Die Lufthansa erwartet sich vom neuen AUA-Chef, dass er die Airline wieder in die Gewinnzone führt
Wie jetzt durchsickerte, wurde AUA-Vorstand Andreas Bierwirth angeboten, zur Lufthansa zu wechseln. Doch dieser lehnte ab.
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München/Wien - Für den scheidenden Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist der Karrieresprung des bisher konzernweit verantwortlichen Vertriebs- und Marketingchef Thierry Antinori an die Spitze der AUA "die logische Weiterentwicklung" von dessen Berufslaufbahn. Der aus Frankreich stammende Manager stehe schon länger auf der Förderliste des Konzerns, allerdings habe es bisher "nicht geklappt", sagte Mayrhuber vor österreichischen Journalisten in München.
Antinori, der sich bereits beim Wechsel von Christoph Franz (Mayrhubers Nachfolger) von der Swiss zur Lufthansa Hoffnungen machte, bei der Schweizer Tochter zu landen, bekam nun bei der AUA die Chance, ein ganzes "Unternehmen innen und außen zu begleiten". "Wir erwarten, dass er Gas gibt", betonte Mayrhuber. Schließlich soll die Österreich-Tochter wachsen und nicht dort stehenblieben, wo sie derzeit ist.
Aus Lufthansa-Kreisen dem Standard bestätigt, dass man im Zuge der Neubesetzungen innerhalb des Lufthansa-Konzerns AUA-Vorstand Andreas Bierwirth angeboten habe, von der AUA zur Lufthansa zu wechseln - ohne zunächst einen bestimmten Job zu nennen. Doch Bierwirth lehnte ab. Sein Vorstandsvertrag bei der AUA läuft noch bis Ende 2012.
Sparkurs
Angesichts des restriktiven Sparkurses der Airline dürfe Antinori der AUA keine zusätzlichen Kosten verursachen. "Abbau, Umbau, Wiederaufbau", skizzierte Mayrhuber die notwendigen Schritte bei der defizitären Airline. Weiteres Einsparungspotenzial ortet der gebürtige Oberösterreicher Mayrhuber nach wie vor in der Verwaltung. Die AUA mache heuer 50 Mio. Euro Verlust, pro Tag seien das 180.000 Euro. Das müsse man mit Kostenreduktion und höheren Erträgen wegbringen. AUA-intern rechne man für 2011 mit einem niedrigen zweistelligen positiven Ergebnis.
Vor diesem Hintergrund hat der scheidende Lufthansa-Chef kein Verständnis für die Forderung der 2600 AUA-Boden-Mitarbeiter nach einer zweiprozentigen Inflationsabgeltung. Mayrhuber: "Die müssen erst einmal Geld verdienen. Die Lufthansa hatte in den letzten beiden Jahren eine Nulllohnrunde, obwohl die Airline positiv war". Für 2011 gebe es eine Einmalzahlung von 700 Euro. Nachsatz: "Das hat auch was mit Konzernhygiene zu tun."
Einmal mehr kritisierte Mayrhuber die Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle am Wiener Flughafen, wenn wie etwa bei den C-Gates nur jeweils ein Band offen ist und die Passagiere Schlange stehen. "Dort schaut es ja aus wie vorm Mausoleum von Lenin", unkte er. Zum Jahresende zieht sich Mayrhuber, der seit 2003 an der Lufthansa-Spitze stand, aus dem operativen Geschäft zurück. "Für die Gehirnmassagen", wie er es nennt, bleiben dem 64-Jährigen Aufsichtsratsjobs bei UBS, Infineon, BMW, Lufthansa-Technik, AUA und der US-Technologieschmiede Heico in Florida. Zur Einstimmung auf mehr Freizeit hat er sich bereits einen Skipass für ganz Salzburg gekauft. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2010)