Klimagipfel beschließt Milliardenfonds für arme Länder - Gipfelpräsidentin winkt Einigung gegen Widerstand Boliviens durch
Cancun - Der UN-Klimagipfel in Cancun hat sich nach
zweiwöchigen Verhandlungen auf Einzelschritte im Kampf gegen die Erderwärmung
geeinigt. Die Delegierten beschlossen am Samstag einen Hilfsfonds für arme
Länder und einen besseren Schutz tropischer Wälder. Die Verhandlungen über ein
Nachfolgeabkommen für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll wurden vertagt.
Die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa setzte sich über den
erbitterten Widerstand Boliviens hinweg und erklärte, die Einwände könnten ein
Übereinkommen von 190 Ländern nicht scheitern lassen. "Dies ist eine neue Ära
der internationalen Zusammenarbeit gegen den Klimawandel", erklärte die
Präsidentin des Gipfels in dem mexikanischen Ferienort. Die Erwartungen an das
Treffen waren gering, nachdem der Klimagipfel im vergangenen Jahr in Kopenhagen
überwiegend als Misserfolg gewertet worden war.
Der Gipfel in Cancun war vom Streit zwischen armen und reichen Ländern
geprägt. Zum Schluss erklärten aber auch Staaten wie die USA oder China ihre
Zustimmung. Die Vereinbarungen sehen vor, bis zum Jahr 2020 einen "Grünen Fonds"
für arme Länder einzurichten, denen mit jährlich 100 Milliarden Dollar beim
Kampf gegen den Klimawandel geholfen werden soll. Auch die Teilhabe an sauberer
Energietechnik soll ermöglicht werden. Viele Forscher führen die Erderwärmung
auf den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zurück und erwarten in den
kommenden Jahrzehnten mehr Überschwemmungen, Dürreperioden und den Anstieg der
Meeresspiegel.
Röttgen zufrieden
Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres sprach von einer
historischen Einigung. Die Regierungen hätten sich zum ersten Mal auf viele
Maßnahmen geeinigt, um besonders Entwicklungsländern zu helfen.Der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen würdigte die Vereinbarungen als wichtiges
Fundament auf dem Weg zu einem Klimaabkommen. "Cancun hat die Erwartungen
erfüllt. Die Staatengemeinschaft hat sich als handlungsfähig erwiesen." Erstmals
sei offiziell anerkannt worden, dass die Durchschnittstemperatur nicht mehr als
zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen soll. Die
beschlossenen Maßnahmen seien aber unzureichend.
Keine Einigung gab es bei den Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll, in dem
sich etwa 40 Industriestaaten zu einer Verringerung ihrer Treibhausgase
verpflichtet haben. Sie verlangten auf der Konferenz eine stärkere Beteiligung
vor allem von Schwellenländern. Staaten wie China, Brasilien und Indien wehren
sich aber dagegen, die Aufholjagd ihrer Wirtschaften mit Vereinbarungen zum
Klimaschutz zu beschränken. (Reuters)