Einserkastl RAU

Andere Lernkultur

8. Dezember 2010, 21:46

Die Chinesen haben eine völlig andere Lernkultur - Österreich muss ehrgeiziger werden

Vor wenigen Tagen ein Artikel in der New York Times: Amerikanische Schulexperten sind verblüfft bis geschockt über das sensationell gute Abschneiden von Schülern in Schanghai beim Pisa-Test. Der Punktedurchschnitt bei Pisa ist etwa 500, die chinesischen 15-Jährigen erreichten beim Lesen 556 (zweiter Platz: Korea, 539). Die USA: 500 (Österreich 470, Letzter in der EU). In Naturwissenschaft erreichte Schanghai 575 (zweiter Platz Finnland mit 554), die USA 502 (Österreich 494).

Der Schock in den USA entsteht auch aus der Weltmacht-Rivalität mit dem aufstrebenden China. (NYT-Kolumnist Friedman lässt in einem erfundenen Wikileaks-Botschaftsbericht einen Chinesen sagen: "Der schnellste Zug zwischen New York und Washington braucht drei Stunden. Zwischen Peking und Tientsin, selbe Entfernung, brauchen wir 90 Minuten.") Aber die Analyse sollte dieselbe sein wie bei uns: Die Chinesen (die Koreaner, die Inder, die Vietnamesen ...) haben eine völlig andere Lernkultur - offiziell und privat: Staat und Eltern spornen die Schüler an, setzen sie sicher auch unter Druck, investieren aber auch massiv in Bildung. In den USA (und bei uns) sind vielfach Leistung, Anstrengung, Weiterkommen, Aufstieg suspekt.

Die konfuzianischen Werte in Asien - Gehorsam, Einordnung, Selbstausbeutung - sind nichts, was für uns generell erstrebenswert wäre. Aber wenn wir beim Lernen nicht ehrgeiziger werden, ist es aus mit unserem Wohlstand. (rau/DER STANDARD-Printausgabe, 9.12.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 135
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a b1
00
16.12.2010, 23:39
Pflicht zum Ehrgeiz

Wir haben wohl alle die Verpflichtung, noch mehr zum Fortschritt beizutragen, mit dem man eh nix anfangen kann, weil die Technik uns die Arbeit abnimmt und wir am Ende über Arbeitslosigkeit jammern?

Seien wir doch froh, dass die Jugend von heute offen ihren Unmut darüber zeigt, etwas lernen zu müssen, was sie aber sowas von überhaupt nicht interessiert.

Eine gute psychische Basis kann zukunftsträchtiger sein, als so manches Strebervolk!

Wolfi65
20
11.12.2010, 16:37

Also daß Amerikanische Schüler bei einem Test besser abschneiden als Europäische bzw. Oesterreichische kann ich mir eigentlich nur schwer vorstellen, besonders auf den Volksschul- bis Gymnasiumsniveaus.
Bin nicht in China aufgewachsen, aber meine Oesterreichischen Schulerinnerungen sind mir eigentlich hoellisch und unterdrückend genug.
Da koennen die gerne 100 Punkte besser abschneiden, wenn man den Verlust einer Kindheit als Gegenwert betrachtet.

gstanglt
00
10.12.2010, 10:04
lieber herr rauscher, bitte lesen sie diesen artikel

http://www.spiegel.de/schulspie... 33,00.html

ich gebe zu es gibt sicher verbesserungspotenzial im schulsystem und das leistungsdenken könnte ausgeprägter sein - ab ein solche kindheit klingt für mich wie hölle. übrigens läuft es so nich nur in korea. japan, taiwan... ist im prinzip gleich.

slaine mcroth
00
9.12.2010, 23:43

Da müsste man sich aber auch ansehen, wie das Bildungssystem in China aufgebaut ist, dh. zb. wieviele Kids in den Genuss solcher Schulen kommen, die sie bei Pisa so weit nach vorn befördern. Es ist ja genau diese Peak-Valley-Ideologie (ich nenn des jetzt mal einfach so, oh yeah!), die in Europa auf Uni-Ebene durchgesetzt wird auf Kosten einer breiteren, dafür nicht so "exzellent" geförderten gebildeten Masse. Bei den Schulen ist davon in Ö noch keine Rede, Lobbies wohl zu mächtig. Dennoch, ich bin mir nicht sicher, was für Europa besser werde. Wollen wir den American Way of Wealth and Risk oder eine großzügige soziale Markwirtschaft?

