Opiatabhänigige Schwangere

Substitution während der Schwangerschaft

10. Dezember 2010, 13:52
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    175 Schwangere wurden in die Studie aufgenommen.

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Methadon ist derzeit Behandlungsstandard - Wiener Forscher zeigen eine Alternative auf, die bei Neugeborenen weniger Abstinenz-Symptome auslöst

Wien/Boston - Das könnte von großer Bedeutung für die Betreuung von opiatabhängigen Schwangeren und deren Babys werden: In einer aktuell im "New England Journal of Medicine" publizierten Studie zeigt ein Autorenteam unter Leitung der Wiener Suchtforscherin Gabriele Fischer (Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Wien am AKH), dass Substitutionsbehandlung mit Buprenorphin offenbar Vorteile gegenüber einer mit dem herkömmlichen Methadon zeigt. Die Neugeborenen leiden vor allem weniger an Abstinenz-Symptomen.

"Die Ergebnisse bestätigen, dass Buprenophin eine akzeptable Behandlungsstrategie für opiatabhängige Schwangere ist", stellen Gabriele Fischer und ihre Co-Autoren in der Zusammenfassung fest. Der Hintergrund: Bei süchtigen Schwangeren ist eine gute medizinische Versorgung mit einer Substitutionstherapie von größter Wichtigkeit. Das schützt werdende Mutter und gleichzeitig auch das Ungeborene.

Methadon derzeit empfohlen

Doch hier gab es auch Probleme. Die Wissenschafter: "Methadon (...) ist die derzeit empfohlene Behandlungsoption für Opiatabhängigkeit während einer Schwangerschaft. Allerdings bringt die Exposition (des Ungeborenen, Anm.) gegenüber Methadon nach der Entbindung ein Abstinenz-Syndrom beim Neugeborenen mit sich (...)." Übererregtheit und Fehlfunktionen des autonomen Nervensystems sind die Folge. Die Kinder müssen mit Medikamenten zum Abfangen dieser Entzugserscheinungen behandelt werden. Weiters verlängert sich der Spitalsaufenthalt.

In den vergangenen Jahren wurde in der Drogenersatztherapie in Österreich zunehmend häufiger ein anderes Mittel, Buprenorphin, eingesetzt. Es ist recht gut verträglich und sicher. Beim Absetzen treten auch weniger Entzugserscheinungen auf.

Positive Effekte in ersten Lebenstagen

Genau diese Effekte wollten die Wissenschafter im Vergleich zu Methadon bei Schwangeren und deren Kindern beweisen: 175 Schwangere wurden in die Studie aufgenommen. Jeweils etwa die Hälfte bekam Methadon, die andere Buprenorphin. 18 Prozent der Frauen in der Methadon-Gruppe brachen die Teilnahme ab, ebenso 33 Prozent in der Buprenorphin-Gruppe.

131 Neugeborene und ihre Mütter (58 in der Buprenorphin-Gruppe, 73 in der Methadon-Gruppe) wurden nach der Entbindung nachverfolgt. Dabei zeigte sich, dass die Neugeborenen, deren Mütter mit Buprenophin substituiert worden waren, deutlich weniger Morphin als Medikament während der ersten Lebenstage benötigten. Die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthalts reduzierte sich von 17,5 auf zehn Tage, die Dauer des Abstinenzsyndroms von 9,9 auf 4,1 Tage.

Alle Kinder entwickelten sich genauso wie Babys von nicht opiatabhängigen Müttern. In der Phase unmittelbar nach der Geburt aber schnitten die Babys von mit Buprenorphin behandelten Frauen besser ab.

Selten Studien zur Medikamentenwirkung bei Schwangeren

Das Wiener Team von Gabriele Fischer arbeitete zusammen mit Ärzten der Universitätsklinken für Frauenheilkunde, Kinder- und Jugendheilkunde und der Klinischen Abteilung für Medizinisch-chemische Labordiagnostik und konnte größten Anteil zu den Daten beisteuern. Das Projekt wurde vom nationalen US-Institut für Gesundheit (NIH) mit 48 Millionen Dollar (36,3 Millionen Euro) finanziert. Es sollte auch eine Pionierarbeit für klinische Studien mit Schwangeren sein.

