Finanzdienstleister will Kreditkartenunternehmen wegen Wikileaks vor Gericht bringen
Der auch für Wikileaks tätige isländische Finanzdienstleister Data Cell ehf hat am Donnerstag eine Klage gegen die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard angekündigt. Die beiden Unternehmen hatten bekannt gegeben, keine Zahlungen mehr an die Enthüllungsplattform weiterzuleiten. Data-Cell-Chef Andreas Fink sagte der Nachrichtenagentur AP, er wolle die Kreditkartenunternehmen in London vor Gericht bringen. Als Reaktion auf die Verbreitung geheimer Dokumente des US-Außenministeriums hatten zahlreiche Unternehmen die Zusammenarbeit mit Wikileaks aufgekündigt.
"Es ist einfach lächerlich zu denken, Wikileaks habe irgendetwas Kriminelles getan"
"Es ist einfach lächerlich zu denken, Wikileaks habe irgendetwas Kriminelles getan", schrieb Fink. Es sei schwer zu glauben, dass eine solch große Gesellschaft wie Visa es sich leisten könne, politische Entscheidungen zu treffen. Mastercard gab zunächst keine Stellungnahme ab. Der Sprecher von Visa-Europa, Simon Kleine, sagte, Organisationen könnten so lange Gelder über Visa erhalten, solange sie nicht gegen die Betriebsrichtlinien und lokale Gesetze verstießen. Doch, welchen Regeln Wikileaks zuwider gehandelt haben soll, sagte er nicht.
Unverständnis
Der offensichtliche Versuch, die Finanzflüsse der Enthüllungsplattform trockenzulegen, hat vermutlich zu einer Reaktion sympathisierender Aktivisten geführt: Die Internetseite von Mastercard war am Mittwoch zwischenzeitlich nicht zu erreichen. Für Unverständnis sorgte vor allem, dass rassistische Organisationen wie der amerikanische Ku-Klux-Klan oder die rechtsextreme British National Party Zahlungen über die Kreditkartenunternehmen abwickeln können.
Die über Visa und Mastercard angewiesenen Spenden für Wikileaks seien noch bis mindestens Mitte kommender Woche eingefroren, sagte Fink. Dadurch verliere seine Firma bares Geld. "Die Verweigerung von Kreditkartenautorisierungen zerstört im Grunde unser Geschäft", sagte er.
Kündigung
Der Online-Zahlungs-Dienstleister PayPal kündigte unterdessen an, das Konto einer Stiftung, die Wikileaks unterstützt, wieder freizugeben. (APA/dapd)