Angehende Designerinnen mit lokalen Produkten können sich im Geschäft einmieten
Wien - "Ich wollte mich selbst irgendwo einmieten, hab ewig lang gesucht und nichts gefunden", erinnert sich Ulrike Eckerstorfer. Also hat sie jetzt den Spieß einfach umgedreht, hat ihr eigenes Designgeschäft in der Wiener Kettenbrückengasse 6 - und bietet das räumlich großzügige Lokal Jungdesignerinnen an, um darin zu verkaufen und gleichzeitig selbst wichtige Erfahrungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit sammeln zu können.
Sie selbst hatte vor zwei Jahren mit dem Designen und der Herstellung ihrer Produkte begonnen - "handwerkliche und kulinarische Gustostückerln aus Österreich", beschreibt Eckerstorfer ihr Angebot. Handgenähte Taschen, Handtücher, selbstgemachtes Relish, Marmeladen, Punschessenzen. Die erste Vertriebsschiene ihrer "La Schachtula" lief zunächst über das Internet und über Märkte, wie derzeit den Altwiener Christkindlmarkt.
Das Dilemma des Erfolges
Nachfrage und Stammkunden stellten Eckerstorfer allerdings schon bald vor das Dilemma: Potenzial für ein eigenes Geschäft wäre vorhanden - aber wie sollte sie als Ein-Frau-Unternehmen und Mutter einen solchen Betrieb mit der laufenden Produktion und der eigenen Familie unter einen Hut bringen?
So entstand die Idee für "Mein Design" als "Shop in Shop"-Lösung und Verkaufsplattform für Jungdesignerinnen. Sechs Monate können sich die angehenden Designerinnen maximal in dem Verkaufs- und Schauraum einmieten. Unter zwei Bedingungen: Die Bewerberinnen dürfen noch kein eigenes Geschäftslokal führen - und wie bei "La Schachtula" müssen die Produkte in Österreich gefertigt werden. So verarbeitet Eckerstorfer etwa nur Stoffe, die im Mühl- und im Weinviertel gewebt wurden.
Fünf Mieterinnen stellen derzeit neben Eckerstorfer im "Mein Design" aus - jede von ihnen verkauft einmal pro Woche nicht nur die eigenen, sondern gleichzeitig auch die Produkte der anderen - und schupft den Laden in eigener Verantwortung. Nina Dobnik ist beispielsweise mit ihrer "Filzkiste" vertreten - Taschen, Hausschuhe und Accessoires aus Wollfilz und Lammleder nach eigenen Entwürfen. Oder Gerti Elchner mit ihrer "Elch Patchart" - Patchwork und Quiltarbeiten, von Decken über Tischsets bis zu Wandbildern.
Erfahrungen mit den Kunden
"Das Entscheidende ist auch, dass Jungdesignerinnen, die den Schritt zur Selbstständigkeit wagen wollen, hier Erfahrungen im Verkaufsleben sammeln können", beschreibt Eckerstorfer die Erfahrungen der ersten Wochen. "Eine Designerin wollte zum Beispiel keinerlei Angaben über die Konfektionsgrößen machen. Hier im Geschäft hat sich dann schnell herausgestellt, dass das im direkten Kontakt mit den Kunden eigentlich nicht geht."
Damit die Einrichtung lebendig bleibt, ist Eckerstorfer auch ein ständiger Wechsel wichtig - junge Designerinnen können sich daher jederzeit bewerben.(Roman David-Freihsl, DER STANDARD-Printausgabe, 11./12.12.2010)