Fernsehzukunft

Netflix: Die TV-Revolution ist günstig, bequem und on-demand

Zsolt Wilhelm, 19. Dezember 2010, 12:10

Der US-Anbieter zeigt, wie es geht - Ein Blick hinter die Kulissen

Der Gedanke, Filme und Serien auf Bedarf und zu jeder Zeit ansehen zu können, ist verlockend. In den 1980ern und 1990ern füllte man zu diesem Zweck Schränkeweise Kästen mit Videokassetten, Anfang 2000 verdrängte die superschlanke DVD die unhandlichen Magnetbänder. Doch egal ob VHS oder Blu-ray: Der Aufbau einer persönlichen Videothek auf Basis von physischen Datenträgern ist nicht nur teuer, sondern auch recht umständlich.
Seit der Verfügbarkeit von größeren Internetbandbreiten ist es einfacher denn je, Medien zu konsumieren. Doch die viel beschworene Fernsehrevolution dank Video-On-Demand-Diensten (VOD) ist dennoch bislang ausgeblieben. Zum einen Teil hapert es an der Verfügbarkeit von Inhalten und zum anderen Teil sind überhöhte Preise daran schuld. Beide Faktoren bedingen, dass der Nutzung von Tauschbörsen und illegal verbreiteten Inhalten in zahlreichen Ländern immer noch keine attraktive Alternative gegenübersteht.

Netflix ändert alles

Wie die Fernsehzukunft aussehen könnte, zeigt seit wenigen Jahren das US-Unternehmen Netflix. Der gleichnamige Dienst startete 1997 als DVD-Abo-Service und verzeichnet mittlerweile rund 16 Millionen Kunden, die Filme und Serien zu einem Großteil (auch) über ein unlimitiertes Online-Streaming-Angebot beziehen. Für knapp 8 US-Dollar im Monat können US- und kanadische Kunden aus zehntausenden Werken aller großen Hollywood-Studios wählen und diese so oft sie wollen und wann sie wollen ansehen - HD-Inhalte inklusive. Der Zugang wird ebenfalls leicht gemacht: Wer will kann Netflix über den PC, eine Streaming-Box, eine Spielkonsole, das Handy oder über ein anderes der 200 unterstützten Geräte beziehen. Damit ist Netflix so günstig und flexibel, dass man selbst den Aufwand, nach einer kostenlosen Kopie das Netz zu durchstöbern, in Frage stellt.

Hindernis "Lizenzen"

Das Angebot scheint jedenfalls zu stimmen und die Nachfrage ebenfalls. Seit einem Kurstief vergangenen Jänner hat sich der Aktienwert vervierfacht. Der Marktwert wird auf 10 Milliarden Dollar geschätzt, 2009 lag der Profit bei knapp 200 Millionen Dollar. Doch obwohl der Ausblick ebenfalls rosig ist, gibt es für die Netflix-Revolutionäre rund um Firmenchef Reed Hastings noch jede Menge Hindernisse zu überwinden, bevor in internationalen Maßstäben gedacht werden kann. Das größte Problem für Streaming-Anbieter stellt der Erwerb von Ausstrahlungslizenzen dar.
"In den USA besagt ein Gesetz, dass es erlaubt ist, DVDs zu vermieten, wenn man sie kaufen kann. Daher haben wir alle Filme auf DVD. Für das Streaming über das Internet müssen wir eine separate Lizenz erwerben. Das ist ein ziemlich komplizierter Prozess, da Hollywood-Studios nicht für alle ihre Filme Streaming-Lizenzen anbieten. Das liegt daran, dass andere Anbieter bestimmte Lizenzen für sich gesichert haben", erklärt Konzernsprecher Steve Swasey im Gespräch mit derStandard.at die Problematik.

Eine Frage des Preises

Gleichzeitig muss Netflix drauf achten, dass Lizenzen zu einem Preis erworben werden, der bei 8 Dollar monatlicher Pauschale noch einen Gewinn für die Anleger ermöglicht. Vergleichbare Dienste wie Apple TV oder Kabelanbieter verlangen von Kunden 3 bis 5 Dollar (oder Euro) pro gestreamten Film - die Diskrepanz ist demnach enorm. Laut Swasey sei dies der Hauptgrund, weshalb noch nicht alle Inhalte online zur Verfügung gestellt werden können. " Wir haben von Disney bis Sony alle an Board. Doch wir müssen für jeden einzelnen Film Streaming-Lizenzen erwerben."

