Radwege sind keine Schneedepots

Guido Gluschitsch, 5. Dezember 2010, 17:02
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    foto: ig fahrrad

    "Das Fahrrad eignet sich auch im Winter als Alltagsfahrzeug", meint Alec Hager von der IG Fahrrad, "wir brauchen nur die richtigen Rahmenbedingungen dafür."

Die Winterradler in Wien haben dieser Tage ein massives Problem. Ihre Radwege liegen unter einer weichen, weißen Decke. In Kopenhagen könnte das nicht passieren

Wenn die A21 für ein paar Stunden gesperrt ist, weil reihenweise die Lkws hängen geblieben sind, wird der Ärger darüber lauthals herausposaunt. Ganze Internetforen sind voll mit Beschwerden und Beschimpfungen. Dass gleichzeitig die Radwege in Wien nicht geräumt werden, stört nur wenige: Die kleine Gruppe eiserner Radlerinnen und Radler, die den Winter über durchfahren wollen.

Zahl der Winterradler steigt

Alec Hager von der IG-Fahrrad ist überzeugt: "Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel hat immer Saison", und er sieht die Anzahl der Ganzjahresradler steigen. "Sie nutzen die positiven Effekte auf die Gesundheit und entlasten die Stadt von Autoabgasen und U-Bahn-Viren." Eine aktuelle Statistik des Verkehrsclub Österreich stützt diese Aussage. Jeder dritte Radfahrer fährt auch im Winter, besagt die Statistik. Das ist mehr als eine halbe Million Österreicher. Noch 2005 fuhr nur jeder fünfte auch im Winter mit dem Fahrrad.

Hager sieht die Defizite in der Schneeräumung der Radwege deutlich: "Wir brauchen die Rahmenbedingungen, um das Fahrrad auch als Winterfahrzeug nutzen zu können. Die Schneeräumung kann nicht nur für die KFZ-Fahrbahn vorgesehen sein. Die Radwege sind keine Schneedepots, und der Winter ist kein Ausnahmezustand, der sowohl das Vorsichts- als auch das Rücksichtsprinzip für KFZ-Lenkerinnen und -Lenker außer Kraft setzt."

Vorbild Kopenhagen

Zwar meint Hager, dass sich die Situation in Wien bessert. Anders aber die Poster auf der Homepage der IG-Fahrrad, die sich am 1. Dezember darüber alterieren, dass noch nicht geräumt wurde. "In Kopenhagen werden die Radwege per Rathausbeschluss vor den KFZ-Fahrbahnen vom Schnee befreit", hat Hager das passende Vorbild für die Wiener Stadtregierung parat.

Am 6. Dezember möchte die IG-Fahrrad auf die Missstände im Winterbetrieb hinweisen und schenkt an Wiens meistbefahrener Radl-Kreuzung vor der Oper Tee aus und serviert dazu Kekse. Gleichzeitig möchte Alec Hager damit den Winter-Radlerinnen und -Radlern danke sagen. "Zusätzlich informieren wir vor der Oper über gute Radbeleuchtung und deren Sicherheitseffekt. Die dazu passenden Radlichter verlosen wir gleich bei der Wintertombola, denn Sichtbarkeit ist Sicherheit. Das gilt im Winter umso stärker." Der VCÖ empfiehlt im Winter hinten ein Standlicht zu montieren, um besser gesehen zu werden.

Vielleicht geht ja auch den Verkehrsplanern ein Licht auf und sie nehmen sich ein Beispiel an Kopenhagen. Die Winterrad-Aktion am Opernring beginnt um 16:00 Uhr und dauert drei Stunden lang.

Link:

IG Fahrrad

-> derStandard.at/AutoMobil auf Facebook.

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Kommentar posten
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Quatremère
04
8.12.2010, 20:44
die autofahrer sind schuld

das einzige was das radfahren im winter gefährlich macht, sind die doofies, die sich nur kleine gucklöcher in die scheiben kratzen und daher die radfahrer (und fußgänger und ampeln) übersehen.

meinrad
12
9.12.2010, 17:27
na na das darf man ned sagen.

weil die radfahrer, die "gefährden sich selbst".

dass die gefahr selbst eigentlich von tonnenschweren motorisierten fahrzeugen ausgeht, und ein radfahrer dieser gefahr nur ausgesetzt ist, will keiner hören - sonst könnte man die verantwortung zum aufpassen ja nicht so bequem den schwächeren verkehrsteilnehmern zuschieben.

