32 Verletzte bei Unruhen auf der Osterinsel

5. Dezember 2010, 17:10

Ureinwohner fordern Rückgabe von Ländereien - Rapa Nui: Schlimmer als unter Pinochet

Santiago de Chile - Auf der für ihre Riesensteinfiguren weltberühmten Osterinsel im Pazifik, die zu Chile gehört, sind bei Unruhen 18 Ureinwohner vom Volk der Rapa Nui und 14 chilenische Polizisten verletzt worden. Die Ureinwohner fordern die Rückgabe von Ländereien, die ihren Vorfahren gehörten und sich nun im Eigentum von Chilenen befinden. Zu den gewalttätigen Zusammenstößen war es am Freitag gekommen, als die Polizei ein von Rapa Nui besetztes Grundstück räumte, berichteten chilenische Medien.

Teilnehmer an den Auseinandersetzungen erklärten hingegen, es seien 19 Inselbewohner und kein einziger Polizist verletzt worden. Laut einem Anwalt, der den Rapa Nui angehört, setzten die Polizisten Schrotflinten und Schlagstöcke gegen die Einheimischen ein. Der Anwalt sagte, die zehn von der Zwangsräumung betroffenen Einheimischen hätten das Haus seit September besetzt. Zuvor hätten sie einen Regierungsbeamten von dem Grundstück vertrieben.

"So etwas haben wir hier noch nie erlebt"

Die chilenische Regierung schickte inzwischen Spezialeinheiten der Polizei zur Insel, die die öffentliche Ordnung aufrechterhalten sollen. Die Sprecherin der Rapa Nui, Lola Tuki, kritisierte die gewalttätige Räumung des seit September besetzten Grundstückes: "So etwas haben wir hier noch nie erlebt, nicht einmal während der Diktatur von Augusto Pinochet". Die linke Opposition im chilenischen Parlament warnte die Regierung davor, den Konflikt mit Gewalt lösen zu wollen.

In jüngst Zeit haben Angehörige der Rapa Nui Dutzende Grundstücke beschlagnahmt, die ihren Ahnen auf illegale Weise weggenommen worden seien. Von den weniger als 5.000 Menschen, die auf der Osterinsel leben, gehören rund 2.200 zum Volk der Rapa Nui.

Trotz der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Chile sehnen sich immer mehr Inselbewohner nach Unabhängigkeit. Allerdings wäre die Osterinsel dann ein Zwergstaat mit etwa 3.800 Einwohnern. Die Insel ist 171 Quadratkilometer groß. Die Osterinsel gilt als einer der einsamsten Ort der Welt: 3.765 Kilometer sind es bis zur chilenischen Küste und 2.250 Kilometer bis zur kleinen, von nur 40 Menschen bewohnten Pazifik-Insel Pitcairn.

Fast alles außer frischem Gemüse, Fleisch und Fisch muss per Schiff und Flugzeug vom Festland herangeschafft werden. Steuern werden auf der Insel nicht erhoben. Das gesamte Insel-Budget stammt aus Chiles fünfter Region um die Hafenstadt Valparaiso, zu der die Osterinsel gehört. Ansonsten bleiben nur noch die Einnahmen aus dem Tourismus. Die Urlauber aus aller Welt, die vor allem wegen der rätselhaften Steinfiguren, den Mohai, die teure Reise auf die Insel unternehmen, sind vielen der Ureinwohner aber auch ein Dorn im Auge.

Die Verfechter der Unabhängigkeit führen vor allem ihre kulturelle Zugehörigkeit zu Polynesien ins Feld. Sie werden nicht angetrieben von einer pragmatischen Abwägung von Vor- und Nachteilen der Unabhängigkeit, sondern vom Zorn über die jahrhundertelange Unterdrückung der halbversunkenen Kultur, die von den spanischen Eroberern (Conquistadores) fast ausgerottet und später von den Chilenen mit westlicher Kultur überzogen wurde. Die für ihre gigantischen Steinskulpturen bekannte Osterinsel wurde 1888 von Chile annektiert. (APA/dpa/dapd)

Roter Baron
01
6.12.2010, 10:03
schon kurios

die insel ist niedergegangen, weil die bevölkerung sie radikal missbewirtschaftet hat (zur zeit der hübschen steinstatuen) und jetzt ? was solls jetzt werden ? ohne import ist menschliche existenz dort längerfristig nicht möglich.
ne touristeninsel wirds wohl auch kaum
weil net grad ums eck liegend

mawi89
00
6.12.2010, 09:19
Der Staat Chile hält nur das System aufrecht

und versorgt die Inselbewohner mit alltäglichen Sachen die es dort nicht gibt. Auf den konfiszierten Ländereien tun sie nix, rein gar nix. Ein Reprivatisierung kann nur zum Besseren führen und die RN's nur zu mehr Aktivitäten führen. Weniger Staatseigentum könnte dort erheblich mehr bedeuten und vielleicht auch zu einem Versuch der Aufforstung der Insel werden. Ausser Kreuzfahrer kommen nur sehr wenige Touristen auf die Insel.

Herzerzog Johann
22
6.12.2010, 08:41
Zorn über die jahrhundertelange Unterdrückung der halbversunkenen Kultur

So etwas kann nur völlig Unterbeschäftigten und Gelangweilten in den Sinn kommen ....

s'lüfterl
11
6.12.2010, 02:00
Das ist ja sooo weit weg

Präsident Piñera und sein gesamtes Kabinett mussten leider geschlossen beim Teleton antreten um in die zahlreichen Fernsehkamaras zu lächeln - das bringt Imagepunkte - das einzige was diese Regierung von Schauspielern und Statisten wirklich interessiert.

Wenn die Moai's nicht wären, dann würde man diesen abgelegenen Flecken nicht einmal erwähnen.

Rapa Nui den Rapa Nuis!

socram
62
6.12.2010, 05:31

ach, die betroffenen rapa nui sollten schön langsam mal aufwachen und feststellen, dass sie im 21. jahrhundert angelangt sind. ein dummer haufen indigener ausländerfeinde.

zwurbelbart
 
00
6.12.2010, 04:00

man hört doch immer wieder, dass die indigene kultur auf den osterinseln ausgestorben ist. wegen rohstoffübernutzung und so weiter...

bin da anscheinend unterinformiert, vielleicht kann mir hier jemand helfen. woher kommen diese rapa-nuis denn, die hier protestieren? bzw ist es dieselbe kultur, die die steinmaxeln gebaut hat?

Plus Lucis
02
6.12.2010, 10:50

Die sind nicht ausgestorben, sondern die Gesellschaftsstrukturen sind zusammengebrochen.

Es gibt ja auch noch Italiener, obwohl es das Römische Reich nicht mehr gibt.

greenberetta
02
5.12.2010, 23:11
"Sie werden nicht angetrieben von einer pragmatischen Abwägung von Vor- und Nachteilen der Unabhängigkeit, sondern vom Zorn über die jahrhundertelange Unterdrückung der halbversunkenen Kultur"

Was'n Satz.

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