Ex-Insasse von Guantánamo erzählte in Wien von Haft
Wien - Sieben Jahre saß Mustafa Ait Idir in Haft, ohne zu wissen, ob er seine Familie je wiedersehen würde. Dennoch wirkt er nicht gebrochen. Er sei froh, wieder bei seiner Frau und den drei Söhnen zu sein, sagt er heute.
"Sie haben mich gekidnappt" , klagt der Bosnier mit arabischen Wurzeln. Ende 2001 wurde er in Bosnien verhaftet und in das US-Lager in Guantánamo gebracht. Die Militärs warfen ihm vor, Terrorakte geplant zu haben. Doch dafür sei nie auch nur ein Indiz vorgebracht worden, so Ait Idir. "Für mich ist das kein Tribunal, sondern eine Mafia." Vor zwei Jahren durfte er nach Bosnien zurück.
Das Schicksal Ait Idirs und anderer war Vorlage für den Film "The Response" , der am Dienstag inWien vorgestellt wurde. Anschließend sprach Ait Idir mit dem Diplomaten Wolfgang Petritsch und dem Juristen Manfred Nowak, moderiert von Standard-Redakteurin Adelheid Wölfl.
Seit seiner Rückkehr findet Ait Idir keinen Job. Man mache es ihm absichtlich schwer, klagt er. "Die Regierung will mich aus dem Land haben." Zuvor war der heute 40-Jährige PC-Techniker. Die USA setzten Bosnien 2002 unter Druck, dem gebürtigen Algerier die Staatsbürgerschaft zu entziehen, so Nowak. Es sei besonders grausam, wenn nach der Haft ein Stigma bleibe, fügt Petritsch hinzu.
Die Organisation Respekt.net versucht nunmehr, Ait Idir und anderen Ex-Häftlingen zu helfen. Mit Spenden soll es ihnen ermöglicht werden, in Sarajewo einen Copyshop aufzumachen. (fan/DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2010)