Heinz Anderle
 
181
8.12.2010, 10:11
Die Straßenverkehrsordnung gehörte der Realität angepaßt:

"Bei Nässe, Rauhreif, Glatteis, Schneefall, Laubfall u. dgl. erfolgt die Straßenbenützung mit einspurigen Fahrzeugen sowie bei motor- und muskelkraftbetriebenen Dreirädern (ausgenommen dreirädrigen Personenkraftwagen der Führerscheinklasse B) und vierrädrigen muskelkraftbetriebenen Fahrzeugen und Kraftfahrzeugen der Führerscheinklasse A auf eigene Gefahr. Eine Haftung des Straßenerhalters ist witterungsbedingt ausgeschlossen. Die Hapftflichtversicherung ist von Leistungen befreit."

Dann hört sich dieser Unsinn nämlich schnell auf.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

supertyp
00
31.1.2011, 10:00

für einen freigeist denken sie ziemlich beschränkt

Michl52
05
14.12.2010, 23:46

Fahrverbot für Motorisierte wäre wohl angebrachter.
Dann hört sich der Unsinn nämlich wirklich auf.

meinrad
02
9.12.2010, 17:41
hat eine gewisse ähnlichkeit dazu, einer frau zu sagen, "hätt sie halt keinen minirock angezogen, dann wär sie nicht vergewaltigt worden".

die gefahr geht aber nicht vom minirock aus, sondern vom vergewaltiger.

genauso geht auf der straße die gefahr selbst nicht von einspurigen fahrzeugen aus, sondern von tonnenschweren kfz, die ersteren rücksichtslos um die ohren fahren.

aber anscheinend gehst du davon aus, dass autos die absolute vorrangstellung haben müssen und alle anderen verkehrsteilnehmer auf der straße höchstens geduldet werden, aber dort eigentlich nix zu suchen haben.

wenn man so denkt, erwartet man natürlich, dass einem möglichst alles, was man gefährden könnte, aus dem weg geräumt wird, damit man selber nicht aufpassen muss. sollen doch die anderen achtgeben!

mediocrity
02
9.12.2010, 14:55
Mach dich nicht lächerlich.

Warum sollten Radfahrer anders behandelt werden als z.B. Fußgänger und Autofahrer? Mir fällt kein Grund ein.

maxauthority
12
7.12.2010, 09:44

"In Kopenhagen werden die Radwege per Rathausbeschluss vor den KFZ-Fahrbahnen vom Schnee befreit" -> Ja bitte auch in wien! Dann kann ich nach schneefall endlich laenger die schoene schneefahrbahn mit dem BMW geniessen :)

menschenfreundliche Stadt
01
7.12.2010, 14:48
wir sind die coolsten, wenn wir cruisen, ... :D

ja. super idee. weil das auto ja ein rennfahrzeug ist und kein transportmittel.

genau desswegen wird der PKW-verkehr zurückgedrängt weil risiko und rasen nichts im verkehr zu suchen haben.
rennstrecken gibts dafür.

gibt acht und fahr gut.

am besten lasst den bmw links liegen und steigst um auf wesentlich bessere verkehrsmittel.

gute besserung, gell ?!

maxauthority
01
7.12.2010, 14:54

Naja, ich hab ja nicht rennfahrzeug gesagt - spassfahrzeug wuerds besser treffen. Und grad radlfahrer sollten sehr gut verstehen, dass sein verkehrsmittel auch ein spassfahrzeug sein kann (zumindest denken das viele der fahrradfahr-freunde ich die kenn).

Natuerlich ist das fahrrad das viel umweltfreundlichere Verkehrsmittel, aber darueber will ich jetzt echt nicht darueber diskutieren. Der Punkt ist: verwendest du nicht auch das fahrrad weils einfach spass macht und nicht nur weil du vl. schneller als mit dem auto bist?

