Websites vom Anwalt der Assange-Klägerinnen, Visa, Mastercard und Paypal lahmgelegt - Twitter-Account der Hacker gesperrt - mit Video
London - Der Online-Zahlungsdienst PayPal hat nach massiven Protesten der Wikileaks-Anhänger beschlossen, eingefrorene Spenden an die Enthüllungsplattform auszuzahlen. Doch für die Enthüllungsplattform bestimmte Zahlungen will das Unternehmen nicht mehr annehmen.
In der Nacht auf Donnerstag attackierten Wikileaks-Unterstützer die Website des Kreditkartenunternehmens Visa und legten diese zeitweise lahm. Offenbar wurde auch die Internetseite der schwedischen Regierung angegriffen. Nach der Verhaftung von Wikileaks-Chef Julian
Assange gehen Hackergruppen massiv gegen seine Gegner vor. Durch
einen Cyber-Angriff wurde am Mittwoch die Website des schwedischen
Anwalts lahmgelegt, der die Klägerinnen im Verfahren
gegen Assange vertritt. Massiven Attacken sahen sich auch Websites
von Firmen wie Visa, Mastercard und Paypal ausgesetzt, die der Enthüllungsplattform die
Zusammenarbeit aufgekündigt hatten.
WikiLeaks-Chef Julian Assange
steht nach eigener Aussage nicht hinter den weltweiten
Hacker-Angriffen auf Unternehmensserver. Sein Mandant habe keine
Anweisungen zu Attacken gegeben, sagte der
Londoner Anwalt des
Australiers am Mittwoch der
Nachrichtenagentur Reuters.
Weitere Angriffe angekündigt
Eine Hacker-Gruppe hat die
Fortsetzung ihrer Offensive angekündigt. Jeder mit einer
"Anti-Wikileaks-Agenda ist in unserem Angriffsbereich", erklärte die
Hacker-Gruppe Anonymous am Mittwoch in einem Internet-Chat mit der
Nachrichtenagentur AFP. Die Gruppe habe mit weniger als 50
Unterstützern angefangen und zähle mittlerweile schon rund 4000
Unterstützer. Sie würden überall via Internet in aller Welt
"rekrutiert", unter anderem im Netzwerk Facebook und über
den Kurznachrichtendienst Twitter.
"Das gegenwärtige Ziel ist Mastercard.com, aber jeder, der eine
Anti-Wikileaks-Agenda hat, ist in unserem Angriffsbereich", schrieb
das Hacker-Netzwerk. Assange bezeichnete es in dem Chat als "Märtyrer
der freien Meinungsäußerung".
Angriffe angekündigt
Dass es den unbekannten Aktivisten gelang, nach der Attacke bei Mastercard auch die Visa-Website vom Netz zu nehmen, ist umso erstaunlicher, da das weltgrößte Kreditkartenunternehmen Zeit zur Vorbereitung hatte. Die Gruppe "Anonymous", die auch hinter den bisherigen Angriffen vermutet wird, kündigte die Attacke auf Visa sogar eine Stunde im Voraus über den Online-Dienst Twitter an.
Twitter sperrt Account von "Anonymous"
In der Nacht auf Donnerstag wurde der Account der "Anonymous"-Gruppe von Twitter gesperrt. Eine Begründung dafür nannte der Kurznachrichtendienst zunächst nicht. Wie die britische BBC unter Berufung auf Kreise berichtete, habe die letzte gelistete Kurznachricht vor der Sperrung einen Link auf eine Datei enthalten, die Kundeninformationen von Kreditkartenbesitzern beinhaltet habe.
Assange hatte sich am Dienstag der Polizei in London gestellt,
nachdem die schwedische Justiz ihn per europäischem Haftbefehl
gesucht hatte. Grund ist die Klage von zwei Frauen aus Schweden, die
ihm Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorwerfen. Die Website
der Kanzlei ihres Rechtsvertreters wurde nun Ziel von
Hacker-Angriffen, wie der Anwalt der Frauen, Claes Borgström, in
Stockholm sagte. Er vermute, dass es sich bei den Angreifern um
dieselben Personen handele, die bereits am Dienstag die Website der
schwedischen Staatanwaltschaft attackiert hätten. Sie war für mehrere
Stunden nicht erreichbar gewesen.
"Operation Payback"
Weiteres Ziel von Cyber-Attacken war die Schweizer Postbank
Postfinance, die Assanges Konto gesperrt hatte. Die Website werde
weiter massenhaft mit sinnlosen Anfragen bombardiert worden, um sie
zu blockieren, sagte ein Sprecher der schweizerischen Post-Tochter
AFP am Mittwoch. Diese "Operation Payback" ("Operation Rache") habe
am Montagabend nach der Schließung des Kontos des australischen
Internet-Aktivisten begonnen.
Laut der Internet-Firma Panda Security wurde auch das
US-Internet-Bezahlsystem Paypal Ziel von Angriffen, das nach der
Veröffentlichung von Dokumenten des US-Außenministeriums durch
Wikileaks Zahlungen an das Enthüllungsportal eingestellt hatte. Eine
Aktivistengruppe namens "AnonOps" teilte über das
Kurznachrichtenportal Twitter mit, sie habe auch die Website des
Kreditkarteninstituts Mastercard lahmgelegt. Am Mittwochvormittag war
die Seite nicht mehr abrufbar. Ein Mastercard-Sprecher wollte auf
Anfrage nicht sagen, dass es sich um einen Hackerangriff handelte.
Mastercard hatte zuvor alle Kreditkartenzahlungen an das
Wikileaks-Portal eingestellt, das sich über Spenden finanziert.
Das US-Verteidigungsministerium wollte sich derweil nicht zu
Berichten äußern, dass Regierungsstellen ihrerseits hinter jüngsten
Angriffen auf die Wikileaks-Website stehen könnten. Das Pentagon
wisse nicht, was hinter den Problemen der Enthüllungswebsite stecke,
sagte ein Sprecher am Dienstag. Die US-Regierung hatte die
Veröffentlichung der Dokumente des US-Außenministeriums heftig
kritisiert und sucht derzeit nach juristischen Möglichkeiten, Assange
wegen Spionage anzuklagen.
Ungeachtet der Verhaftung von Assange publizierte Wikileaks am
Mittwoch weiter Dokumente des US-Außenministeriums. Assange bekam
seinerseits Unterstützung durch den britisch-australischen Staranwalt
Geoffrey Robertson, der ihn vertreten will. Der Menschenrechtler
hatte bereits Persönlichkeiten wie den britisch-indischen Schriftsteller
Salman Rushdie verteidigt. Eine Kreml-Quelle schlug Assange indes in
einer möglicherweise ironischen Äußerung für den Nobelpreis vor. (APA)