Na gut, dann halt noch Trüffel

4. Oktober 2011, 17:01
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Nicht mehr lange zur Langhe 2011 - Auf den letzten Metern im Piemont kam die Posse nicht um die Knolle herum

Zehn Jahre Piemont-Posse, das könnte man natürlich mit einer All-Stars-Woche feiern. Also mit Madonna delle Neve in Cessole, mit der Osteria del Vignaiolo in La Morra, mit Mercato del Maurizio in Cravanzana, über den ich noch gar nicht geschrieben habe, die Cantina dei Cacciatori in Monteu Roero, nicht zu vergessen Il Centro in Priocca, La Coccinella in Serravalle Langhe, neuerdings Il Torre in Cherasco und noch neuerdingser Santisé in Calliano. Nur: Wenn wir's uns so einfach machten, könnten wir Sie zum Beispiel nicht aus Überzeugung ins Santise schicken. Zum Jubiläum also der ganz und gar untraditionelle Plan: keine Fixpunkte, nur neue Wirten. Gar kein schlechter Plan.

Überschätzte Trüffeln

Piemont? Aha, Trüffel! Wie oft hab ich diese Worte in zehn Jahren schon gehört, als ich meine Urlaubspläne für den jeweiligen Herbst erwähnte (Sie sehen, dieser Eintrag ist nicht ganz erntefrisch). Wie oft hab ich geantwortet: Nein, wegen des Weins. Und weil im November nicht soviel los ist wie im September und Oktober, wenn Trüffelmarkt in Alba ist und in der ganzen Langhe großer Bohei. Und weil ich Trüffel ohnehin für relativ überschätzt halte. Ignorant? Mag sein.

Ein Trüffelgericht pro Trip, vielleicht zwei, manchmal auch gar keines: So knollenkarg fällt der Schnitt meiner ersten zehn Jahre Piemont aus. Ich bin ja eher ein Freund des Steinpilzes, auch und insbesondere hier in der Gegend. Wenn man ihn mir nicht paniert.

Unkende Schweizer

Steinpilz zum Beispiel im Ristorante Rabayá in Barbaresco, benannt nach einer netten Riede hier. Auf das Lokal stießen wir, weil wir nicht der russischen Reisegruppe vom Winzer (Cascina Luisin) in die Trattoria Antica Torre folgen wollten, was nicht an der ausgesprochen feinen Trattoria liegt.

Nun, im Rabayá aßen wir dafür mit Schweizern, deren lauteste Vertreterin Hilberg am Häusel anschnauzte, dass er sich nach der Verrichtung die Hände waschen soll. Die forsche Frau zog nicht in Betracht, dass der Italiener in diesen Breiten mit Waschgelegenheiten in seinen Örtlichkeiten selten geizt - und Hilberg sich schon in jenem Raum die Pfoten gereinigt hatte, den zu betreten ihr verwehrt ist. Pfnurn, grantelte der über jeden hygienischen Zweifel erhabene Hilberg noch Stunden vor sich hin. Vielleicht hätten wir doch die Russen wählen sollen.

Dann aber hätte ich die wunderbaren gegrillten Steinpilze, begleitet von einem knallorangen Eidotter, verpasst - und damit einen kleinen Höhepunkt dieses Ausflugs. Die grünen Tagliatelle mit Steinpilzen und Zucchini waren dann nicht mehr ganz so aufregend, aber in meinem Alter kann man ja auch trotz viel Rotwein schon das Herz schonen. Die werten Mitesser zeigten sich vom Carne Cruda angetan, man bekommt ja sowenig rohes Fleisch hier. Die Tajarin mit Fleischsugo gefielen ihnen, die Kastaniengnocchi waren nicht von fehl. Und die Schweizer kann man ja, so gut es geht, ignorieren.

Sottopaletta unter den Gaumen

Und weil wir gerade am Erkunden waren, fragen wir Danilo Nada (ja, der Sohn des Barbaresco-Produzenten) nach neuen Lokalen nicht allzu weit von La Morra. Der hat ja immerhin schon für den einsamen piemontesischen Dreihauber Piazza Duomo gearbeitet. Nada junior empfiehlt uns in die neue Locanda del Centro, die ein junges Paar in Castiglione Faletto betreibt.

Nicht gerade überlaufen, das Lokal am Freitagabend, spät im Jahr, hoffentlich belebt sich das noch, sonst müssten wir uns sorgen. Menü um 25 Euro wäre ja an sich schon ein Anziehungspunkt für mich Preis/Leistungsesser, aber dann auch noch gut, eher schon sehr gut? Fünf Antipasti, je drei Primi, Secondi und Dolci auf der Karte, was braucht man mehr?

