Pisa

Lese-Unlust wird "vererbt"

8. Dezember 2010, 12:26

Lesen die Eltern viel, schneiden auch die Kinder besser ab - Im Vergleich zu PISA 2006 ist der Einfluss des familiären Umfelds noch höher geworden

Die PISA-Studie führt es einmal mehr zu Tage: Das Umfeld, in das Kinder geboren werden, spielt eine große Rolle für spätere schulische Leistungen. In den OECD-Ländern schneiden Schüler aus sozioökonomisch günstigeren Verhältnissen im Bereich Lesekompetenz besser ab als Schüler aus durchschnittlichen Verhältnissen. In Finnland hängen die Leistungen der Jugendlichen verhältnismäßig wenig vom sozioökonomischen Status der Familie ab. Der Zusammenhang ist in Österreich im OECD-Vergleich besonders hoch. 

Bildungsgrad der Eltern ausschlaggebend

Das bedeutet, je höher der Bildungsgrad der Eltern, desto höher sind auch die PISA-Leistungen und umgekehrt. Beim Lesen erreichten Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss 399 Punkte, Kinder von Absolventen einer berufsbildenden mittleren Schule oder Lehre 455 Punkte, Kinder von Maturanten 483 und Akademikerkinder 520 Punkte (Österreich-Mittelwert: 470 Punkte). Im Vergleich zu PISA 2006 ist der Einfluss des familiären Umfelds noch höher geworden.

Auch in den Naturwissenschaften erreichen Jugendliche, deren Eltern maximal Pflichtschulabschluss haben, im Schnitt etwa 125 Punkte weniger als jene, deren Eltern einen tertiären Abschluss erworben haben. 

AlleinerzieherInnen

Auswirkungen gibt es auch für Kinder, die in Ein-Eltern-Familien, also bei alleinerziehenden Eltern aufwachsen: Sie erzielen nach Berichtigung um den sozioökonomischen Hintergrund durchschnittlich um fünf Punkte weniger als Schüler aus anderen Familientypen.

Lesen die Eltern viel, hat das einen positiven Effekt auf die Leseleistung der Kinder. Auch das Vorlesen spielt eine Rolle. Kinder, die von ihren Eltern mindestens einmal pro Woche vorgelesen bekommen haben, schneiden besser ab, als jene, wo die Eltern seltener vorgelesen haben. 

Schulform ausschlaggebend

Unabhängig von ihrem eigenen sozioökonomischen Hintergrund sind Schüler in Schulen mit sozioökonomisch begünstigter Schülerschaft in der Regel leistungsstärker als wenn sie in Schulen gehen mit Schülern eines ungünstigeren Hintergrundes.

Deutlich zeigt die Studie auch, dass in Ländern, in denen 15-Jährige auf verschiedene Bildungszweige aufgeteilt werden, die Gesamtleistung deshalb nicht besser ist. Je früher die Aufteilung auf verschiedene Zweige stattfindet, desto größer sind im Alter von 15 Jahren die Unterschiede bei den Schülerleistungen nach sozioökonomischer Herkunft, ohne dass deswegen die Gesamtleistung steigen würde. (rwh, derStandard.at, 8.12.2010)

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Reg.Rat Borromäus Maschitz
00
9.12.2010, 19:25
der letzte absatz ist absolut manipulativ!

Vergib ihnen
01
9.12.2010, 11:52
wie gehts? die berühmte gutenachtgeschichte

ja, zB indem man jeden Abend eine Gutenachtgeschicht vorliest, so wie ich es getan habe. Und selbst wenn die Kinder dann keine großen leser werden, haben sie sprachliche kompetenzen. und verstehen leichter texte. Denn Verstehen udn Lesen lernen geschieht in erster Linie über eine Vermehrung und sinnhafte Einbindung von Wortschatz, von Erfahrung im Bau von Satzkonstrukionen. das ist schlicht Übung. Man liest den Kindern texte vor, von denen sie naturgemäß nicht jedes Wort verstehen können, aber verstehen lernen. so geschieht lernen, lesen lernen. Schlimm ist die verwendung des Begriffes VERERBT im Artikel. Bitte mehr Vorsicht und begriffliche Präzision. Vererbung ist was anderes.

