Proteinpflanze

Wurst, Pasta & Co aus Blauer Süßlupine

7. Dezember 2010, 11:34
  • Artikelbild
    foto: thomas max müller/www.pixelio.de

    Die gezüchtete Blaue Süßlupine ist mit bis zu 40 Prozent Proteingehalt eine der eiweißhaltigsten Nutzpflanzen weltweit.

    Foto: Thomas Max Müller/www.pixelio.de

Lupinenproteinisolate ersetzen tierische Rohstoffe wie Milch, Fleisch oder Ei in Lebensmitteln

Rostock - Wir essen zu viel, wir essen zu fett, wir ernähren uns ungesund. Millionen Menschen leiden unter Adipositas, haben zu hohe Cholesterinwerte oder reagieren allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, wie beispielsweise Lactose. Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma stellt die Herstellung rein pflanzlicher Lebensmittel ohne jegliche tierische Bestandteile dar.
Einem Verbund aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelindustrie aus Mecklenburg-Vorpommern unter dem Namen „PlantsProFood" ist es nun gelungen, die dafür notwendigen Rohstoffe aus neuen Sorten der Blauen Süßlupine zu gewinnen. Die Erfolgsaussichten für das vom Life Science Netzwerk BioCon Valley geleitete Projekt sind so vielversprechend, dass es als Wachstumskern bis 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 4,2 Millionen Euro gefördert wird.

Qualitativ höherwertige Isolate

Als Zutaten in Lebensmitteln werden heute im begrenzten Umfang Lupinenmehle und Lupinenkonzentrate genutzt. Die qualitativ höherwertigen Produkte aus technologischer Sicht mit über 90 % Proteingehalt in der Trockensubstanz sind so genannte Isolate. Gegenüber Mehrstoffgemischen, wie sie Mehle darstellen, bieten Isolate aufgrund ihrer ausgeprägten technologisch-funktionellen Eigenschaften wie Emulgierwirkung, Schaumbildung, Gelbildung und Löslichkeit die Möglichkeit, gezielt die Struktur und Textur sowie die Sensorik von Lebensmitteln zu verändern. Sie sind in der Lage, vollständig tierische Rohstoffe wie Milch, Fleisch oder Ei in Lebensmitteln zu ersetzen. Die Lupinenproteinisolate sollen in den kommenden drei Jahren im Wachstumskern PlantsProFood für ihren jeweiligen Einsatz entweder in Backwaren, Fleischwaren, Feinkostprodukten, Teigwaren oder anderen Bereichen maßgeschneidert modifiziert werden.

Die in Mecklenburg-Vorpommern entwickelte und erfolgreich gezüchtete Blaue Süßlupine ist mit bis zu 40 Prozent Proteingehalt eine der eiweißhaltigsten und auf Grund seines züchterischen Potenzials auch gentechnikfreien Nutzpflanzen weltweit. Im Vergleich mit der ebenso proteinreichen Sojabohne ist die Blaue Süßlupine durch seine höhere sensorische Akzeptanz bei den Verbrauchern im Vorteil. Die bislang verfügbaren alternativen pflanzlichen Proteinisolate werden aus Ackerbohne, Erbsen oder Weizen gewonnen. Die Aromaprofile dieser Proteine weichen aber sehr stark von den Aromaprofilen von konventionellen Zutaten aus Ei- oder Milchproteinen ab. In Folge dessen bleibt der Einsatz von Proteinprodukten aus Ackerbohne, Erbsen oder Weizen auf sehr wenige, minderwertige Applikationen beschränkt.

Zielgruppen: Allergiker, Veganer, Vegetarier

Die zielgenaue Aufbereitung der sensorisch neutralen Lupinenproteinisolate für ihren Einsatz in verschiedenen Lebensmitteln ist ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern. Die Lebensmittelzutaten auf Basis Blauer Süßlupinen sollen an Lebensmittelproduzenten für die Zielgruppen Allergiker, Veganer, Vegetarier und Verbraucher mit hohem Ernährungsbewusstsein vertrieben werden. (red)

Kommentar posten
16 Postings
wwwtom
21
8.12.2010, 22:36
Rein pflanzliche, perfekte Alternativen sind heute schon problemlos zu bekommen.

Wer will bekommt die, wer nicht will räumt das Meer leer und den Tisch der Leute die in Entwicklungsländer wohnen. Aber gut, wenn es zunehmend Alternativen für die Industrie entwickelt werden, die vor allem den Boden schonen und keinen künstlichen Dünger benötigen.
Das Ganze will aber eh fast niemand hören, das ist zu unbequem und füttert die Tiermafia.

greenling
00
8.12.2010, 16:58
Wünsche mir einen gut recherchierten Artikel zu dem Thema,

da mich das als Vegetarier sehr interessiert - es gibt nämlich Studien - via google leicht zu finden, die besagen, dass lupineneiweiss höchstallergen ist! Überhaupt weiß man in dem ganzen Eiweißdschungel nicht, wem man glauben schenken soll! Ein bisschen mehr Recherche wäre schon sehr wünschenswert!

greenling
11
8.12.2010, 17:25
http://www.bfr.bund.de/cm/208/al... itteln.pdf

Die Frage ist, wie "schlimm" das im Vergleich mit tierischem Eiweiß oder anderen pflanzlichen eiweissarten ist!