Gabriele Fischer in einer Aussendung der MedUni Wien: "Frauen insgesamt, aber speziell schwangere Frauen, sind nach wie vor deutlich benachteiligt, was Untersuchungen zur Medikamentenwirkung anbelangt, da sie aus wissenschaftlichen Studien meist ausgeschlossen sind und Medikationsauswirkungen auf Kinder häufig erst in deren Entwicklungsverlauf festgestellt werden können." (APA)

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13 Postings
Frau Techne
01
16.12.2010, 21:16

Mich würde interessieren, warum der Prozentsatz jener Frauen, die die Substitutiopnstherapie abbrachen, bei Buprenorphin (33%) fast doppelt so hoch war wie bei Methadon (18%).

Weiß das hier jemand?

christina mülling
00

buprenorphin ist ein medikament bei dem der beigebrauch fast unmöglich ist. sie meisten süchtigen halten sich gerne ein hintertürchen offen und mit methadon ist beigebrauch leichter möglich. süchtige halten eine substitution selten über lange zeit durch... schwanger oder nicht

Frau Techne
00
18.6.2011, 07:05

Danke für die Antwort!

Alfred Zopf
01
11.12.2010, 19:06

Wäre Cannabis nicht die bessere Alternative?

Bei einem jüngst obduzierten 17jährigen Burschen, der auf größtenteils auf Substi drauf war, stellten die Gerichtsmediziner innere Organe wie bei einem 70jährigen fest.

Katze Konstantine
00
12.12.2010, 13:01
Nützt Cannabis

überhaupt bei Opiatentzug?

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
00
12.12.2010, 15:55

Nein, gar nicht, ev. beruhigt es ein wenig.

@ Herrn Zopf: das muss wohl die extrem seltene Kombination aus Progerie-Syndrom und Opiatabhängigkeit gewesen sein. Wäre eine Publikation wert.

Der Nurmi
154
10.12.2010, 22:57
Wer schon einmal erlebt hat...

...was ein Neugeborenes bei seinem Entzug durchmacht, der muss jedenfalls zum Schluss kommen, dass die Mutter niemals mehr Zugang zum Kind bekommen darf und sterilisiert werden sollte.

Jane Lane
 
37
11.12.2010, 11:22

Ich finde eher, Leute wie Sie sollten generell keinen Zugang zu Menschen auf weniger als 30 Metern Nähe bekommen.

nastyAngel
 
11
Jane Lane -

Und was wäre dann Ihr großartiger Vorschlag?

Ich habe vor eingiger Zeit einen Bericht über ein Kinderheim gelesen .... da lebt ein kleiner Bub der Taubblind ist und noch andere schwere Behinderungen hat weil seine Mutter - Drogensüchtig war während der Schwangerschaft.

Schönes Leben hat der kleine unschuldige Junge. Gell.

Kathi1609
 
33
10.12.2010, 18:43
Is eigentlich schockierend, wie viele Frauen man für so eine Studie findet ... :-(

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
02
11.12.2010, 17:17

Bei 22000-33000 Opiatabhängigen österreichweit, 10000 davon in Wien, 80000 (in Wien) substituiert, davon ca. 1/3 Frauen, sind schon mal ein paar Schwangere darunter. Opioide sind, nach dem heutigen Wissensstand weder embryo- noch fetotoxisch, der postpartale Entzug ist nicht schön, aber auch nicht lebensgefährlich. Und eine stabile Substitutionstherapie ist allemal gesünder, egal ob mit Methadon, Buprenorphin oder Morphinen, als das Zeug von der Strasse. Zum Vergleich: 350000 AlkoholikerInnen österreichweit.

Sir Bastian
00
12.12.2010, 12:33

Meintest du 8.000 Substituierte?

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
00
12.12.2010, 14:44

Verzeihung, 8000 natürlich.

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