Stevia

Süßkraut statt Zucker

12. Dezember 2010, 16:56

Selten im Jahr werden so viele Süßigkeiten gegessen wie in der Zeit vor Weihnachten. Zu viel davon ist ungesund. Stevia, eine Pflanze aus Südamerika, ist eine neue Alternative, um Speisen zu süßen. Ein Überblick.

Stammesgeschichtlich gesehen war "süß" immer gleichzusetzen mit "gut": erstens, weil es kaum Süßes gibt, das giftig ist, und zweitens, weil Zucker ein rascher und mächtiger Energielieferant ist. Mit Ausnahme von Fett gibt es kein Lebensmittel, das einen höheren Kaloriengehalt hätte. Alles überzeugende Argumente in der frühgeschichtlichen Savanne, wo Jäger und Sammler über Süßigkeiten nur in Form von Früchten oder Honigwaben stolperten. Keine so gute Idee in einer Konsumgesellschaft, die sich des verlockenden Angebots kaum erwehren kann und sich dafür so gut wie nicht mehr bewegen muss.

Nichtsdestoweniger verbraucht der Durchschnittsösterreicher rund 44 kg Zucker pro Jahr, vor allem in Form von Backwerk, Limonaden und dergleichen. Die Folgen, wie Karies oder Übergewicht (häufig schon im Kindesalter) und die damit einhergehenden Gesundheitsrisiken sind hinlänglich bekannt, werden auch immer wieder öffentlich thematisiert, bestehen aber bis jetzt unvermindert weiter. Doch schon im nächsten Jahr könnte ein Ersatzmittel auf den Markt kommen, das zumindest einen Gutteil dieser Probleme lösen könnte, ohne uns die Weihnachtskekse und den Baumbehang madig zu machen.

Die Rede ist von den Inhaltsstoffen einer in Südamerika beheimateten Pflanze, Stevia rebaudiana, zu Deutsch Süßkraut oder Honigkraut, deren Blätter von der lokalen Bevölkerung seit Jahrhunderten zum Süßen ihres Tees verwendet werden.

Alternative Süße

Die Europäer kennen das Kraut aus entsprechenden Berichten der Konquistadores seit dem 16. Jahrhundert, doch wissenschaftlich beschrieben wurde sie erst 1899. 1931 wurden schließlich die Inhaltsstoffe, die für die Süße von Stevia rebaudiana verantwortlich sind, untersucht. Wie sich dabei herausstellte, handelt es sich um eine Mischung aus insgesamt acht bis dahin unbekannten Glycosiden. Der Clou daran: Sie süßen nicht nur viel intensiver als Rübenzucker, sondern haben auch so gut wie keine Kalorien, greifen den Zahnschmelz nicht an und sind auch für Diabetiker geeignet. Darüber hinaus sind sie - im Gegensatz zu vielen anderen Süßungsmitteln - bis 200 °C hitzebeständig, können also auch beim Kochen und Backen verwendet werden.

Doch während der Wunder-Süßstoff in weiten Teilen Zentral- und Südamerikas sowie Asiens seit Jahrzehnten eifrig in Verwendung ist, ist er in der EU bis jetzt verboten. Der Hintergrund: Lebensmittel, die in der EU vor 1997 (seit damals gilt eine entsprechende Verordnung) nicht in nennenswertem Umfang im Einsatz waren, gelten als sogenannte Novel Food und sind als solches zulassungspflichtig - so auch das Süßkraut samt seinen getrockneten Blättern und Rohextrakten. Ein Antrag auf Zulassung der Pflanze als Lebensmittel wurde aufgrund mangelnder Daten zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit abgelehnt.

Anders verhält es sich mit den in Stevia enthaltenen Süßstoffen, die durch chemische Verfahren als Reinstoffe aus der Pflanze gewonnen werden, den Steviolglycosiden: Ihnen hat die Europäische Behörde für Lebensmittel- sicherheit (EFSA) im heurigen April gesundheitliche Unbedenklichkeit bei einer täglichen Aufnahmemenge von 4 mg/kg Körpergewicht bescheinigt, allerdings auch darauf hingewiesen, dass dieser Wert vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen bei den vorgesehenen Verwendungsmengen wahrscheinlich überschritten würde. Mit der Zulassung von Steviolglycosiden als Zusatzstoff in bestimmten Lebensmittelgruppen ist im Laufe des Jahres 2011 zu rechnen.

Neue Rezepturen

An der Wiener Universität für Bodenkultur forscht man seit dem Entscheid der EFSA daran, die verschiedenen Steviolglycoside in unterschiedlicher Reinheit zu gewinnen. "Von allen Glycosiden, die im Extrakt enthalten sind, wird nur rund ein Drittel genutzt, der Rest wird weggeschüttet", führt Emmerich Berghofer vom Institut für Lebensmitteltechnologie aus. An der Boku sucht man Rezepturen und Verwendungsmöglichkeiten für die restlichen zwei Drittel, um mehr von der Pflanze verwertbar zu machen.