Chris_SM
01
9.12.2010, 19:32
Was bis jetzt vernachlässigt wurde

Jeder solle maturieren. Ich halte diese Vision die Vassilakou mit Gusenbauer teilt, für eine ganz gefährliche Drohung. Denn ich gehe davon aus, dass diese Vision nur dann Wirklichkeit werden kann, wenn man die Anforderungen massiv senkt. Und sie zeigt, dass die linken Bildungsvorstellungen ähnlich gefährlich sind wie die rechten. Gehen die einen von der Besitzstandswahrung aus, lehnen die anderen das Leistungsprinzip ab, auch damit die Schwächeren nicht so abgehängt werden. In dieses Bild passt auch die alte Forderung der SP die Maturaprüfung abzuschaffen, weil der Stress und so... Und die Grünen haben generell ein Problem mit Noten.
Eine fordernde anspruchsvolle Schule an der man sich als Schüler auch reiben kann ist immens wichtig!

Johann Dau
10
9.12.2010, 18:29

Kommt eigentlich niemand auf die Idee, dass die Chinesen nicht einfach ein bißchen bei den Ergebnissen nachgeholfen haben könnten? Wenn die Bögen vor der Abgabe noch schnell von den Lehrern ausgewertet werden, und das Ergebnis in die Schulnoten einfließt, dann wird die Motivation der Schüler schon eine andere sein als bei uns, wo sich viele wohl eine Gaudi daraus gemacht haben werden, absichtlich die falschen Antworten anzukreuzen.

Johannes Benn
01
9.12.2010, 18:08
.

ostasiaten haben bei iq tests im schnitt 10 punkte mehr. ich habe diese mitteilung eben schon mal gepostet, ich nehme an sie wurde durch die Zensur wegen Verdachts auf Rassismus nicht durchgelassen. Dabei möchte ich mich von Rassismus distanzieren, ich sage weder etwas über Gründe noch mögliche Folgen dieses Befundes. Nur sind die Testergebnisse nunmal eien Tsache die auch jeder nachlesen kann
http://en.wikipedia.org/wiki/Race... telligence

Paris Texas
00
9.12.2010, 17:35

schliesse mich dem vorletzten satz an - östliche werte wie gehorsam sind wirklich nicht erstrebenswert, ganz im gegenteil, das passt nicht zu unserem westlichen weltbild, in dem das individuum zählt. und dass die usa soviel punkte bekommen hat kann ich echt nicht glauben :o
ich weiss ja nicht, was genau dieser PISA test beinhaltet, aber würde man kreativität testen (die ja nebst intelligenz vor allem die fähigkeit zu flexiblem und freiem denken voraussetzt) hätte der westen jedenfalls die nase vorne. ob das am schlusslicht unseres landes in der eu etwas ändern würde kann ich nicht ausschliesssen, aber ich finde, DAS sind erstrebenswerte qualitäten, die nebenbei bemerkt auch zum wohlstand eines landes, einer kultur beitragen.

Aung San Suu Tschi
 
10
9.12.2010, 16:52
In der EU liest Österreich am schlechtesten: Weitere Verantwortliche

Die öst. Einstellung zum Lernen ist sicherlich das grundlegendste Übel. Da muss man Herrn Rauscher Recht geben.

Die undemokratischen Chinesen können nicht unser Vorbild sein, wohl aber die sehr demokratischen Finnen.

Verantwortlich für die öst. Schmach sind aber auch die Germanistischen Institute, die Pädagogischen Akademien und die Bibliotheken des Landes.

Im deut. und Schweizer TV gibt es mehrere Sendungen, die sich nur mit der Literatur befassen. Im ORF können wir Dominik Heinzl bewundern.

Die ZEIT und die NZZ haben ausführliche Literatur-Beilagen, während die Literatur in der PRESSE geschrumpft ist und im STANDARD nur ab und zu vorkommt.

Der online-Guardian bringt jeden Tag neue Buchbesprechungen und Autoren-Interviews.

Chien de Pique
10
10.12.2010, 01:33

Japan und Südkorea sind ebenfalls Demokratien, Taiwan auch noch, Singapur hat freilich schon größere Schönheitsfehler. Die sollte man im Eigeninteresse als potenzielle Vorbilder nicht alle gleich mitabservieren.

Ansonsten stimme ich Ihnen hier aber weitgehend zu.

