Der japanische Botschafter Mitsuo Sakaba im STANDARD-Interview: Tokio wird einer zweiten Verpflichtungsperiode nicht zustimmen
In der Frage des Kioto-Protokolls bleibt Japan hart: Tokio werde einer zweiten Verpflichtungsperiode nicht zustimmen, sagte der japanische Botschafter Mitsuo Sakaba zu Julia Raabe in Cancún. Das Land strebt ein ganz neues Abkommen an.
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STANDARD: Japan hat zu Beginn der Verhandlungen angekündigt, einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kioto-Protokoll nicht zustimmen zu wollen. Bleibt es dabei?
Sakaba: Wir haben unsere Position nicht geändert. Japan ist zu einer zweiten Periode nicht bereit.
STANDARD: Warum das Nein?
Sakaba: Das Protokoll ist kein fairer Mechanismus, weil große Emittenten wie die USA, China, Indien, Brasilien darunter nicht verpflichtet sind. Als es 1997 angenommen wurde, erwartete man, dass es mehr als die Hälfte der globalen Emissionen abdecken würde. Jetzt ist der Anteil aber weniger als 27 Prozent, und er wird weiter sinken. Wir sollten also daran arbeiten, ein effektiveres System zu entwickeln, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen.
STANDARD: Was heißt das konkret?
Sakaba: Ein neuer Rahmen unter Beteiligung aller großen Emittenten. Nach Kopenhagen haben mehr als 140 Länder Zusagen über die Senkung ihres Ausstoßes übermittelt. Insgesamt sind das mehr als 80 Prozent der globalen Emissionen. Das sind effektive Bemühungen. Unser Ziel ist ein neuer, rechtlich verbindlicher Rahmen mit allen Hauptemittenten. Wir wissen, dass dies nicht sofort möglich ist. Unsere Idee ist, zum Übergang einen weicheren Rahmen einzurichten. Nicht rechtlich verbindlich, aber nicht frei von Verpflichtungen, denn Monitoring und Verifikation sollten dazugehören.
STANDARD: Viele Länder bestehen auf einer zweiten Periode. Riskieren Sie ein Scheitern der Gespräche?
Sakaba: Der Vorteil wäre, dass wir einen neuen Fonds errichten könnten. Die USA lehnen das ab, solange es keine Maßnahmen bei den Schwellenländern mit hohen Emissionen gibt. Auch Japan hat Schwierigkeiten damit. Sobald wir einen weicheren Rahmen einrichten, der die großen Emittenten einbezieht, können Entwicklungsländer sofort von einem neuen Fonds und 100-Milliarden-Dollar-Verpflichtungen der entwickelten Länder profitieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2010)