Und solang man aufpasst, und nur dort mit dem auto driftet, wo genug platz ist, seh ich kein problem darin, dass man auch einfach mit dem auto spass haben koennen soll.

menschenfreundliche Stadt
00
7.12.2010, 15:14
spassfahrzeug

naja. ..
"genug platz" und "aufpassen" ist ja dehnbar.
aber gürtelkreuzung, Stadionparkplatz, etc sicher ok,

jegliche raser-geschichten in Wohnvierteln sind jedoch garantiert fehl am platz.

lg

@radfahren.
das geniale ist ja, dass normales fortbewegen dermaßen geil ist, weil man schneller als alle anderen ohne abgase und mit eigener kraft ist.
da braucht man kein rasen oder risiko. - nur einige der vielen vorteile :D

maxauthority
00
7.12.2010, 15:22

Seh ich eh genau gleich, also unter 3 spuren (oder am besten echt parkplatz) ist niemals genug platz, dass man "sicher" sich mit dem auto etwas spielen kann. Und selbst dann am besten auf der nordbruecke oder sonst wo keine fussgaenger oder parkenden autos sind.

@Radfahren: Ich find radfahren eh super, und obwohl ich keins hab (da fuer mich im sommer halt das motorrad fast alle vorteile des fahrrades bietet - abgesehen vom umweltfaktor) find ich dass fahrradfahren auch weiter gefoerdert gehoert.

Aber eben nicht NUR weil man schnell und umweltfreundlich unterwegs ist, sondern eben weil radfahren auch einen ordentlichen spass machen kann (im gegensatz zur ubahn, die meist wirklich nur ein fortbewegungsmittel ist).

meinrad
10
7.12.2010, 09:55

mal schaun, wie lang du den schönen bmw dann hast, bevor entweder du ihn wo rumwickelst oder dir wer anderer ins geparkte auto schlittert...

Craig Christ
00
7.12.2010, 14:21
oder dir wer anderer ins geparkte auto schlittert...

Wenn die Leute unfaehig sind bei Schneefahrbahn zu fahren, dann sollen sie es zur Sicherheit aller, bleiben lassen egal ob sie mit KFZ oder Radl unterwegs sind.
(Das gilt uebriges fuer alle Wetter- und Strassenverhaeltnisse.)

Ich bin einmal bei Schneefahrbahn (innerorts am Tag) jmd nachgetuckert und wir wurden unter anderem von einer Spaziergaengerin mit Kinderwagen ueberholt. Mein erste Gang mit Standgas war zu schnell (Auto: Nissan Primera, als kein Porsche oder sowas).

meinrad
00
7.12.2010, 16:48

naja, aber nur weil einer auf einer schneefahrbahn zügig fährt, heißt das ja noch nicht, dass er sein fahrzeug auch unter kontrolle hat, falls was unvorhergesehenes passiert. (wie beim skifahren: schussfahren kann jeder - das können beweist sich erst, wenns gradaus nicht weitergeht)

das gilt fürs fahrrad und fürs auto gleichermaßen. nur wenns einen mit dem radl schmeißt, macht man sich halt dreckig und bricht sich schlimmstenfalls was. mit dem auto kann man wen umbringen. insofern hat man mit dem auto schon mehr verantwortung.

Michl52
20
12.12.2010, 20:54
Nur keine Verharmlosung

Auch mit dem Fahrrad kann man sowohl sich selbst als auch andere (vor allem Fußgänger) ins Jenseits befördern, sowohl bei Schön- als auch bei Schlechtwetter.

meinrad
02
13.12.2010, 02:58

naja "können". möglich ist alles. die wahrscheinlichkeit ist nur sehr gering. es werden jährlich mehr leute ermordet, als leute durch radfahrer getötet werden. insofern müsste man sich vor seine familie mehr fürchten als vor fremden radlern, nachdem die meisten morde im familienumfeld geschehen.

damit will ich nicht tatsächlich rowdyhafte radfahrer in schutz nehmen, aber das bedrohungsszenario, das manche hier zeichnen, ist doch sehr übertrieben.

Michl52
20
14.12.2010, 23:43
Die Realitätsverweigerung sieht man zum Teil in der Statistik

und das sind jährlich bei 4.000 verletzte Fußgänger, 5.500 verletzte Radfahrer, über 100 tote Fußgänger, 46 tote Radfahrer (Mittel der letzten 3 Jahre).
Bei den Verletzten kann man ruhig 1/3 (mindestens) als Dunkelziffer hinzufügen, vor allem die durch Eigenverschulden zugefügten Verletzungen.
Im Jahr 2009 verzeichnet die Statistik immerhin 25 getötete Radfahrer infolge von Unfällen ohne Zusammenstoß / bei sonstigen Transportmittelunfällen (was immer das auch heißt).

