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Carne Cruda im Santisé - yeah!
Santisé
www.santise.it
Mittag für drei mit Wein, Wasser und Kaffee: 130 Euro

Pasta, auch eine Freude

Die Backe, die ich nicht hatte: Esel in seiner schmackhaftesten Form

Carne Cruda, hier mit Wurst
Battaglino
Piazza Roma 18
Bra
00390172412509
Dinner für drei mit Wein, Wasser und Kaffee: 135 Euro

Tajarin, hier selten ein Fehler

Brasato, nicht so schlimm wie angekündigt

Der Hahnenkamm, leider zu breiig und zuviel Essig
So leicht ist die Schmeck's-Posse nicht abzuschrecken: Nur weil im Santisé keiner abhebt, lassen wir San Desiderio di Calliano noch lange nicht ungeschoren. Um 11.30 läuten wir den Wirten heraus, für 12.30 verspricht er gedeckte Tische in dem wuchtigen alten Kasten, der von außen kaum als Restaurant zu erkennen ist. Umso überraschender das durchaus gediegene Innenleben mit Blick auf den sonnigen Innenhof. Das wär doch was für nächsten Sommer.
Peball hält mir die Wange hin
Für ein Wiedersehen spricht mindestens so die Küche: prototypische Carne Cruda. Sehr schöne Angnolotti mit Bratensaft oder Butter und Salbei. Und vor allem: eine hinreißend zarte, kunstvoll geschmorte, intensive Eselsbacke. Sagt Herr Peball, der mir mehrfach die Wange hinhielt zum Kosten. Ich Esel verweigerte.
Nicht etwa aus moralischen Gründen, vielmehr aus medizinischen: Herr Peball brachte aus Wien ins Piemont drei Blasen an seinen Lippen mit, die ich eigentlich nicht erben wollte. Und: Herr Hilberg hatte ja auch eine Eselsbacke bestellt. Dachten wir, während wir unseren Pastagang verarbeiteten, unser Mitesser aber schon die Backen voll mit Backe hatte.
Au Backe
Weit gefehlt: Anche per me bezog die Frau Wirtin offenbar nicht auf Esel, sondern auf Hahn. Sie brachte also Hilberg und mir je eine Portion Finanziera, Hahn vom Kamm bis zur Kralle, quasi. Unsere Trauer über den Esel, der nun mit einer Backe einseitig durchs Leben geht, hielt sich nur bis zum ersten Bissen. Finanziera auf das Wesentliche reduziert, ohne dicke Sauce und sonstigen Firlefanz, und noch angenehm bissfest. Sehr, sehr, sehr gut, über Schönheit kann man streiten.
Wo wir schon beim Abfahren auf Hahnenkämme sind: Große Erwartungen setzten wir da ins Battaglino, im 60 Kilometer entfernten Bra. Ein großer Esser, der in der Slow-Food-Geburtsstadt wohnt, hatte uns den etwas kauzigen Wirten empfohlen, eines der wenigen Lokale mit laufend Finanziera, meinte er. Der Wirt behaupte zudem, Carne Cruda gehöre mit ordentlich Knoblauch, nur die Leute wollen das nicht mehr so. Nur: Vom Brasato müsse man hier abraten.
Schöne Schnecken
Dass ich also das rohe Fleisch mit Knoblauch bestelle, sorgt dann freilich für ein bisschen Verwunderung, wird aber umgehend erledigt. Interessante Erfahrung, auch die kleine Mettwurst zur Cruda, aber ich tendiere nun doch wieder eher zur gewohnten, knoblauchfreien Form. Tajarin mit Fleischsauce und Agnolotti mit Butter und Salbei schwer in Ordnung. Herr Peball nimmt natürlich trotz Warnung das Brasato und ist, nun ja, gar nicht völlig unzufrieden.
Herr Hilberg machte das Rennen um den Hahnenkamm, also wählte ich zur Abwechslung die Schnecken. Schön knackig, finde ich, der Herr Peball indes sagt: "Gibts woanders auch, heißt dann Flachsen." Ignorant! Die dicke Paradeiserknoblauchkräutersauce passte den Kriechtieren gut. Ich würde sagen: Secondotechnisch geht der Haupttreffer dieses Abends eindeutig an mich.