Gefahr für Kabelanbieter und schwierig für Medienkonzerne

Wenngleich der Umfang des Online-Angebotes noch nicht mit konventionellen Videotheken mithalten kann, wird Netflix in der Branche als wachsende Bedrohung für konventionelle TV-Sender, SAT- und Kabel-TV-Betreiber gesehen. Eine Rolle, in der sich die Betreiber selbst nicht gerne sehen, bestätigt Swasey. Netflix ersetzte traditionelles Fernsehen nicht, heißt es im Konzernsprech. "Die Leute wollen nachwievor Nachrichten, Sport und Live-Übertragungen. Sie können die Weltmeisterschaft oder die Oscar-Verleihung nicht auf Netflix sehen." Das Top-Argument für Auslegung komplementäre, bezieht zwischen den Zeilen allerdings bereits den Substitutionsgedanken mit ein - ob gewollt oder nicht. "Das Schöne an Netflix ist, dass es so günstig ist, dass man deshalb auf nichts verzichten muss. Für 8 US-Dollar im Monat erhalten Sie unlimitierten Zugang zu Filmen und TV-Serien", so der Konzernsprecher.

Einer Studie des Marktforschungsunternehmens BTIG Research nach, dürften auch die Medienkonzerne selbst nicht hundertprozentig mit Netflix Erfolg zufrieden sein. Denn die Einnahmen durch Netflix fallen je nach Deal weitaus geringer aus, als jene durch Bezahlfernsehsender, die weit höhere Fixkosten von ihren Sehern einfordern. Ein Grund, weshalb Studios mitunter den Start für Filme über Streaming-Services bis zu ein Monat nach dem DVD-Start ansetzen.

Start in Europa?

Wann Netflix auch außerhalb Nordamerikas zugänglich sein wird, steht indes in den Sternen. "Wir wollen international Fuß fassen. Aber wir haben noch keine Angaben dazu gemacht, in wann und in welche Länder wir expandieren möchten", bestätigt Swasey. Wann der Dienst nach Europa kommt, wird nicht zuletzt stark vom Erfolg in Kanada abhängen, meinte im Vorfeld bereits Firmenchef Hastings. Die größten Hürden werden auch hier wieder die Lizenzrechte sein. Aber im Prinzip sei dies "ein Start von Null weg".
Bis dahin soll Netflix die Expansion auf Endgeräte weiter vorantreiben. Swasey zufolge stünde als nächstes Googles offene Plattform Android an.

(Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 19.12.2010)

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Netflix

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Peter Nowotny
00
21.12.2010, 16:38
Netflix

Ich bin bei Netlfix seit 2003. Momentan bezahle ich fuer 3 DVD's (Rotation) US$16.00 pro Monat. "Streaming" fuer US$8.00 pro Monat (unbegrenzt) ist natuerlich bequem, aber die Qualitaet ist NICHT das Gleiche. Bei "Streaming" gibt es weniger Auswahl. Ab 3. Jaenner 2011 fuer 3 DVD's und "Streaming" erhoeht sich der Preis auf US$19.00.

Gestern war Donnerstag
02
20.12.2010, 14:24
Wisst ihr, was ich am "alten" Fernsehen so schätze?

Ob ich mir 24 Stunden lang Nachrichten oder Unterschichten-Soaps ansehe, keiner bekommts mit. Ob ich 1 Stunde am Tag fernsehe oder 10, keiner bekommts mit, ob ich mir gegen Null Uhr die Sendung mit den freizügigen, leicht bis unbekleideten Damen oder die Politdiskussion ansehe, keiner bekommts mit.

Das nennt sich Privatsphäre und das ist gut so.

Der junge Jim Kirk
00
20.12.2010, 16:35

Da ich eh stündliche meinen fb status aktualisiere bekommt auch mein fernsehverhalten jeder mit ;-)

ayur veda (m.)
00
20.12.2010, 14:55

stimmt, wenn terrestrisch oder per sat

stimmt nicht, wenn über kabel oder ip-tv

Ana Bolika
00
Ad. Satelliten-TV: ob und wo sich die ORF-Satkarte einlogt, sollte meines Wissens auch nachvollzogen werden können, schließlich muss ja auch von der entsprechenden Software festgestellt werden, ob eine Karte x nicht bereits in einem anderen Gerät in

Verwendung ist. Und wenn da geschieht, ist die Einschränkung des Personenkreises, welcher als Nutzer in Frage kommt und somit das Nutzerverhalten auch recht leicht nachvollziehbar, zumindest die ORF-Satkartennutzung betreffend...

Bolivar Atasco
 
01
20.12.2010, 13:18
Und wenn man den Artikel.....

mit den Aussagen des Time Warner Chefs liest, zeigt sich, dass sich ein günstiges Flatrate-Angebot auch nicht mit den Erwartungen der Content-Mafia vereinbaren lässt (Stichwort Netflix und die albanische Armee)......... und dann kann man sich schon ausmalen, welche Folgen das für diese Dienste hat. Die Content-Mafia wird unter dem Druck der Kabel- und Pay-TV-Betreiber bei den nächsten Lizenzverhandlungen mit Netflix & Co ordentlich mehr fordern, und damit ist das Geschäftsmodell schwer in Gefahr. Und wenn sich die Dienste dann die Lizenzgebühren nicht leisten können, verkommt deren Angebot zum Ramschladen mit zweit-, dritt- bis letztklassigen Filmen/Serien.

ernst thaelmann1
00
20.12.2010, 19:48

Heroes und Lost z.b. Sind beide drinnen, alle seasons. Dies ist schon ein Grund.

yomellamo
01
20.12.2010, 13:57

... und damit fördert die filmindustrie dann wieder das "lizenzmodell" bittorrent.

