Julian Assange fordert sein Jahrhundert in die Schranken
Wikileaks-Gründer Julian Assange, Eintrag im Blog August 2007 (zitiert nach der Süddeutschen): "Hier ist nun die Wahrheit, die Sie frei machen wird ... für die Befreier und Märtyrer der Wahrheit, für die Voltaires, Galileos und Principias der Wahrheit, für die Gutenbergs, Marconis und Internets der Wahrheit, für die Serienmörder der Täuschung, jene brutalen, getriebenen und besessenen Bergleute der Wirklichkeit, die jedes vermoderte Gebäude zerschmettern, zerschmettern, zerschmettern, bis alles in Ruinen liegt, für die Saat des Neuen."
Ein bisschen kleiner haben Sie's nicht? Nein, denn hier fordert einer sein Jahrhundert in die Schranken, hier will einer nicht "Skandale aufdecken" und systemimmanent reformieren, sondern gleich der ganze Krempel soll in die Luft gehen.
Kriegsverbrechen der Amerikaner im Irak, damit fängt er einmal an, aber die nächste Großlieferung soll gleich alle Paranoiker weltweit aufjagen. Durch die Veröffentlichung der Cables sind keine Menschen zu Schaden gekommen? Na, abwarten, wie das iranische Regime auf die Anregung der Araber reagiert, ihm militärisch den Garaus zu machen. Und was sich Nordkorea einfallen lässt, das von einem chinesischen Diplomaten abgeschrieben wurde. Wer sich derart als "Märtyrer" der "Wahrheit" sieht, wer "zerschmettern" will, bis "alles" in Ruinen liegt, dessen Vorstellung vom "Neuen" sollte äußerst kritisch betrachtet werden. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.12.2010)