George Costanza
01
9.12.2010, 15:22
Nicht schlimm, sondern der Schlüssel

Die Vererbung ist nichts schlimmes, sondern unter Menschen natürlich und normal.

Ich kenne ein ambitioniertes Lehrerpärchen, die den Beruf schon immer als Berufung verstanden haben. Sie haben ein Mädchen adoptiert und ihm von Anfang an ein vorbildliches und aufopferndes Elternhaus geboten. Trotz intensiver Nachhilfe ist der Aufstieg in die nächste Klasse jedes Jahr eine Zitterpartie.

Andreas1900
00
10.12.2010, 19:40
Beides trifft zu,

das ist Fakt.
Man behauptete oder mutmaßte, 60 - 80 Prozent seien vererbt, der Rest anerzogen, wie ich mal irgendwo gelesen habe.
Aber es wird wahrscheinlich doch so sein, dass die Veranlagung sich individuell extrem verschieden auswirkt.
Denn auch wie man Reize oder Anregungen aus der Umwelt wahrnimmt und annimmt und wie sich das so auf die Persönlichkeit und das Können auswirkt, das alles hängt schon wieder sehr stark von den Voraussetzungen ab - von dem Genmaterial also.

Sehr komplex, denk ich mir halt, bin aber kein Experte.

bernhardbernhard
00
9.12.2010, 05:17
was ich noch lustiger finde....

...wenn sich hier die Poster in eine mAnfall von Slbstbeweihräucherung die Kleists, Fontanes, Gides,.... um die Ohren hauen. Was trägt dies zur Lesefreudigkeit unserer Kinder bei?? ratlos, ratlos,...

Euer Verhalten zeugt eher von Bildungsspiessertum als von Lesefreudigkeit. Sorry.

Yes we try
01
9.12.2010, 02:21
In FINNLAND gingen die Leistungen in Lesen, Naturwissenschaft und Mathematik ZURÜCK!!!

Und jetzt bitte eine Schlussfolgerung dazu von kompetenter Seite!

Andreas1900
00
9.12.2010, 08:06

Es ist schwer bis unmöglich, die Plätze einzumentieren.
Gesetz der Serie.
Wenn aber Finnland in die 2. Hälfte abrutscht, sollten sie darüber nachdenken.

soso94
00
9.12.2010, 06:14

die Winter sind nicht mehr so kalt!

Geraldines_Tante
12
8.12.2010, 23:38
also doch

hatten anfangs einige vermutet, auch zugewanderte bildungsferne Schichten könnten da einen Faktor darstellen, wurde das offiziellerseits vehement dementiert. Jetzt ist die Katze aus dem Sack.

manfred derflinger
26
8.12.2010, 21:40

ist doch so einfach: Krone, Österreich und heute abschaffen, jeder liest Sandard, Presse, SN, Trend oder Profil, auf einmal liest man differenzierte Meinungen, ganze Sätze, und schon ist man der Intelligenz einen riesen Schritt näher.
Und unseren SchülerInnen soll man endlich aufhören vorzugaukeln, es gäbe die anstrengungsfreie Art des Lernens. Die hat noch niemand erfunden. Lernen ist Anstrengung und das sollte positiv gesehen werden.
sonst werden wir in Österreich in 20 Jahren das Plastikspielzeug für die chinesischen Kinder basteln, die dann im High Tech Himmel leben.

Franz Stefan
01
9.12.2010, 13:38
In Naturwissenschaft kann man sich mit dem Standard schwer verbessern

Es sei denn, man legt es darauf an, die Fehler in den Artikeln zu suchen.

