Lesen die Eltern viel, schneiden auch die Kinder besser ab - Im Vergleich zu PISA 2006 ist der Einfluss des familiären Umfelds noch höher geworden
Die PISA-Studie führt es einmal mehr zu Tage: Das Umfeld, in das Kinder geboren werden, spielt eine große Rolle für spätere schulische Leistungen. In den OECD-Ländern schneiden Schüler aus sozioökonomisch günstigeren Verhältnissen im Bereich Lesekompetenz besser ab als Schüler aus durchschnittlichen Verhältnissen. In Finnland hängen die Leistungen der Jugendlichen verhältnismäßig wenig vom sozioökonomischen Status der Familie ab. Der Zusammenhang ist in Österreich im OECD-Vergleich besonders hoch.
Bildungsgrad der Eltern ausschlaggebend
Das bedeutet, je höher der Bildungsgrad der Eltern, desto höher sind auch die PISA-Leistungen und umgekehrt. Beim Lesen erreichten Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss 399 Punkte, Kinder von Absolventen einer berufsbildenden mittleren Schule oder Lehre 455 Punkte, Kinder von Maturanten 483 und Akademikerkinder 520 Punkte (Österreich-Mittelwert: 470 Punkte). Im Vergleich zu PISA 2006 ist der Einfluss des familiären Umfelds noch höher geworden.
Auch in den Naturwissenschaften erreichen Jugendliche, deren Eltern maximal Pflichtschulabschluss haben, im Schnitt etwa 125 Punkte weniger als jene, deren Eltern einen tertiären Abschluss erworben haben.
AlleinerzieherInnen
Auswirkungen gibt es auch für Kinder, die in Ein-Eltern-Familien, also bei alleinerziehenden Eltern aufwachsen: Sie erzielen nach Berichtigung um den sozioökonomischen Hintergrund durchschnittlich um fünf Punkte weniger als Schüler aus anderen Familientypen.
Lesen die Eltern viel, hat das einen positiven Effekt auf die Leseleistung der Kinder. Auch das Vorlesen spielt eine Rolle. Kinder, die von ihren Eltern mindestens einmal pro Woche vorgelesen bekommen haben, schneiden besser ab, als jene, wo die Eltern seltener vorgelesen haben.
Schulform ausschlaggebend
Unabhängig von ihrem eigenen sozioökonomischen Hintergrund sind Schüler in Schulen mit sozioökonomisch begünstigter Schülerschaft in der Regel leistungsstärker als wenn sie in Schulen gehen mit Schülern eines ungünstigeren Hintergrundes.
Deutlich zeigt die Studie auch, dass in Ländern, in denen 15-Jährige auf verschiedene Bildungszweige aufgeteilt werden, die Gesamtleistung deshalb nicht besser ist. Je früher die Aufteilung auf verschiedene Zweige stattfindet, desto größer sind im Alter von 15 Jahren die Unterschiede bei den Schülerleistungen nach sozioökonomischer Herkunft, ohne dass deswegen die Gesamtleistung steigen würde. (rwh, derStandard.at, 8.12.2010)