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Man muss immer damit anfangen, dass man das Problem beschreibt, meint der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Dann könne man eine Lösung suchen. Im Falle Österreichs ist dieser Anfang schon gemacht. Es hat in den vergangenen Tagen genügend Problembeschreibungen gegeben: durch die Pisa-Studie und den Provinz-Befund.
Die Ergebnisse des Lesetests fällt für die selbsternannte Kulturnation Österreich schlicht blamabel aus. Und die durch Wikileaks zugänglich gemachten Einschätzungen der US-Diplomaten von österreichischen Regierenden sind eine treffende und entlarvende Charakterisierung. Es herrsche "eine Kluft zwischen dem Bild, das Österreich sich selbst von seiner Rolle in der Welt macht, und seiner tatsächlichen, zunehmend bescheidenen Leistung". Präziser lässt sich die Problemlage nach Pisa und postalischen Mitteilungen nicht ausdrücken. Aber statt sich mit den Befunden auseinanderzusetzen, reagieren die Spitzenpolitiker beleidigt und teilen aus.
Pipifax ist nicht nur die Kultur, wie im Wiener Wahlkampf erwähnt: Der Bundeskanzler habe "kein persönliches Interesse an Außenpolitik", der Außenminister konzentriere sich "weitgehend auf das Vordringen der österreichischen Wirtschaft" und der Verteidigungsminister zeige sich "uninteressiert an Außen- und internationaler Sicherheitspolitik".
Dass die Österreicher seit dem EU-Beitritt 1995 isolationistischer geworden und "zunehmend abgekapselt" seien, ist auf die Innenpolitisierung der Außenpolitik zurückzuführen. Seit Jahren gibt es die Tendenz, bei Auftritten im Ausland vor allem den Nutzen zu Hause im Blick zu haben. Man muss nicht bis zu Bruno Kreisky zurückblicken, auch Alois Mock vermochte über die Grenzen des kleinen Landes hinauszublicken. Heute geht es vor allem um Sehen und Gesehen-Werden. Wer beobachtet, welchen Aufwand heimische Politiker betreiben, um etwa auf einem Foto neben der US-Außenministerin oder dem UN-Generalsekretär zu erscheinen, kommt um Regungen, die sich mit Fremdschämen am besten beschreiben lassen, nicht herum.
Zum Glück gibt es keine internationale Vergleichsstudie über die Fremdsprachenkenntnisse der Politiker in der EU. Wie beim Pisa-Test würde sich Österreich auf einem der hinteren Plätze befinden.
Österreich sollte nicht länger Realitätsverweigerung betreiben: Stattdessen wird von den Amerikanern eine Klarstellung gefordert - was sollen sie denn klarstellen? Sie haben sich deutlich ausgedrückt. Die Pisa-Tester werden angegriffen und SPÖ und ÖVP feuern aus ihren ideologischen Schützengräben. Früher ist sogar bei der ÖVP die Forderung erhoben worden, nicht mehr an den Tests teilzunehmen, heuer verlangte dies die FPÖ.
Es gibt Beispiele, wie man mit Kritik anders umgeht: Deutsche Politiker haben die nicht schmeichelhaften US-Beschreibungen souverän ignoriert und analysieren die Pisa-Studie Jahr für Jahr: Heuer hat Deutschland besser abgeschnitten und mehrere Bundesländer kündigten an, als Konsequenz eine Zentralmatura einzuführen.
Ein Hoffnungsschimmer ist, dass sich Österreichs Politiker spät, aber doch als lernfähig gezeigt haben mit der Übernahme des in Kanada seit 1967 geltenden Punktesystems zur Zuwanderung. Genauso sollte Österreich dem Beispiel des Pisa-Siegers Finnland folgen und sich aus der Provinzialisierung der letzten Jahre befreien. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.12.2010)
Die USA lenken mit der Änderung der Syrien-Position von der Datenaffäre ab
Im Salzburger Zock-Skandal wird politische Verantwortung nicht wahrgenommen
...mag viele Mängel aufweisen, o.k., aber wieso wird die Verantwortung der Eltern gegenüber ihren Kindern nicht thematisiert? Wie kann es sein, daß die Erzeuger die Leseschwächen ihrer Kids nicht registrieren? Wird die Erziehung bzw. Bildung ausschließlich den Lehrern zugemutet?
Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Anteil die Eltern an der Entwicklung ihrer Kinder nehmen.
nein, die einzige hoffnung ist, dass es faymann mit seinem diskussionsverbot ernst meint und sich auch daran hält. und wenn die anderen knallchargen in dieser witzlosen regierung dem beispiel folgen und dem ministerium die planung überlassen, könnte es noch was werden.
Deutschland hat aus dem "Pisa Schock" 2000 gelernt: der vorschulische Bereich wurde ausgebaut und gestärkt, auch der Ganztagsschulbereich wurde ausgebaut, Begleitung der einzelschulischen Entwicklung durch Inspektoren, zentrale Abschlussprüfungen eingeführt ... ohne diesen Schock, hätten die Deutschen sicher nicht so schnell aufgeholt, so kann man auch für Österreich hoffen, dass wichtige Reformen endlich angegangen werden.
Österreich hat noch immer seinen Minderwertigkeitskomplex nicht überwunden und hängt weiter in der glorreichen Vergangenheit fest. Wir haben noch immer die Bilder großer ÖsterreicherInnen im Kopf, die das Land vor dem 2. Weltkrieg hervorgebracht hat. Die Realität sieht leider anders aus.
Das zentrale Problem liegt wohl darin, dass in Österreich kein Mensch der fachlich kompetent und halbwegs bei Trost ist noch Politiker werden will. Aus dem Grund haben wir seit vielen Jahren entweder nur mehr Günstlinge von Interessensgruppen in politischen Ämtern sitzen, die entweder ungeniert Klientelpolitik betreiben oder völlig ahnungslose Marionetten sind. Die Medienlandschaft erledigt den Rest, indem sie willfährig weg sieht und nach Inseraten giert.
Das halte ich für ein Klischee. Heute ist es nur sichtbarer wie selbstbezogen und beschränkt die Eliten sind und das gilt nicht nur für die politischen sondern auch ganz besonders für die wirtschaftlichen. Leider hat durch die Informationsgesellschaft und die mit ihr viel höheren Geschwindigkeiten in allen Bereichen ein Paradigmenwechsel weg von der Nachhaltigkeit stattgefunden und es sind überall die am Werk, die schnelle kurzfristige Erfolge herbeiführen können und vor allem durch Selbstvertrauen und Egoismus glänzen.
Es stimmt, dass kein Mensch mit Verstand und Kompetenz Politiker werden will. Aber nicht das ist der Grund, weshalb wir nur noch Parteimarionetten in hohen und höchsten Ämtern haben, sondern umgekehrt:
Weil die Parteien derart machtbesessen agieren und ahnungslos hineinregieren, wo immer sich nur eine Gelegenheit bietet, und ihre schleimenden Dummköpfe hineinsetzen, wo immer sie nur können, wenden sich fachlich und moralisch Begabtere mehr und mehr von der Politik ab.
Österreichs Problem sind die Parteien. Und die sind erziehungs- und vernunftresistent, weder reformier- noch abschaffbar.
gibt es genug, die warten einfach auf ihre Chance, denn sich vor der Zeit bei den scheiternden Parteien verschleißen ist nicht klug.
Über PISA-Dodelland wird die Koalition zerbrechen, und im Frühjahr wird es Neuwahlen geben. Wettet irgendwer dagegen?
Wenn sie mir bitte aus der näheren Vergangenheit (also so die letzten 10 Jahre) auch nur einen aufzählen könnten, auf den ihre Beschreibung zutrifft, wäre ich auch schon sehr froh.
Der letzte der mir einfällt ist Busek und Fischler. Bei der SPÖ vielleicht noch Vranitzky und Lacina.