Hans Müller1
 
01
9.12.2010, 06:05
lol, Sie überschätzen die Qualität österreichischer "Qualitätsmedien"

Lilith Boessse
 
00
8.12.2010, 20:24
aber so gaaaaanz neu ist das mit der "leseschwäche" jetzt nicht!

haben die bildungspolitiker, die pädagogoen, die lehrer bereits etwas unternommen?

weil: die bildungseinrichtung ist schon immer noch die schule! und wenn man eh schon weiß, dass die eltern zu hause anscheinend nachlassen, dann muss man eben dagegenwirken! hätte schon passieren können, da hätt man schon längst damit beginnen können!

Stimme der Vernunft!
00
9.12.2010, 09:21

Also die Lehrer ja. Meine Tochter (1.Kl. Gym) hat eine zusätzliche Stunde Deutsch in der Woche, in der nur gelesen und vorgelesen wird. Allerdings weiß ich nicht ob das nur an ihrer Schule so ist, oder an mehreren.

Sam Deer
 
11
9.12.2010, 06:22

Recht haben Sie, ich werd am Abend, nach meinem Job in einer Ganztagsschule, zu den lieben Kleinen nachhause gehen und vor der versammelten Familie Gutenacht-Geschichten vorlesen. Zwischendurch werd ich dann Mama und Papa das Naserl putzen, darauf achten, dass der Dackel nicht auf den Gehsteig gackt, der Oma die Zahnprothesen polieren und die Kinder rechtzeitig ins Bett schicken, nicht ohne vorher auf die entsprechende Hygienemaßnahmen zu pochen.

Gehts noch???

D/E
00
10.12.2010, 11:07
Sie, sagen Sie das nicht zu laut,

am Ende kommt noch jemand daher und behauptet, in Finnland/Südkorea/Shanghai (Ah, das ist jetzt ein Land?) machen die Lehrer das genau so.

Hans Müller1
 
00
9.12.2010, 06:06
das war bis jetzt nicht klar, es hieß bis jetzt immer politisch korrekt Schüler aus

bildungsfernen Schichten würden in der Schule "benachteiligt" - das impliziert dass die familiären Voraussetzungen nur insofern eine Rolle spielen als dass man deshalb in der Schule diskriminiert wird

Lemure
 
02
8.12.2010, 23:08
Das hätten die Lehrer längst gern getan,

aber die Schulgesetze erlauben ihnen nicht, von den lieben Kleinen etwas zu verlangen, was diesen keinen Spß macht. Und es gibt eben ca. 30% Kinder, denen Lesen leider keinen Spaß macht.

zahnfee
04
8.12.2010, 19:09
Kinder, denen einmal

die Woche vorgelesen wurde, schneiden besser ab?

erschreckend wenig oft.....

Königin Katzi-Bambi-Mausi
02
8.12.2010, 18:23

Was wird denn eigentlich heutzutage gelesen in Deutsch? Immer noch der Schüler Gerber und Effie Briest oder doch schon was neueres?

Round'n'round it goes
00

Beide Werke sind großartig! Und nicht umsonst Klassiker.

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
00
10.12.2010, 08:41
Aber ja doch

es gibt Neues: DAS PARFUM. Von Patrick Süskind. Ist der gleiche Süskind, der die Drehbücher zu Kir Royal geliefert hat. Da würde ich doch gleich die allseits bekannte und leider 2005 verstorbene Dr. Erika Fuchs als Literaturpäpstin anerkennen wollen. In diesem Sinne „schluck“, „stöhn“, „knarr“, „klimper“ „grübel“, „zitter".

Susanne_B
00
9.12.2010, 19:31

Effie Briest ist ein großartiges Werk!

Loxoceles
01
8.12.2010, 22:24

Ich wäre für: Andre Gide, Die Falschmünzer.

Poldi Fesch
02
8.12.2010, 19:24
bitte nix

gegen Fontane

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