Böses Tetragrammaton
00
20.12.2010, 13:04

Um acht Euro im Monat überleg ich aber auch nimmer lang.

Das Problem ist halt: Eine DVD habe ich auch noch, wenn der Saturn pleite geht. Wenn Netflix oder ein anderer Anbieter geht, muss ich mir das alles nochmal besorgen.

h 90
00
20.12.2010, 16:43

ein weiterer Punkt: Wann ist es verfuegbar.
Bittorrent zumeist mit dem Kinostart. Wenns jetzt bisserl laenger dauert dafuer ist die Qualitaet sicher super dann ist es OK, aber wenn man ein Jahr wartet dann nicht.

Ronald Tekener
00
20.12.2010, 14:26

Im Prinzip schon - aber wieviele Filme schaut man sich wirklich öfter als einmal an? Diejenigen, auf die das zutrifft, kann man immer noch als DVD/Blu-Ray/[*] kaufen. Die restlichen schaut man halt über Netflix.

[*] zukünftiges Medium bitte selbst einsetzen. ;-)

Böses Tetragrammaton
00
20.12.2010, 14:28

Jaeh. Ich hab halt ein paar so Klassiker, die ich ein Mal pro Jahr brauche. Aktuell: Scrooged zB läutet bei mir immer die Weihnachtszeit ein, A Christmas Story ist Pflicht in selbiger Woche. Sowas in der Art.

Aber prinzipiell hast natürlich Recht. 90 Prozent meiner DVDs verstauben im Regal.

Insulaner1
00
20.12.2010, 13:52
die frage ist eher

was da alles drinnen ist. nur aktuelle serien oder auch serien die vor 20 oder 30 jahren entstanden sind. filme etc. detto.

Karottensammler
00
20.12.2010, 13:25
Ich sag nur "Cache" ;)

Böses Tetragrammaton
00
20.12.2010, 13:31

Ja, aber das ist dann ja wieder nicht legal. Da kann ichs mir gleich 'organisieren' ;)

Wickinger
00
20.12.2010, 12:35

wenn netflix den sprung über den teich schafft bin ich der erste der sich ein abo kauft (wenn sich's preislich in einem ähnlichen Rahmen bewegt wie in Amerika - 5$)

ceggerl
00
20.12.2010, 13:17

wird wohl wie bei allem 1:1 umgerechnet als statt 8 Dollar 8 Euro.
DVDs und Blurays kauf ich nie bis selten, weil man die Filme eh nur ein-2mal anschaut und dann nur den Platz vollstellen.

Der junge Jim Kirk
00
20.12.2010, 16:37

Was ja noch immer ein lercherlschaas gegen die 11,99 pro film sind die mir mein lg fernseher nach dem letzten firmwareupdate vorschlägt.

Baer8
00
20.12.2010, 12:24
Ich wünsche mir einfach nur unbhängig vom ORF zu sein...

und das ansehen zu können, was ich möchte ohne an diesen Sender Abgaben liefern zu müssen. Der ORF sollte dem freien Wettbewerb ausgesetzt sein und nicht die Möglichkeit haben sich hinter staatlichen Schutzwänden auf Kosten der Gebührenzahler zu verschanzen.

NANANANANANANANA BATMAN
00
20.12.2010, 12:07
netflix...

ich finde den namen etwas schwach, denke nicht dass das ein erfolg wird...

Peter W1
 
00
20.12.2010, 11:53

Der Standard - Das Pendat der 1950er Zeitschrift Hobby :) . Ich wart ja echt nur noch drauf, wie uns die Red davon überzeugt, das aber spätestens nächstes Jahr alle Verkehrsfragen mit fliegenden Autos gelöst werden ;) .

JoeMasa
00
20.12.2010, 11:52
netflix

netflix, pandorra und hulu sind einfach super dienste. war nach kurzer zeit selbst abhängig und hatte keinen nachbarn der diese angebote nicht auch genützt hat

sterngucker
 
00
20.12.2010, 12:15
Wenn Sie und Ihre Nachbarn nach kurzer Zeit abhängig waren,

dann handelt es sich wohl eher um Drogendealer als um Superdienste.

JoeMasa
00
20.12.2010, 12:23
weeds?

zuviel "weeds" geschaut ha?

sterngucker
 
00
20.12.2010, 16:16
Ob Sie es glauben oder nicht

Es gibt Leute, die sind *nicht* abhängig.

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