Videocast von Robert Misik - Folge 159

Der Cyber-Krieg gegen WikiLeaks - ein Anschlag auf die Medienfreiheit

12. Dezember 2010, 15:18

Wo die Freiheit angegriffen wird, muss sie verteidigt werden

Die Regierungen der Welt versus WikiLeaks – das ist die Aufstellung im ersten Cyber-War. Und das Auffälligste daran ist: Praktisch alle Politiker, aber auch ganz viele liberale Journalisten und sehr viele normale Bürger finden, dass Wikileaks irgendwie zu weit geht. Dass das nicht mehr nur „investigativer Journalismus“ sei, sondern den Staat selbst funktionsuntüchtig machen würde. Dass das, was Wikileaks macht, vom Recht auf Medien- und Informationsfreiheit nicht gedeckt sei. Dass die massive Verfolgung der Wikileaks-Leute doch irgendwie gerechtfertigt sei. Aber lässt sich das wirklich begründen? Nein, wie man die Dinge auch dreht und wendet: Wikileaks tut substantiell nicht so viel was anders als andere investigativ arbeitende Medien. Warum soll dann aber ihre Tätigkeit nicht von der Informationsfreiheit gedeckt sein? Und selbst wenn man Vorbehalte gegenüber Wikileaks haben und Julian Assange für eine etwas sonderliche Figur halten mag: Wie hier von einer Supermacht mit Hilfe von globalen Quasi-Monopolfirmen gegen eine kleine NGO geschossen wird, die vor ein paar Monaten noch nicht mehr als fünf Full-Time-Mitarbeiter hatte, ist völlig unverhältnismäßig. Wenn man sich hier nicht klar auf die Seite der Freiheit stellt, braucht man sich nicht wundern, was nachkommt: der schreckliche US-Senator Joe Lieberman fordert prompt schon ein Verfahren gegen die New York Times.

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Horst Fiedler
 
01
16.12.2010, 19:09
Nicht zu früh jubeln

Kritischer Journalismus ist in der Sackgasse. Nicht mehr der Wahrheitsgehalt von Information ist zu überprüfen, sondern wie machtopportun die Information ist:
Otto Ranftl, Leserbeauftragter von "Der Standard" wortwörtlich in einer Broadcastemail: ... Journalisten müssen entscheiden, ob sie mit der Veröffentlichung eines "Geheimnisses" einen
Nutzen erzielen, der mögliche Nachteile übersteigt. Verantwortungsbewusstsein
ist gefragt – das nehmen wir seit jeher ganz unspektakulär wahr, von uns darf
man mehr erwarten."
Hat sich sich die Redaktionsrichtlinie noch nicht bis Misik durchgesprochen? Lieber Standard: Bitte mehr Misik, weniger Ranftl

Joruus CBaoth
01
16.12.2010, 14:40
Jetzt muss ich auch mal ein Lob aussprechen an Misik

Er bringt's, wie so oft, ziemlich genau auf den Punkt.

Achilles26
 
02
15.12.2010, 14:55
Neue Zeit?

Weit davon entfernt, ein Internet-Freak zu sein, fällt schon auf, wie sich die Herrschenden (Regierungen, Konzerne, Banken etc.) offenbar in die Hosen machen. Die hysterischen Reaktionen auf die Enthüllungen sind fast noch entlarvender als die Enthüllungen selbst.
Schon Schweigekanzler Schüssel hat die Internet-Generation gefürchtet und er hat gewußt, warum. Wenn es tatsächlich tausenden von Wikileaks-Sympahisanten gelingt, Schweizer Banken das Fürchten zu lehren, beginnt vielleicht eine neue Zeitrechnung.
Schlagen die Geknechteten jetzt zurück? Bröckeln die alten autoritären Strukturen? Bricht jetzt die Anarchie aus?
Ziemlich sicher nicht, aber eine gewisse Dramatik hat die Geschichte allemal.
Hoch Misik!

Franz Klug
02
14.12.2010, 22:29
Danke:-)

Ich habe ja noch im letzten Blog: geh, leakst.. gepostet, dass Misik Substandard ist: wenn er mit Frey und Sperl Wikileak kritisiert:
Nehme diese Aussage hiermit zurück und freue mich, dass Misik auch die Dimensionen richtig stellt. Alle Staaten der Welt wollen einer NGO an den Kragen, nur weil die versucht Weltöffentlichkeit in der Außenpolitik herzustellen. Eine Aufklärung die Kant schon vor Jahrhunderten forderte und die jetzt zumindest Teils-Teils mit Wikileak umgesetzt wird.
Im Spiegel Special "Die enthüllte Supermacht" wird auch enthüllt, dass die USA bei der Klimaschutzagenda die Europäer austricksten und mit geschönten Zahlen jubilierten. Auch der Standard fiel auf diese Kampagne rein und brachte eine US-Klimalobeshymne.:-(

xxx...yyy
02
15.12.2010, 12:03
ist er wieder auf kurs?

hat er seine anweichende meinung aufgegeben und damit wieder aufgenommen im kreis der guten?