Brei in Bra
Denn: Hilbergs Hahnenkämme kamen ausgesprochen zerkocht und breiig daher, die Kostprobe ergab eher Belanglosigkeit als Freude. Das essigsaure Drumherum erinnerte den erfahrenen Mitesser an Wirtshaus-Beuschl, "und zwar von der schlechteren Sorte".
Wir raten: Wenn Sie die Lust auf Hahnenkämme und andere Heiterkeiten aus dem Federvieh packt: Il Centro in Priocca. Oder, fast noch besser: Ein Stück weiter nordwestlich liegt San Desiderio di Calliano. Der Standort des Santisé hat das Verlangen ja schon im Namen, vermute ich Sprachdilettant. Wir sehen uns dort. Ich nehme dann endlich den Esel. Damit wieder ein bisschen Symmetrie in das arme Tier kommt.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
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wie bitte? zu den preisen: bitte nennen Sie mir in wien, graz oder salzburg ein lokal in dem sie zu dritt inklusive wein um 110 euro essen können. (ich meine essen, nicht brei mit gatsch mampfen)
und was ist an den speisen so abgehoben?
bitte definieren Sie 'dekadent'!
was stellen sie sich denn unter "essen, nicht brei mit gatsch" vor?
alles ohne trüffel ist "gatsch" oder wie?
oder reicht schon ein bisserl blattgold aufs 17 Jahre gealterte argentinische Rindfleisch?
nicht böse sein, aber ESSEN ist wohl für den Großteil der Bevölkerung etwas anderes als die abgehobene "wir feiern unser Portemonnaie und die abstrakten Sterne des Kochs"-Geschwurbel hier
Der eine isst gern 'Scheibtruhe voll Mist' mit Starobrno bei Centimeter IV, die andere bevorzugt die Eselwange mit Dolcetto bei Santise. Wo ist Ihr Problem?
Carne Cruda kann sich jeder selbst machen, ist nahrhaft, preisgünstig und einfach. Worin besteht die Dekadenz? Das man zu Nudeln 'Tajarin' sagt?
Trüffel, Blattgold und Argentinien suche ich übrigens im Text vergebens.
gehackt, wie Carne cruda.
Faschiert wird, indem das Fleisch durch die Faschiermaschine gequetscht wird - Spindel, vorne eine Metallmatritze, durch die es ganz fein herausgepresst wird. Beim Hacken bestimmt man den Feinheitsgrad des Fleisches selbst, es ist gröber, "stückiger", sozusagen biss-iger.
ist aber ein Minderheitenprogramm.
Was aber nichst damit zu tun hat, dasz "wir" under "carne cruda" ganze Scheiben verstehen, werden ca so dick wie Schinkenblaetter geschnitten, dann mit Zitrone mariniert u. Parmesan, ghobelt, nicht gerieben, drueber
danke für die Aufklärung
im Übrigen sollten sie sich schon fragen was wohl dekadenz heissen könnte wenn sie um den Betrag fressen, den andere für einen Wochenvorrat an Lebensmitteln investieren...
naja
das sie das verstehen erwarte ich ja nicht
Muss ich mich jetzt entschuldigen, dass ich einen Job hab, der es mir erlaubt, nicht in eine Sinnkrise zu verfallen und an der Menschheit zu verzweifeln, nur weil mir jemand erzählt, dass er im Urlaub um 40 Euro essen war?
Angenommen es verdient jemand 3000 Euro Netto im Monat, mit harter Arbeit und nach Entbehrnisreicher Ausbildungszeit. Muss der dann 2000 Euro der Caritas schenken, damit er wieder gleich wenig hat wie der, der um 40 Euro eine ganze Woche auskommen muss oder darf er sich auch mal was gönnen? Wieviel darf er sich gönnen? Wer bestimmt, was zuviel ist? Sie?
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