise ist erkennbar, dass "die arabische Welt" keineswegs geschlossen hinter dem iranischen Kriminellen Mahmud Ahmadinedschad steht.

Dies liefert (im Gegensatz zu den ägyptischen Medienberichten usw.) eine wichtige Klarstellung, die diesem Tyrannen hoffentlich ein wenig schwächt.

Der Iran und die arabische Welt

verstehen sich nicht gut und das weis eigentlich auch jeder der ein wenig Ahnung hat über die Situation in MENA. Da stand niemals, zumindestens seid dem Aufruf der IRI hinter dem Iran. Es gab und gibt hier und da Zwecksverbündete aber das wars.

Großartig

Wieder einmal ein Misik in Hochform-
Danke!

Bravo, Misik!

Wobei es diese Dichotomie "WikiLeaks vs. normale Aufdeckungsmedien" in dem Fall nicht gibt. Die veröffentlichten Depeschen wurden in Zusammenarbeit mit der New York Times, dem Spiegel, The Guardian und El Pais ausgewählt und teilweise in Abstimmung mit den US-Behörden gefiltert. Die weltweite Aufmerksamkeit, die "Cablegate" jetzt hat, geht auch darauf zurück, dass die wichtigsten Printmedien der Welt von Anfang an mit an Bord waren. Dass man das nun auf einen Alleingang von Assange zuspitzt, ist vielleicht spannend für einige Sensationsmedien, entspricht aber nicht der Wahrheit.

Wikileaks

is an inside job!

Es hat nichts gegen Israel, Australien, GB etc.

Sehr gut argumentiert.

Schon wieder ein Eintrag, dem ich nur zustimmen kann. Langsam wird es unheimlich.

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