Peter Sichrovsky
41
14.12.2010, 21:21
Wut der Kleinbürger

Der Hass gegen 'DieDaOben' der 'DieDaUnten' ist die ohnmächtige Wut der Kleinbürger und Kleingeister gegen eine politische Elite, die eines erreicht hat: Den Nachkriegsgenerationen in Europa seit Jahrhunderten zum ersten Mal ein Leben ohne Hunger und Krieg zu garantieren. Dass die Mittel und Methoden nicht jedem gefallen ist dabei Nebensache, was zählt ist das Ergebnis - eine demokratische Struktur und Stabilität, von der auch ein Assange profitiert.

Zukunftsoptimist
01
15.12.2010, 22:38
Sie halten wohl die Kleinbürger -

- schon dieser diffamierende Ausdruck verrät Ihre Denkweise über den angeblichen Souverän - allesamt für Prediger des Hasses gegen jene, denen sie Ihrer Meinung nach dankbar sein sollten dafür, dass niemand den von ihnen erarbeiteten Wohlstand durch Krieg und Hunger mutwillig vernichtet. Man kann diesen Wohlstand auch anders umbringen und die herrschende politische Klasse ist auf dem besten Weg dazu. Es besteht also nicht der geringste Grund zum Feiern oder zum Danken. Im Gegenteil: Dank an die Klasse der Selbstbediener und Phrasendrescher ist ein Zeichen von Naivität und politischer Instinktlosigkeit.

Popper
01
15.12.2010, 12:49
Ihre Denkweise ist sehr denkwürdig!

Die da Oben sind geduldet, weil das Recht geht vom Volke aus - und kommt nie wieder.

Das wollten Sie sagen - korrupte Obrikeit wird unser aller Verderben sein - eher als die Leute zugeben.

Ritzmo
 
03
15.12.2010, 10:07
Sie leben...

... offenbar in einer Welt, die sich innerhalb der 30 Jahre zu drehen aufgehört hat! Festes Einkommen in einer Branche, die krisensicher war? Familie? Andere feste Einkommen? Gute Wohngegend (findet man in Österreich noch immer sehr leicht)? Diese "Stabilität", die Sie erwähnen, bricht laufend für in Österreich lebende Menschen zusammen. Nur weil Sie und ich von den Ausläufern dieser Entwicklung noch verschont blieben, heisst das nicht, dass wir in einer kritiklosen "Danke-für-alles"-Haltung unser dasein fristen sollten. Es ist schön, wenn der Tellerrand die Grenze bleibt - bequeeeeeem!!!

Johnny BlackMail
02
14.12.2010, 23:31
Vielleicht hat ein langwährender Friede

auch etwas mit Protektoraten, einem kalten Krieg und (eher neuerdingser) starken Wirtschaftlichen
Bindungen zu tun, vielleicht schwemmen derartig Kaufstarke Regionen auch eine Menge 'DieDaOben's auf welche versuchen sich Generationsübergreifend
als Dynastien beim sich gegenseitigen zerfleischen mit der Konkurrenz durch Korruption und dergleichen zu festigen um letztlich alles in Chaos und Krieg
zu versenken damit das Spiel wieder von vorne losgehen kann.

Vielleicht ist es ja ganz gut wenn Licht auf dieserlei Schatten geworfen wird um den Zerfall zumindest zu verlangsamen.

Harry Meier
 
03
14.12.2010, 23:18
Naja solche Dinge könnens einem Kreisky oder ...

... Brandt nachsagen, die selbst noch wußten was Asyl und Dikatur bedeuten aber heute hat doch von den Politikern keiner mehr eine Ahnung was es bedeutet verfolgt zu werden. Unseren Wohlstand mögen sie mehren aber auch nur die Privilegierten. Die Armen bleiben immer arm, auch wenn sie heute nicht mehr verhungern. Ständig den Exekutor im Gnack und ein Geodreieck für den Sprössling bringt das Budget aus dem Gleichgewicht ist keine Seltenheit in einem der reichsten Länder der Erde.

Bleibens auf dem Teppich. In Ö gehts der Mittel- und Oberschicht richtig gut. Der Rest ist im Ar......

papst benedikt
01
14.12.2010, 21:53

hunger und krieg wurden perfekt ausgelagert. und dass der zweck die mittel heiligt, wusste ja schon stalin.

aber zurück zu den "eliten" verstehe ihre aufregung nicht. kleine, gescheiterte politkarrieristen, die selbst zu einem rechtsextremen ins bett steigen, gehören da ja ohnehin nicht dazu. also beruhigen sie sich, sie sind von der "ohnmächtigen wut" gar nicht angesprochen.

