Glücklich Autofahren

In Wahrheit stecken wir in einer schier unauflöslichen Konfliktsituation. Wir lieben nur unser eigenes Auto, aber nicht die vielen anderen

Die sogenannte Vernichtung von Parkplätzen gilt als Urangst vieler Großstadtbewohner und -bewohnerinnen. Sie schimpfen dann über wirklich oft sinnlose Hundegassiplätze genauso wie über die fast immer wichtigen Ohrwaschln, also jene Gehsteigerweiterungen, die es Menschen mit Kinderwagen oder Rollstuhl ermöglichen, eine Kreuzung zu überqueren. Und wenn eine Sackgasse im Sinne von mehr Lebensqualität gesperrt wird für Autos, beginnt überhaupt das große Gejaule.

Wer gerne Auto fährt, ist dann auch geneigt, in den Kanon mit einzustimmen. In Wirklichkeit sind unsere Wahlmöglichkeiten aber sehr eingeschränkt. Zwei Dinge auf einmal kriegen wir ab einer gewissen Bebauungsdichte nämlich nicht: Gratisparkplätze und Lebensqualität. Es gibt nur ein Entweder-oder. Weil Autos sehr viel Geld kosten, hat man sie natürlich gerne ganz in seiner Nähe. Weil Autos im Grunde eine wunderbare Erfindung sind, übersehen wir auch gerne ihre Kehrseite, nämlich, dass sie nicht nur unsere Mobilität erleichtern, sondern uns mitunter sehr viel an Lebensqualität nehmen.

In Wahrheit stecken wir in einer schier unauflöslichen Konfliktsituation. Wir lieben nur unser eigenes Auto, aber nicht die vielen anderen. Dabei muss man nichts neu erfinden: Es gibt weltweit bereits jede Menge Beispiele, wie man mit dem Autoverkehr in der Stadt so umgeht, dass gleichzeitig mehr Lebensqualität geschaffen wird. Das Paradoxe ist sogar: Dort, wo überwiegend im Sinne des Autoverkehrs geplant wurde, gibt es die meisten Staus.

Wer also glücklich Auto fahren will, muss sich für seine Alternativen einsetzen: Für viel öffentlichen Verkehr und sicheren großzügigen Bewegungsraum für Fußgänger und Radfahrer. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/10.12.2010)

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