In der Schweiz ist der Einsatz des Süßungsmittels in ausgewählten Lebensmitteln erlaubt, und in Frankreich ist eines der Glycoside (Rebaudiosid A) seit 2009 für die Dauer von zwei Jahren zugelassen. Eine solche einzelstaatliche Zulassung wäre aber nach der Überarbeitung der betreffenden EU-Vorschriften heute nicht mehr möglich. In den USA wurde Rebaudiosid A bereits 2008 für unbedenklich erklärt, und Coca-Cola verwendet es auf seinem heimischen Markt bereits in einigen Limonaden. In Coca-Cola selbst ist es derzeit noch nicht im Einsatz, aber mit der Zulassung in der EU dürfte das nicht mehr lange auf sich warten lassen. (Susanne Strnadl, DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2010)

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Posting 1 bis 25 von 211
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tonina27
11
11.2.2011, 18:49
dieser Artikel ist schlecht recherchiert und es ist bedauerlich, dass diese Zeitung so etwas veröffentlicht!!

1.) "Mit Ausnahme von Fett gibt es kein Lebensmittel, das einen höheren Kaloriengehalt hätte" Zucker ist reines Kohlenhydrat und hat pro 100g genau denselben Gehalt an kJ/kcal wie Proteine.

2.)"Die Folgen, wie Karies oder Übergewicht (häufig schon im Kindesalter) und die ..." Karies wird durch ein Streptokokkus-Bakterium verursacht, das in der Mundflora sämtliche Nahrungsreste, besonders gerne Kohlenhydrate (ob Schoko oder Erdäpfel ist dem Ding völlig egal) abbaut, wobei Milchsäure entsteht, die wiederum den Zahnschmelz angreift. - das Bakt. wird im übrigen durch abschlecken des Löffels bei Kindern übertragen....

liest sich gesamt wie eine, als Artikel getarnte, Werbeeinschaltung an......

Georg Foltin
00
Auch wenn sie's nicht glauben

Es ist der Zucker, sowohl in der Schokolade als auch in alle stärkehaltigen Lebensmiteln, der die Zähne angreift weil er Bakterien als Nahrung dient. Süssstoffe und auch Stevia sind in der Hinsicht besser, da sie keine Nahrung für diese Bakterrien bilden.

J.Iber
12
29.12.2010, 19:58
Stevia ist in der Eu nicht als Lebensmittel zugelassen,...

...jedoch steht die Zulassung wahrscheinlich kurz bevor, jedoch wird es keine große Zukunft haben, da es eine E Nummer bekommt und daher wohl den durchbruch nicht schaffen wird.
Die mächtige Zuckerindustrie wird sich nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen lassen.

mfg

Andreeeas
00
23.1.2011, 17:53

Ja, dann darf man sich eben vor E-Nummern und Chemie nicht in die Hosen machen. Auch Ascorbinsäure hat eine E-Nummer.

Da merkt man erst, wie primitiv die Angst der Menschen ist!

Mario Sedlak
Mario Sedlak
 
21
18.12.2010, 11:54
Etwas mehr Kritik vonnöten

Der Artikel fängt ja gut an, aber wie gut ist der menschliche Körper stammesgeschichtlich auf Stoffe vorbereitet, die zwar süß schmecken, aber keinen Zucker enthalten? Das sollte auch noch erörtert werden. Welchen Sinn soll es haben, sich Stoffe ohne Nährwert ins Essen zu mischen? Ich möchte meine Instinkte nicht durcheinander bringen.

Erleuchter
02
16.12.2010, 11:41
Gibt es im Biomarkt und ist hervorragender Zuckersatz!

Hulk der dosenzarte
00
15.12.2010, 18:48

ich hab mal eine lebendige pflanze bei spar gefunden, mich wahnsinnig gefreut und gekauft. lebt noch immer. hat sogar schon klone.

war ganz normal bei den normalen krautern.
aber frische blaetter verhalten sich beim bakcen a bissi anders als zucker. also grad beim backen isses wahrscheinlich eher schwierig den zucker rauszuschmeissen.

elisa schumann
11
14.12.2010, 21:27
unverständlich

dass die zulassung in der eu so lange dauert. dabei könnte stevia unendliche erleichterung bei diabetes-erkrankungen bringen, fettleibigkeit verhindern und insgesamt viel zu mehr volksgesundheit beitragen! wer verhindert das so lange in der eu?

12345 k
11
16.12.2010, 23:35

UNENDLICHE erleichterung bei diabetes-erkrankungen bringen, fettleibigkeit VERHINDERN .... übertreiben sie da nicht ein bisschen?

elisa schumann
31
17.12.2010, 08:31
Zucker

ist eine der Ursachen für Fettleibigkeit. Das dürfte medizinisch bereits bewisen sein. Film anschauen: Supersize me!

Sabine Werner
12
18.12.2010, 14:04

Quatsch mit Soße, der olle Supersize me ist doch schon längst als Gag entlarvt, abgesehen davon aß der Typ eine Kombi von Fett und Kohlehydraten, DAS macht fett!

