Die Winterradler in Wien haben dieser Tage ein massives Problem. Ihre Radwege liegen unter einer weichen, weißen Decke. In Kopenhagen könnte das nicht passieren
Wenn die A21 für ein paar Stunden gesperrt ist, weil reihenweise die Lkws hängen geblieben sind, wird der Ärger darüber lauthals herausposaunt. Ganze Internetforen sind voll mit Beschwerden und Beschimpfungen. Dass gleichzeitig die Radwege in Wien nicht geräumt werden, stört nur wenige: Die kleine Gruppe eiserner Radlerinnen und Radler, die den Winter über durchfahren wollen.
Zahl der Winterradler steigt
Alec Hager von der IG-Fahrrad ist überzeugt: "Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel hat immer Saison", und er sieht die Anzahl der Ganzjahresradler steigen. "Sie nutzen die positiven Effekte auf die Gesundheit und entlasten die Stadt von Autoabgasen und U-Bahn-Viren." Eine aktuelle Statistik des Verkehrsclub Österreich stützt diese Aussage. Jeder dritte Radfahrer fährt auch im Winter, besagt die Statistik. Das ist mehr als eine halbe Million Österreicher. Noch 2005 fuhr nur jeder fünfte auch im Winter mit dem Fahrrad.
Hager sieht die Defizite in der Schneeräumung der Radwege deutlich: "Wir brauchen die Rahmenbedingungen, um das Fahrrad auch als Winterfahrzeug nutzen zu können. Die Schneeräumung kann nicht nur für die KFZ-Fahrbahn vorgesehen sein. Die Radwege sind keine Schneedepots, und der Winter ist kein Ausnahmezustand, der sowohl das Vorsichts- als auch das Rücksichtsprinzip für KFZ-Lenkerinnen und -Lenker außer Kraft setzt."
Vorbild Kopenhagen
Zwar meint Hager, dass sich die Situation in Wien bessert. Anders aber die Poster auf der Homepage der IG-Fahrrad, die sich am 1. Dezember darüber alterieren, dass noch nicht geräumt wurde. "In Kopenhagen werden die Radwege per Rathausbeschluss vor den KFZ-Fahrbahnen vom Schnee befreit", hat Hager das passende Vorbild für die Wiener Stadtregierung parat.
Am 6. Dezember möchte die IG-Fahrrad auf die Missstände im Winterbetrieb hinweisen und schenkt an Wiens meistbefahrener Radl-Kreuzung vor der Oper Tee aus und serviert dazu Kekse. Gleichzeitig möchte Alec Hager damit den Winter-Radlerinnen und -Radlern danke sagen. "Zusätzlich informieren wir vor der Oper über gute Radbeleuchtung und deren Sicherheitseffekt. Die dazu passenden Radlichter verlosen wir gleich bei der Wintertombola, denn Sichtbarkeit ist Sicherheit. Das gilt im Winter umso stärker." Der VCÖ empfiehlt im Winter hinten ein Standlicht zu montieren, um besser gesehen zu werden.
Vielleicht geht ja auch den Verkehrsplanern ein Licht auf und sie nehmen sich ein Beispiel an Kopenhagen. Die Winterrad-Aktion am Opernring beginnt um 16:00 Uhr und dauert drei Stunden lang.