Johannes Benn
01
9.12.2010, 16:46
.

was viele nicht gerne hören:
egal wo gemessen wird, in westlichen ländern wo sie als einwanderer leben oder in ihrer heimat, ostasiaten haben bei iq-tests im schnitt 10 punkte mehr als europäer

emma goldman
00

the repetiton does not support any evidence

Johannes Benn
06
9.12.2010, 16:43
.

ich habe eine chinesische freundin. sie hat mir erzählt dass in schulklasse in china die jeweils klassenbesten jungen von den mädels angehimmelt wurden.
hierzulande sind ja zumindest bis zur matura bei den meisten frauen gute schulische leistungen bei jungen männern ein makel

Poldi Fesch
00
9.12.2010, 18:57
das glauben

die Burschen, stimmt aber so nicht. 80% der sehr guten Schueler sind grottenfad, das verzerrt den Wettbewerb. Beim heiraten dreht sich das dann, nach 10 Jahren Ehe penelts wieder zurueck

rorschach
02
9.12.2010, 15:25
aha - sehr schön

das die quasi-diktatur in china soviel zur bildung ihrer bevölkerung (jedenfalls in Schanghai) beiträgt ... blöd halt nur das diese bloß nichts über demokratie oder gar demokratische vorstöße im land selber lesen dürfen - und das es in in anderen teilen chinas regelmäßig zu aufständen der entrechteten kommt (aber vll. können die nur einfach nicht lesen?) ....

Felix Meritis
32
9.12.2010, 15:20

Wie ehrgeizig war eigentlich Herr Rauscher beim Lernen. Gibt es einen Studienabschluss?

anders and
 
06
9.12.2010, 16:50
beim Studium des Journalimus

war früher der Abschluß nichts anderes als ein Beleg der Unfähigkeit.
Die guten Journalisten hatten alle eine Job, bevor sie daran denken konnten eine Diplomarbeit zu schreiben.

Felix Meritis
10
9.12.2010, 22:24

Kann sein, trotzdem nicht gerade ein Beweis für jene Strebsamkeit, die Rau hier fordert.

Johann Dau
10
9.12.2010, 18:19

Interessant, darauf wäre ich ehrlich nie gekommen. Nur frage ich mich, warum es neben dem Job so ausgeschlossen sein soll, noch eine Diplomarbeit zu schreiben? Heutzutage absolvieren ja nicht wenige Studenten fast ein ganzes Studium neben einem Vollzeitjob. Und Diplomarbeiten in "Journalismus" sollten sich doch irgendwie auch mit der Praxis verbinden lassen, denke ich?

Taji Soron
13
9.12.2010, 16:08

Ist das relevant (Studienabschluss oder nicht)? Ich meine nicht.

Insulaner1
31
9.12.2010, 14:03
In China

wird man auch mit ziemlicher Sicherheit verhungern wenn man nix lernt, in Österreich ist das nicht der Fall. Auch ein Ursache von vielen.

trollvottel
12
9.12.2010, 16:49

Du klingst fast wie der Marquis de Sade ("Willst du keine Fliegen im Boudoir? Dann verstreue keinen Zucker! Willst du keine Bettler in Frankreich? Dann verteile keine Almosen und schließe die Armenhäuser!" -- dass daran Hunderttausende verrecken würde, billigte der Marquis nachdrücklich. Er war also weniger verlogen also die Neoliberalen, die immer so tun, als würden sie nichts von den Folgen unmenschlicher Politik ahnen.)

thadoggpound
01
15.12.2010, 09:18
Zur Ehrenrettung de Sades...

muss schon gesagt werden, dass Sie hier naiverweise den Autor mit seinen Protagonisten gleichsetzen. Die Worte, die Sie hier de Sade zuschreiben, hat dieser in "Die Philosophie im Boudoir" dem Charakter Dolmancé in den Mund gelegt. Dass de Sades eigenes Leben nicht in allen Belangen mit seinen grausamen Libertins in Übereinstimmung zu bringen ist, zeigt allein schon seine langjährige soziale Tätigkeit in Paris. U.a. engagierte er sich als Sekretär der "Section de Piques" einige Jahre für die Verbesserung der öffentlichen Krankenhäuser (vgl. Lenning, Marquis de Sade in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 132).

sociovation
02
9.12.2010, 15:11
Stimmt

Unsere Kinder essen zu viel und sind deshalb blöd.
Manche Erwachsene auch.

Gerhard Eigner
07
9.12.2010, 13:14
meine eltern waren lehrer und ich habe

sehr wohl mitgekriegt wie sich die zeiten ändern.
heutzutage darfst als lehrer gar nix mehr sagen, weil sonst kommt der arme gekränkte schüler oder seine geschockten eltern am nächsten tag und du bist suspendiert.

meine frau war lehrerin (am land) in einem südamerikanischen land, natürlich kann man über die dortige ausstattung diskutieren, ABER: alle waren stolz in die schule gehen ZU DÜRFEN imd haben sich ANGESTRENGT, haben stolz ihre schuluniform getragen (würde ich sofort wieder aus gleichheitsgründen einführen) und die LEHRERIN war der gott, dem man zu gehorchen hat.
ich habe als gast auch mal dort unterrichtet...ich kam rein und es war still...man hat zuhören wollen..unglaublich.
alles hierzulande seit langem nicht mehr möglich

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