12345 k
00
17.12.2010, 12:59

ch bin kein experte, kein mediziner aber was ich weis gilt zucker bei manchen personen als auslöser für fettleibigkeit andere können wiederum sehr viel zucker verzehren und nehmen überhaupt nicht zu. die die probleme durch zucker bekommen sollten lernen damit umzugehen.
in meiner studienzeit haben gesüsste tees meine konzentrationsfähigkeit deutlich verbessert wann viel lernen erforderlich war - soweit ich mich erinnern kann ohne irgendwelche negative nebenwirkung. andere studienkollegen haben dasselbe gemacht. bedarf erkennen lernen und sich entsprechend ernähren - auch mal was energiehaltiges im gegensatz zu essen oder trinken rein aus gier oder lust am geschmack (eine folge davon man vernachlässigt einnahme von notwendigen wertvol

12345 k
00
17.12.2010, 13:18

...(eine folge davon man vernachlässigt einnahme von notwendigen wertvollen lebensmittel : vitamin/spurenelement-haltige, ausreichend hochwertige proteine, hochwertige öle/fette, die vielen planzlichen stoffe, positiv wirkende geschmackstoffe etc.etc. ... wenn man sich wegen zu viel zucker mit solchen wichtigen lebensmittel nicht ausreichend versorgt - dann zucker wieder einschränken)

Dark Funeral
 
02
17.12.2010, 10:46

Also der Film ist hinsichtlich der Methodik absoluter Schwachsinn. Den Grund dürfen sie sich selbst überlegen, damit sie das mit dem kritischen Denken auch einmal lernen.

Wie viel wissen sie im Übrigen über die Langzeitwirkung täglichen Steviakonsums? Und wo ist die UNENDLICHE Erleichterung für Diabetiker gegenüber der Verwendung von Süßstoff?

Ich behaupte ja nicht, dass Stevia nicht zugelassen werden sollte, aber es ist sicher kein Allheilmittel für Zivilisationskrankheiten.

elisa schumann
00
15.12.2010, 13:26
A Voice
10
15.12.2010, 13:38
und Sie

steigen voll in die Vermarktungsmaschinerie der Stevialobby ein, die einen neuen Markt aufrollen will. Missachten dabei vollkommen die armen Bauern, die eine indigene Pflanze anbauen, die die WElt ebenfalls mit Süßstoff versorgen kann. Diese armen werden von heute auf morgen aus ihrem seit Generationen ausgeübten Broterwerb gedrängt werden!!!!!!!!!!111111111111111

elisa schumann
00
16.12.2010, 23:29
was ist denn das

für eine stumpfsinnige Antwort????

A Voice
00
17.12.2010, 09:28
Erkennen Sie

wenigstens das Muster?

elisa schumann
00
17.12.2010, 10:25
Was

kann bitte die Steviapflanze für das Muster? Das ist das vermarktende kapitalistische Wirtschaftssystem, das die Bauern zugrunde richtet. Gegen das müßte sich Ihr Protest richten. Das Problem ist nur, daß es kein Alternativmodell außer Fair Trade gibt. Als Einzelperson die einzige Form sinnvollen Protest, indem ich auf solche Produkte zugreife.

A Voice
00
17.12.2010, 11:10
Offensichtlich

nicht. Naja, war nur ein Versuch.

xray -
00
26.12.2010, 00:16

:) großartig

A Voice
21
14.12.2010, 21:55
Wie soll es das bitte?

Noch ein Zuckeraustauschstoff. So what. Sowas gibt es schon lang und all Ihre aufgezählten Effekte sind nicht eingetreten.

elisa schumann
10
15.12.2010, 08:56
kein Zuckerersatz

sondern eine südamerikanische ZuckerPFLANZE, so wie Rohrzucker und heimische Zuckerrüben. Und da liegt auch schon die Frage-Beantwortung meiner Frage: Wer hat die mächtigste Lobby in Brüssel?
In allen besseren Reformgeschäften in Österreich kann man Stevia inzwischen (sündteuer) kaufen, allerdings nicht als Lebensmittel deklariert

Bonair
00
15.12.2010, 11:24

Dennoch hat Stevia keine der Eigenschaften, die Sie oben aufgezählt haben.

Wieso es noch nicht zugelassen ist, können Sie unten im Bericht der EU nachlesen: Es sind eben noch nicht alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt.
Wenn man schon für Süßstoffe strenge Kontrollen fordert, sollten diese für Stevia auch gelten.

elisa schumann
11
15.12.2010, 13:06
das ist eine unbewiesene behauptung

im Gegenteil: Jahrhundertlang ist stevia vor allem bei den indogenen Völkern Südamerikas bereits in Verwendung. Es sind die mächtigen Zuckerlobbies und u.a. auch die Süsstoffhersteller z.b.die US Firma Monsanto (größter Produzent von künstlichem Süßstoff, der übrigens in Amerika als Ursache von Blasenkrebs verdächtig verboten ist) die wahrscheinlich etwas gegen die weltweite Verbreitung dieses von der Wissenschaft bereits erforschten unschädlichen Produkts haben. Ich warte ja nur auf das Monsanto Genpatent von Stevia. Dann wird es sicherlich ganz schnell als weltweites Wundermittel bei Diabetes usw. beworben werden...

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