Craig Christ
00
7.12.2010, 17:18

Diese Person vor mir war allem Anschein nach aber mit der Situation ueberfordert, oder mit Sommerreifen unterwegs. In beiden Faellen waere Nichtfahren die bessere Loesung.

Das KFZ-Fahrer mehr Verantwortung haben stimmt schon, aber ein ueberforderter Radler auf einer Strasse kann auch Unfaelle provozieren.

Ansonsten stimme ich Dir zu.

(selber 12 Monate mitn Radl unterwegs + Auto u. Motorradbesitzer)

fussgängerüberführung
03
6.12.2010, 14:13
Frage an den Autor des Artikels:

Wie werden in Kopenhagen die Radwege geräumt? Schwarz oder weiß? D.h. nahezu täglich gesalzen, was zu diesem Salzschleim führt der zudem ewig nicht trocknet, oder lediglich geräumt und gesandet?

Das ist insofern von Relevant, als dass mir die grausige Sand- und Salzsuppe von Innsbrucks Salzstreumanie ordentlich stört, das ist nur grausig und für mich ein Grund eben nicht mit dem Radl zu fahren: Obwohl das Wetter trocken und frisch, hat man stets Salzlauge an Kleidung und Radl und blickt zudem in das triste Nassschwarz der Salzstrasse.

Bei der Weissräumung wird der Schnee auch geräumt, jedoch nicht gesalzen (nur Sand).
Letzteres gatscht nicht, wird bald trocken, erfordert in schattigen Stellen dennoch ab und an etwas gesunder Vorsicht.

Gsi Berger
01
6.12.2010, 17:03
Gute Frage!

So wie's aussieht, wird in Kopenhagen schwarz geräumt. Die scheinen die Schneeräumung wirklich sehr ernst zu nehmen, wie in diesem Blog ausführlich beschrieben wird: http://www.copenhagenize.com

Ich mag diesen Salzgatsch ja auch als Fußgänger nicht, und der tiefe Matsch ist zum Radeln fast unmöglich. Bei der Weißräumung bleiben aber bald hartgefahrene, eisige Stellen, das ist auch nicht so toll.

Amsterdamize.com gibt's übrigens auch, auch ein sehr schönes Vorbild.

ljack
00
8.12.2010, 09:43
In Kopenhagen...

...wird geräumt und gesalzt. Aber es gibt einen großen Unterschied: dort wird auch noch mit einem Kehrfahrzeug der Matsch vom Weg geräumt, so dass es eben nicht diese schleimige gefährliche Salzmatschmischung gibt.

Michl52
00
12.12.2010, 21:06

üblicherweise gibt es in Kopenhagen kaum Frost und wesentlich mehr Niederschlag als in Wien; daher ist der Dreck meist schnell wieder weggewaschen.
Derzeit ist die Wetterlage atypisch für dort. Das könnte jedoch noch typisch werden, falls der Golfstrom für längere Zeit schwächelt oder gar ausbleibt.

Gerhard56
194
6.12.2010, 13:49
Amsterdam und Kopenhagen ...........

........ sind Beispiele, welche mit Wien wenig zu tun haben. Einerseits sind beide Städte, insbesondere Amsterdam um sehr viel kleiner, andererseits gibt es z.B. in Amsterdam dafür sehr regen privaten Bootsverkehr auf allen Kanälen. Vielleicht sollten wir die Ringstraße und den Gürtel auch zu Kanälen mit Schiffsverkehr machen? Dumme Idee - ja natürlich, weil eben jede Stadt ihre Eigenheiten hat und nur zwei Städt als plakatives Beispiel herauszupicken ist nicht seriös. Im Prinzip will eine kleine, aber lautstarke, Minderheit der großen Mehrheit ihre 'Religion' aufzwingen und mal kurz gesagt, den Erhalt und Bau von Fahrradwegen muß auch der Autofahrer mit den Steuern (KFZ) und Abgaben (MÖST) berappen. So schaut's in Wahrheit aus!

uni versalis
00
7.12.2010, 15:24
vorbilder muss man meistens herauspicken, denn

es liegt in der natur der sache, dass es nicht viele davon gibt.

übrigens ist amsterdam größer als kopenhagen. die größe der stadt hat aber wohl wenige einfluss.

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