Twitter und Facebook stellen Wikileaks-Rächern ein Bein
Zsolt Wilhelm, 9. Dezember 2010, 16:00
foto: derstandard.at/screenshot
Twitter- und Facebook-Kommunikation von Anonymous trotz Blockade aufrecht
Accounts blockiert - Aktivisten von Anonymous geben sich indes betont kämpferisch
Wie berichtet, haben Internetaktivisten der Netzgruppierung "Anonymous" in den vergangenen Tagen die Webserver von Finanzdienstleistern wie PayPal, VISA oder MasterCard angegriffen, die Spendenzahlungen an die Enthüllungsseite Wikileaks einstellten. Auch wurde die Schweizer Bank Postfinance ein Opfer der Attacken, nachdem sie das Konto des verhafteten Chefredakteurs Julian Assange einfrieren ließ. Um die koordinierten Server-Überlastungsangriffe (DDoS-Attacken) zu organisieren, nutzen die in aller Welt verstreuten Aktivisten Internetforen und soziale Netzwerke.
In den vergangenen Jahren nutzte Anonymous für die Koordinierung seiner Aktionen häufig das Bilderforum 4Chan, mit der Skalierung der Aktionen im Rahmen von Wikileaks wird zunehmend auf populärere Kanäle gesetzt. Beispielsweise wurden spezielle Seiten und Profile beim Mikroblogging-Dienst Twitter und bei Facebook eingerichtet, um Beteiligte an der "Operation Payback" über die Fortschritte und die nächsten Ziele zu informieren.
Wie nun unter anderem die Nachrichtenseite Forbes meldet, scheint dies gegen den Willen oder zumindest die auferlegten Nutzungsbedingungen der Netzwerke zu verstoßen. So hatten die Betreiber von Facebook vergangene Nacht die Fan-Seite von "Operation Payback" abgedreht, mit der Begründung, dass man die gesetzten Richtlinien sehr ernst nehme und rasch auf Berichte über "unangebrachte Inhalte und Verhaltensweisen" reagiere. Das Ziel sei, eine "Balance zwischen Redefreiheit und einer sicheren und vertrauenswürdigen Umgebung" herzustellen. Twitter hat indes den Anonymous-Kanal "Anon_Operation" blockiert. Weshalb genau, wurde nicht bekanntgegeben. Dass Twitter die Kommunikation der Anonymous-Aktivisten zu blockieren versucht, sei laut Forbes nicht sicher. Grund für die Sperrung könnten Tweets sein, die im Rahmen einer anderen Aktion namens "Operation: Bank-Troll" abgeschickt wurden. So wurde auf - mittlerweile als gefälscht bestätigte - Listen mit Kreditkartendaten von MasterCard-Kunden verwiesen.
Twitter sorgte in den vergangenen Tagen allerdings auch wegen angeblicher Zensurmaßnahmen für Aufregung. So wird zwar zum Thema "Wikileaks" heftig gezwitschert, in den "Trends" tauchen die Hashtags für WikiLeaks aber nicht auf. Von Seiten der Betreiber heißt es in einem Blogeintrag, man nehme keinen Einfluss auf die Priorisierung der Themen. Twitter Trends würden automatisch nach einem Algorithmus generiert, der Themen nach dem bewertet, ob sie aktuell mehr als zuvor diskutiert werden. Kritiker vermuten dahinter allerdings nicht viel mehr als Ausreden. Tatsächlich ist es schwer zu glauben, dass Hashtags wie "#songsthatleadtosex" heftiger diskutiert werden, als das derzeit alles beherrschende internationale Nachrichtenthema. Es zeige sich, so die Kritiker, dass das US-Unternehmen Twitter offenbar kein neutraler Kommunikationskanal ist.
Blockade nutzlos?
Forbes stellt die Frage, ob Anonymous seine Attacken nun aus Rache auch
gegen die Betreiber der sozialen Netzwerke richten wird. Allerdings wäre
dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt nichts als kontraproduktiv. Laut
Twitter-Sprechern sei man aber auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Dass derartige Blockaden geringe Wirkung haben, zeigt sich in der Geschwindigkeit, in der die Aktivisten alternative Facebook- und Twitter-Seiten eingerichtet haben. So geht der Austausch auf Facebook unter "Operation Payback" und unter "Anon_Operationn" (mit zwei "n") wieder munter weiter. In einem aktuellen Statement auf Facebook und über eine Videobotschaft auf Youtube gibt sich Anonymous weiter kampfbereit:
"We Are Anonymous, We Are Legion And Divided By Zero. We Do Not Forgive Internet Censorship... And We Do Not Forget Free Speech. We Are Over 9000, Expect Us!"
