Die Nachfrage für edle Werkstoffe steigt explosionsartig. Europa besitzt nur sehr wenige dieser seltenen Rohstoffe, hat aber einen hohen Bedarf
Seit das Automobil immer mehr elektrische Komponenten benötigt, um weniger Energie zu verbrauchen und sauberer zu verbrennen, dringt es langsam ans Tageslicht: 97 Prozent der geförderten sogenannten Seltenen Erden für die Elektronikindustrie kommen aus China, ein Großteil des für Batterien notwendigen Lithiums aus Südamerika und - auch aus China. Platin für Katalysatoren aus Südafrika.
Die Liste an einseitigen Abhängigkeiten ließe sich schier endlos fortsetzen. Chinas Drohung, den Export Seltener Erden überhaupt zu unterbinden, weil man diese Elemente ohnehin selbst brauche, ließ sofort globale Katastrophenszenarien entstehen. Tatsächlich besitzt China inzwischen einen hohen Entwicklungsstand in Sachen Elektronik und Speichertechnologie, braucht also jede Menge davon selbst.
Was die Verantwortlichen im Moment irritiert, ist aber nicht die grundsätzliche längerfristige Verfügbarkeit edler Werkstoffe, sondern der explosionsartige Anstieg der Nachfrage. Dazu kommt, dass Europa tatsächlich wenige dieser seltenen Rohstoffe besitzt oder nur in schwierig zugänglicher Form, dabei aber durch seine extrem leistungsfähige Hightech-Industrie einen sehr hohen Bedarf hat. Das macht durchaus verwundbar.
Dass die USA und vor allem China mittlerweile längst in Afrika bergbautechnische Hoffnungsgebiete erschlossen, gekauft oder sich unter den Nagel gerissen haben, ist auch eine Tatsache. Dabei erfährt man aber nur einen kleinen Teil der Wahrheit, wenn man die Welt in Nationalstaaten unterteilt. Die Macht der Konzerne ist allgegenwärtig. So werden 75 Prozent des Eisenerzes von vier Konzernen kontrolliert, bei Magnesium sind es gar nur drei, beim Aluminium ist es nicht viel anders. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/03.12.2010)
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