Späthippie in völliger Verblödung
02
14.12.2010, 21:09
Wie Misik richtig impliziert,

umfasst die Meinungsfreiheit auch das Recht der StaatsbürgerInnen in einer Demokratie, informiert zu werden. Und widerlegt bisherige Killerargumente:

- Staatliche Geheimsphäre wird mit Privatsphäre gleichgesetzt;

- angeblicher Schutz von Dissidenten (ist wohl Schutz verdeckter Operationen).

http://emilybellwether.wordpress.com/2010/12/0... ournalism/

Butras
00
14.12.2010, 12:45
Julian Assange and the Computer Conspiracy; “To destroy this invisible government”

Assange has been one of the most interesting characters to come out of the Digital Age whose purpose doesn’t seem to be fueled by making money, but truthfully making a change in how we interact outside of the Internet.

http://zunguzungu.wordpress.com/2010/11/2... %E2%80%9D/

Toni Meister
00
14.12.2010, 12:21
Bin neugierig ob...

....man dieses unvorteilhafte Bild von Robert Misik, den ich schätze, noch toppen kann. Frage mich, welche Leute sind da am Werke.

skatos
 
31
14.12.2010, 11:24
Assange

Ist er nicht wegen irgendwas festgenommen was nichts mit Wikileaks zu tun hatte sondern mit Ihm privat ? Gings da nicht um eine vergewaltigung ? Oder hab ich da was falsch verstanden ? :)
MFg
/timon

Zukunftsoptimist
01
15.12.2010, 22:45
Finden Sie nicht auch,

dass man sonst bei Vergewaltigungen weniger Aufhebens macht und den Beschuldigten zumeist mehr glaubt als den Anzeigenden, weil das ja für die Justiz und die Errmittler viel einfacher ist? Und dass das bei Assange ganz anders läuft, hat das nur damit zu tun, dass die Schweden eine besser funktionierende Justiz haben als andere Länder, darunter Österreich? Und worauf sollte man eine solche Annahme gründen?

Harry Meier
 
00
14.12.2010, 11:50
Zur Klarstellung.

Assange wurde verhaftet weil ihm etwas vorgeworfen wird. Ob an dem Vorwurf was dran ist entscheiden die Richter. Bis dahin gilt er als unschuldig.

pepitant
05
14.12.2010, 11:41
Sie haben vielleicht

absichtlich genau das falsch verstanden, was unsere Leitmedien mit Sicherheit falsch interpretiert haben und was die schwedischen Behörden mit ebensogroßer Sicherheit auch falsch verstanden haben wollten.
Ein Paradebeispiel, wie man nach Orwell aus Lügen Wahrheit macht.

Fritz Wunderlich
41
14.12.2010, 09:26

"Der Cyber-Krieg gegen WikiLeaks - ein Anschlag auf die Medienfreiheit"
"Wikileaks tut substantiell nicht so viel was anders als andere investigativ arbeitende Medien. Warum soll dann aber ihre Tätigkeit nicht von der Informationsfreiheit gedeckt sein?"
ist wikileaks ein massenmedium??
cryptome hat das nie von sich behauptet
und was bitte ist medien- und informationsfreiheit in diesem zusammenhang?
ihre robin hood-verehrung ist zwar verständlich, aber eine täter-opfer-umkehrung:
wikileaks hat im namen selbstdefinierter weltmoral und als ungewählter und anonymer repräsentant/anwalt von undefinierten freiheiten (netzanarchie?) die usa, wenn man so will, angegriffen
also weniger larmoyanz
und eine stilkritik: es "tutet" etwas viel bei ihnen

estragon001
61
14.12.2010, 08:32
Ja, Misik, was sie da nachbeten ist schon richtig, aber eben nur nachgebetet.

Und hören sie auf mit ihren Händen zu WACHELN... das nervt. Holen sie sich einen Regisseur, wenn sie's allein nicht können.

pepitant
11
14.12.2010, 11:42
Und wenn er

mit den Händen wachelt, gilts nicht ? So richtig kann der Misik gar nicht liegen, dass Sie nicht was finden könnten, was seine Aussagen abwertet.

estragon001
10
15.12.2010, 06:43
Ich glaub' sie sollten sinnerfassend lesen lernen...

The Alien
 
11
14.12.2010, 07:27
Freiheit ist hochgradig verdächtig

Nicht umsonst werden Normalbürger seit Jahrhunderten mittels Selektion zu brav funktionierenden, unkritischen Untertanen hingezüchtet.
Freiheit ist schon lange kein Thema mehr, für die Mehrheit (sondern Verantwortungsbereich-Abgabe an die Autoritäten).

Wikileaks und freier, investigativer Journalismus ist ein Minderheitenprogramm.

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