Noch nicht vorbei
In einer Stellungnahme gegenüber der BBC sagte ein Vertreter von Anonymous, es werde wahrscheinlich weitere Angriffe als Vergeltung für das
Vorgehen gegen Wikileaks geben. "Immer mehr Leute helfen
uns", sagte ein Sprecher, der sich lediglich unter dem Pseudonym
"Coldblood" (kaltblütig) zu erkennen gab und nach eigenem Bekunden
Software-Ingenieur ist. "Die Aktion ist nach meiner Beobachtung
noch nicht vorbei", sagte er. Immer mehr Internetnutzer laden sich
demnach eine Software herunter, mit der Server angegriffen werden
können. "Wir versuchen, das Internet frei und offen für alle zu halten". Auf Twitter heißt es, dass die nächsten Angriffe in wenigen Stunden den Online-Händler Amazon treffen sollen. Amazon hatte vor einigen Tagen Wikileaks die Server abgedreht.
Indes meldet der wiederholt angegriffene Bezahldienst PayPal, dass man nach der Einstellung der Spendenzahlungen an Wikileaks, die Zahlungen wieder freigibt. Offenbar scheint der Druck der Aktivisten und die Angst vor längerfristigen Ausfällen und den damit einhergehenden Verdiensteinbußen Wirkung gezeigt zu haben.
Der Sprecher der deutschen Piratenpartei erklärte, die Attacken zeigten, wie hilflos sich Menschen angesichts des Vorgehens gegen Wikileaks fühlten. Würden ihre Stimmen gehört, würden sie nicht zu derart drastischen Mitteln greifen, sagte der Politische Geschäftsführer Christopher Lauer. Die Piratenpartei ruft nach seinen Worten nicht zu den Attacken auf, unterstützt aber Wikileaks weiter mit Rechnern, auf denen Kopien der Inhalte liegen, um von Internetnutzern gelesen zu werden. Er betonte, Wikileaks werde nur der Schwarze Peter zugeschoben. "Das eigentliche Problem ist nicht Wikileaks, sondern dass die US-Botschaften weltweit vertrauliche Gespräche in einer riesengroßen Datenbank gespeichert haben."
Der ganze Wikileaks Rummel bekommt durch, zum Teil, saudumme Aktionen neue Nahrung. Er ist die Zeit nicht wert, die ich brauche, dieses posting zu tippen.
Seinen Paypal Account zu kündigen tut den meisten nicht wirklich weh. Bei mir wars in wenigen Sekunden erledigt. Offenbar haben das ausreichen viele Nutzer gemacht, sodass die willfährigen Gartenzwerge das zu spüren begonnen haben. Sollte ich jemals wieder einen neuen Account anlegen, werde ich nur die allernötigsten Zahlungen darüber erledigen. Schade, dass es keine Konkurrenz dazu gibt.
Arbeite seit vielen Jahren parallel mit MoneyBookers.com (http://moneybookers.com/) und bin mehr als zufrieden damit (nicht ein einziges Problem bis heute).
Und seit 10 Tagen ausschliesslich.
Moneybokers haben als ERSTE überhaupt Wiklieaks-Zahlungen gestoppt, und zwar schon vor ca. 1-2 Monaten. Daher habe ich dort sofort mein Account gelöscht.
Ist also keine Alternative sondern die sprichwortliche Traufe.
Nein, bei mir ist die Seite sofort aufgebaut.
MoneyBookers arbeitet etwas anders als z.B. PayPal - daher könnte das bei denen so nicht aufkommen.
Ist dennoch absolut regulär.
Die Trends geben *nicht* an, welches Thema heftiger diskutiert wird, sondern inwieweit es a) neu ist und b) Beziehungsübergreifend diskutiert wird.
Und das ist auch gut so .. denn sonst hätten wir nämlich die Trending Topics mit Justin Bieber Schwachsinn voll.
Nebenbei, der Hashtag zur *Hacker*-Aktion #payback wird ganz normal gefeatured und der Anon-Account war bis auf das Verlinken von Kreditkarten-Nrn. up and running. Und der Ersatz-Account rennt problemlos.
Ich denk, dass grad Twitter für ein US-Unternehmen dieser Größe *DERZEIT* geradezu beeindruckend #wikileaks-freundlich positioniert ist.
Ich habe Paypal schon vor ein paar Jahren als unzuverlässig erlebt.
Ich habe die getestet und gesehen, dass ihre versprochenen Garantien nichts taugen, da sie nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Gebühren nehmen sie aber gerne trotzdem und wenn man etwas von ihnen will, dann verstecken sie sich vor einer irren Bürokratie. Das sehen andere auch so.
Für mich sind die kein verlässlicher Partner für finanzielle Dinge.
Jetzt sollte das eigentlich für alle Leute klar geworden sein.
Ich glaube, dass sich immer mehr Leute Anonymous anschließen werden...
Man denke nur an die ganzen Studierenden, die (nur z.B.) jetzt in Österreich gegen die Regierung sind. Mein rebellischer Geist ist erwacht und freut sich auf die Weiterentwicklung dieser doch revolutionären Bewegung.
Also ich glaube ein weiterer Film von Michael Moore steht uns ins Haus...
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