Es stimmt natürlich, dass die Umit ein Skandal ist, und man gut erkennen kann, welche Folgen es hat, wenn Leute ohne Ahnung von der Materie was zu sagen haben.
Mir scheint, dass beim Unterrichtsministerium momentan dasselbe zutrifft
Ich bin nicht für eine Verländerung, sehe aber die Gefahr, dass auf die Bundesländer Wiener Verhältnisse übertragen werden sollen. An den Wiener Pisa Ergebnissen sieht man ja den Erfolg von 60 Jahren SPÖ Schulpolitik
Der Kommentar ist in jeglicher Hinsicht falsch.
An der Unterrichtsministerin erkennt man derzeit vor allem, dass es PolitikerInnen braucht, die versuchen auch gegen Widerstand von Lobbyistengruppen etwas durch zu setzen. Sie ist der einzige Hoffnungsschimmer in der ansonsten inferioren und provinziellen Riege. Für Detailfragen gibt es Experten, die beratend unter die Arme greifen können. Minister müssen Entscheidungen herbei führen - und das versucht Schmied mit zäher Beharrlichkeit.
Wien ist in Österreich das einzige Bundesland, in dem die Migrantenquote eine Rolle für den Pisa Test spielt. Wenn das Schulsystem dort so schlecht ist, warum pendeln dann zahllose Schüler aus dem Umland nach Wien?
aber das ist leider nicht zutreffend.
Es gibt genügend Punkte die Schmied sofort ändern könnte, ohne gleich das gesamte Schulsystem über den Haufen zu werfen, ohne die Konsequenzen zu kennen. Und die Experten: Ein Jurist, ein Theologe und ein BWLer - lächerlich!
Zum 2.: Weshalb sind dann Städte wie Linz, Graz,... die eine ähnliche Migrationsproblematik haben so eklatant besser?
Wien und Graz hinsichtlich Migration zu vergleichen ist absurd. Keine andere Stadt Österreichs hat auch nur annähernd so viele Probleme mit Migration wie Wien. Die Segregation verschäft in Wien die Probleme dramatisch. Denn Hauptschulen sind dort echte Ghettoschulen geworden. Im kleinstädtischen Bereich sieht das ganz anders aus. Dort ist die Ausbildung in der Hauptschule teilweise mindestens gleichwertig, wie im Gymnasium.
Ausländeranteil lt Statistik Austria 2010
Graz 14,9%
Wien 18,7%
Das kann einen Unterschied bei Pisa in Mathe/Naturwissenschaft von fast 10% wohl nicht erklären. Und Graz als Kleinstadt zu bezeichnen. Na ja,...
Aber wenn die HS in Wien schon derartige Ghettoschulen sind, haben die Eltern der Gym-Schüler in der Nähe dieser Ghettos sicher ihre Freude mit der GS.
zweifel woran genau? geb ihnen recht, dass die kultur sehr verschieden ist und natürlich nicht einfach übernommen werden kann (und soll!)
aber davon lernen kann man schon, denke ich und sich die Bereiche ansehen, die gut funktionieren.
Was ich so gelesen haben gilt Frontalunterricht in Korea als bestes Mittel. Da sind wir in der Theorie weiter, aber in der Praxis ist es bei uns wohl genauso (ja es gibt >100 Gründe dafür und ein paar Ausnahmen).
Nur ein Beispiel: "By April 2001, every teacher had his or her own PC, and every elementary and secondary school in Korea was connected to a Local Area Network (LAN) and the Internet—the first such achievement in the world."
http://bit.ly/dPybqd
frontalunterricht ist in japan auch die beste methode. da ist die aufnahmspruefung fuer die uni das nonplusultra, dem alles geopfert wird. was in der schulzeit nicht gelernt werden kann, das lernt man halt in den nachhilfeinstituten oder in der nacht. das ist reines pruefungswissen. klar, fuer das system richtig, aber menschlich gesehen... ob alle lehrer einen pc haben oder nicht, ist doch eigentlich voellig gleich , oder?
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