Ureinwohner fordern Rückgabe von Ländereien - Rapa Nui: Schlimmer als unter Pinochet
Santiago de Chile - Auf der für ihre
Riesensteinfiguren weltberühmten Osterinsel im Pazifik, die zu Chile
gehört, sind bei Unruhen 18 Ureinwohner vom Volk der Rapa Nui und 14
chilenische Polizisten verletzt worden. Die Ureinwohner fordern die
Rückgabe von Ländereien, die ihren Vorfahren gehörten und sich nun im
Eigentum von Chilenen befinden. Zu den gewalttätigen Zusammenstößen
war es am Freitag gekommen, als die Polizei ein von Rapa Nui
besetztes Grundstück räumte, berichteten chilenische Medien.
Teilnehmer an den Auseinandersetzungen erklärten hingegen, es
seien 19 Inselbewohner und kein einziger Polizist verletzt worden.
Laut einem Anwalt, der den Rapa Nui angehört, setzten die Polizisten
Schrotflinten und Schlagstöcke gegen die Einheimischen ein. Der
Anwalt sagte, die zehn von der Zwangsräumung betroffenen
Einheimischen hätten das Haus seit September besetzt. Zuvor hätten
sie einen Regierungsbeamten von dem Grundstück vertrieben.
"So
etwas haben wir hier noch nie erlebt"
Die chilenische Regierung schickte inzwischen Spezialeinheiten der
Polizei zur Insel, die die öffentliche Ordnung aufrechterhalten
sollen. Die Sprecherin der Rapa Nui, Lola Tuki, kritisierte die
gewalttätige Räumung des seit September besetzten Grundstückes: "So
etwas haben wir hier noch nie erlebt, nicht einmal während der
Diktatur von Augusto Pinochet". Die linke Opposition im chilenischen
Parlament warnte die Regierung davor, den Konflikt mit Gewalt lösen
zu wollen.
In jüngst Zeit haben Angehörige der Rapa Nui Dutzende Grundstücke
beschlagnahmt, die ihren Ahnen auf illegale Weise weggenommen worden
seien. Von den weniger als 5.000 Menschen, die auf der Osterinsel
leben, gehören rund 2.200 zum Volk der Rapa Nui.
Trotz der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Chile sehnen sich
immer mehr Inselbewohner nach Unabhängigkeit. Allerdings wäre die
Osterinsel dann ein Zwergstaat mit etwa 3.800 Einwohnern. Die Insel
ist 171 Quadratkilometer groß. Die Osterinsel gilt als einer der
einsamsten Ort der Welt: 3.765 Kilometer sind es bis zur chilenischen
Küste und 2.250 Kilometer bis zur kleinen, von nur 40 Menschen
bewohnten Pazifik-Insel Pitcairn.
Fast alles außer frischem Gemüse, Fleisch und Fisch muss per
Schiff und Flugzeug vom Festland herangeschafft werden. Steuern
werden auf der Insel nicht erhoben. Das gesamte Insel-Budget stammt
aus Chiles fünfter Region um die Hafenstadt Valparaiso, zu der die
Osterinsel gehört. Ansonsten bleiben nur noch die Einnahmen aus dem
Tourismus. Die Urlauber aus aller Welt, die vor allem wegen der
rätselhaften Steinfiguren, den Mohai, die teure Reise auf die Insel
unternehmen, sind vielen der Ureinwohner aber auch ein Dorn im Auge.
Die Verfechter der Unabhängigkeit führen vor allem ihre kulturelle
Zugehörigkeit zu Polynesien ins Feld. Sie werden nicht angetrieben
von einer pragmatischen Abwägung von Vor- und Nachteilen der
Unabhängigkeit, sondern vom Zorn über die jahrhundertelange
Unterdrückung der halbversunkenen Kultur, die von den spanischen
Eroberern (Conquistadores) fast ausgerottet und später von den
Chilenen mit westlicher Kultur überzogen wurde. Die für ihre
gigantischen Steinskulpturen bekannte Osterinsel wurde 1888 von Chile
annektiert. (APA/dpa/dapd)