Galm
 
00
8.12.2010, 10:33
Eisen

und wie sieht's mit dem Eisen aus??

Andreas Mittermayer
03
8.12.2010, 11:15
Sie brauchen kein Fleisch, um Ihren Eisenbedarf zu decken!

.
Siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Eise... _von_Eisen

http://www.naehrwertrechner.de/naehrstof... eisen.html

michael2008
00
8.12.2010, 01:06
ausgetestet

habs im garten schon ausgetestet. diese lupinen sind eine wahre freude, beim wachsen und beim ernten. mein aussaatversuch in meinem garten war erfreulich. nicht nur, dass da richtig prächtige blumen im gemüsebeet wachsen, die ernte macht spass. und die erde greift sich danach gut an.

eine mühle im innviertel verarbeitet schon richtig industriell, zumeist für deutsche lebensmittelfirmen.

eine große zukunft für diese nicht sehr heikle pflanze.

relatio subsistens
30
7.12.2010, 20:00

Ich höre schon die Veganer im Beisl politisch korrekt bestellen:

"A banierdä Süßlupine mid Pädasüeadäpfän und a Bionade dazua, bittschä!"

Was kann es Schöneres geben?

holodeck austria
00

meißtens sind veganer halt nicht die vollprolls, so von der sprache her....

Heinz Anderle
 
01
7.12.2010, 19:53
Es war der Alte Fritz,...

... der als erster die mageren Sandböden Preußens mit dieser Pflanze zu kultivieren versuchte.

Daß die Lupine als Eiweiß- und Ölpflanze durch Knöllchenbakterien den Stickstoff selbst bindet, läßt sie als ressourcenschonende Alternative zu importiertem Soja besonders interessant erscheinen.

Durch konsequente Anwendung wissenschaftlicher Methoden sollte Europa seine Abhängigkeit von Futtermittel- und Energieimporten konsequent zu verringern trachten.

Dr. Heinz Anderle, abendländischer Freigeist

Alpensaga_Wurzel
00
7.12.2010, 22:43
Wäre so,

wäre nicht Soja, so wie die Süßlupine, eine Leguminose. Somit kann auch Soja Stickstoff durch Hilfe von Knöllchenbakterien bilden und aufnehmen.

Heinz Anderle
 
00
8.12.2010, 10:27
Soja wird bei uns auch angebaut,...

... aber m. W. wird der Großteil als Futtermittel importiert.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

werwolfi
01
7.12.2010, 14:47

1. Assoziation: Dennis Moore von Monty Python:
http://www.youtube.com/watch?v=MH5OnkzI6fo
:oD

Matthias Steinkogler
 
00
7.12.2010, 14:20
Dennis Moore, Dennis Moore

He takes from the rich and gives to the poor.

I want you to hand over all the lupines you've got!

Zinnmo
 
014
7.12.2010, 14:00

1. Wieso steht da (red) unter dem Artikel? Der kommt zu 100% aus der PR-Agentur der verarbeitenden Firma.

2. Der Artikel tut so, als gäbe es keine Allergien auf pflanzliche Lebensmittel. Doch, die gibt es. Zu Hauf. Auch fett werden kann man als Vegetarier, man kann mangelernährt sein (sogar leichter als mit Fleisch)... Ich glaube, es ist klar, worauf ich hinauswill. Nicht jeder Vegetarismus ist gesund, auch nicht jede Fleischkost.

Um sich gesund zu ernähren, sollte man sich von derart hochverarbeiteten Lebensmitteln eher fernhalten. Hier geht es nicht um natürliche Lebensmittel, hier geht es um die Lebensmittelindustrie, hier geht es um neue Zusatzstoffe, damit jeder Dreck schmeckt.Am Ende werden daraus wohl Veggieburger beim Mac.

erix
12
8.12.2010, 08:24
zustimmung...

dem kann ich nur zustimmen. als ich die worte "isolate", "maßgeschneidert modifiziert" oder "zielgenaue Aufbereitung" gelesen habe, war klar worum es ging... wieder nur ein neuer versuch, hochverarbeitetes als gesundes an den konsumenten zu bringen... nahrungsmittel anstelle von lebensmittel (Kollath oder Bruker?).
aber da es den meisten menschen leider völlig egal ist, was sie jeden tag in sich stopfen, reicht genug werbung und man wird damit erfolg haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.