Zum Beispiel der Brasato vom Rind, Sottopaletta, um genau zu sein, aber verlangen Sie von mir Universaldilettanten bitte nicht zu verorten, wo das am Tier liegt. Sachdienliche Hinweise über "Rinderbrust" hinaus immer gerne. 

Hilberg landet mit seiner Lammkeule den secondotechnischen Haupttreffer des Abends. Und Peball nimmt sich aus dieser Wertung, indem er einfach mit einem Primo aufhört. Der Risotto mit ordentlich Käse (Raschera) und Balsamico erweist sich halt als relativ unspektakulär.

Doch noch Knolle

Davor zwei Antipasti, man kriegt hier ohnehin viel zuwenig rohes Fleisch, also zum Abschied noch zweimal (sehr schönes) Carne Cruda und einmal Vitello tonnato für Hilberg, auch nicht übel. Und weil's der letzte Abend ist, und weil ja die anderen alle ins Piemont fahren, um Trüffel zu essen, auch wenn die total überschätzt sind: Uovo in Cocotte con Tartufo. Sehr schön, das Ei, sehr rich, und durchaus erfreulich belegt. Man kann schon auch wegen der Knollen herfahren. 

Piemont 2011 ist nicht mehr weit. Also könnte ich ja nach unserer Jubiäumspause eine Ehrenrunde einlegen. Ich hab da schon einen Plan: Madonna, Maurizio, Vignaiolo, Coccinella, Cacciatori, Centro, Torre, und wenn sich die Eselbacke im Santisé ausgeht, bin ich auch nicht böse. Wir könnten auch ein paar Trüffelgänge einstreuen. Aber erst geht's nach Borgomanero. Wo das Abendessen mindestens zwei PS hat. Bleiben Sie dran.

PS: Jetzt merk ich erst, wieder mal Italien passt eigentlich auch nicht schlecht zur Slowfoodmesse in Wien kommende Woche, bei der Kollege Corti seinen neuen Fressführer vorstellt. Umso mehr gleich nächste Woche in Schmeck's wieder ein Förderkreis - allerdings nur einer der Piemont-Posse.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Fidlers Food-Fotografie im Rabaya
Ristorante Rabayawww.ristoranterabaya.itDreimal zwei Gänge, Wein, Wasser, Kaffee: 95 Euro
    foto: bernhard peball

    Fidlers Food-Fotografie im Rabaya

    Ristorante Rabaya
    www.ristoranterabaya.it
    Dreimal zwei Gänge, Wein, Wasser, Kaffee: 95 Euro

  • Carne Cruda, darf nicht fehlen
    foto: bernhard peball

    Carne Cruda, darf nicht fehlen

  • Sehr schön, sehr gut: Steinpilze mit Ei.
    foto: bernhard peball

    Sehr schön, sehr gut: Steinpilze mit Ei.

  • Nochmal Pilze, diesmal auf grün
    foto: bernhard peball

    Nochmal Pilze, diesmal auf grün

  • So sieht das Centro in Castiglione Falleto aus, nicht verwechseln mit dem wunderbaren Namensvetter Il Centro in Priocca.
Locanda del Centrohttp://www.locandadelcentro.itDreimal drei Gänge, einer mit Trüffeln, Wein, Wasser, Kaffee: 180 Euro.Haben auch Zimmer, seh ich gerade.
    foto: bernhard peball

    So sieht das Centro in Castiglione Falleto aus, nicht verwechseln mit dem wunderbaren Namensvetter Il Centro in Priocca.

    Locanda del Centro
    http://www.locandadelcentro.it
    Dreimal drei Gänge, einer mit Trüffeln, Wein, Wasser, Kaffee: 180 Euro.
    Haben auch Zimmer, seh ich gerade.

  • Und so das Vitello tonnato
    foto: bernhard peball

    Und so das Vitello tonnato

  • Da war sie ja, die Trüffel, auf dem Uovo in Cocotto
    foto: bernhard peball

    Da war sie ja, die Trüffel, auf dem Uovo in Cocotto

  • Huch, ein Dessert: Panna Cotta
    foto: bernhard peball

    Huch, ein Dessert: Panna Cotta

  • Und gleich noch eins
    foto: bernhard peball

    Und gleich noch eins

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