Verhandlungs-Endspurt im Luxus-Resort

6. Dezember 2010, 17:31

Österreich in internationalem Klimaindex weit hinten – Oberösterreich bei Konferenz der Modellregionen

Während draußen Palmen die Straße säumen und schwerbewaffnete Polizisten misstrauisch die vorbeifahrenden Autos mustern, sollen drinnen grüne Plastikgirlanden und goldenes Lametta für etwas Weihnachtsstimmung sorgen. Eine Krippe mit einem zu groß geratenen Christkind ist aufgestellt. Eine mexikanische Band versucht, zu den Klängen von "La Bamba" Stimmung zu machen. An den Tischen im Restaurant "La Parilla" im Zentrum von Cancún sitzen Diplomaten, Delegierte - Entspannung nach anstrengenden Verhandlungen.

Der Klimawandel, sagt Chefkellner Javier, spiele für ihn keine Rolle - aber der Gipfel sei gut. "Das heißt für uns: viele Gäste."

Ähnlich sehen es die Hotels, die sich in der "Hotelzone" entlang des Strands auf 28Kilometern aneinanderreihen. Alle Luxusnamen sind vertreten. Auf Kilometer 25: das Moon Palace, wo Diplomaten aus aller Welt versuchen, zumindest Ansätze eines neuen Klimaabkommens zu skizzieren.

In dieser Woche reisen die Umweltminister an, um weiterzuverhandeln, darunter auch Österreichs Minister Nikolaus Berlakovich. Er ist von NGOs scharf kritisiert worden. Germanwatch hat am Montag einen Klimaschutzindex präsentiert, von 57 Ländern ist Österreich auf Platz 40 gelandet. Das zeige, dass in Österreich noch dringender Handlungsbedarf bestehe, kommentiert Johannes Wahlmüller von Global 2000.

Angesichts zäher UN-Gespräche versuchen auch Initiativen am Rande des Gipfels, Fortschritte zu erzielen. Im Netzwerk Klimaschutz-Modellregionen haben sich vor fünf Jahren 60 Regionen zusammengeschlossen, um beste Ansätze auszutauschen. Auch Oberösterreich ist dabei. In Cancún wollen sie vor allem Regionen in China animieren mitzumachen. Der Grüne Landesrat Rudi Anschober: "Dort, wo es auf nationaler Ebene schwierig ist, kann man regional oft viel machen." (Julia Raabe aus Cancún/DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2010)

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